Die Informationen hier können nicht vollständig sein. Sie gehen oft davon aus, daß Ihr die Vor­ge­schichte kennt.
Bitte lest die Jah­res­be­richte vom Sep­tem­ber 2004 und Oktober 2005 und die genaueren Berichte, auf die dort hin­ge­wiesen wird. Oder geht über die Schalt­fläche "Gesamt-Inhalt und ältere Berichte" ins Archiv der "Er­gän­zungen zu den Jahres­be­rich­ten", in denen ich während der Reisen immer ganz aktuell berichtete.

 
Aktuelles / Neueste Meldungen

Indonesien, Mai bis September 2006

(Von unten nach oben zu lesen!)
 

Jürgen Dahm Stiftung
gegründet.
Neue Internet-Seiten unter

www.j-dahm-stiftung.de

10.10.2006: Gestern kam ich morgens gegen 9 Uhr in meiner Wohnung in Kathmandu an.
Nach knapp einer Stunde besuchten mich die ersten drei Kinder. Bis zum Abend hatte ich 44 Kinder und Jugendliche getroffen, vier hatten mich angerufen, über etwa zehn hatten mir Freunde und Verwandte ausführlich erzählt.
In wenigen Tagen werde ich diese Seiten hier aufräumen und Euch gut zwei Monate lang regelmäßig aus Nepal berichten.
 

3.10.2006: Seit heute steht der "Jahresbericht 2006", die Zusammenfassung der vergangenen 12 Monate, als PDF-Datei zur Verfügung. Hier geht's zur Download-Seite.
(Alle, denen ich den Bericht per Post oder per E-Mail schicke, werden ihn noch im Laufe dieser Woche erhalten.)

8.9.2006: Seit Montag früh bin ich wieder zu Hause. Der Flug war lang und ich konnte kaum schlafen; aber inzwischen geht es mir wieder gut und ich bin am arbeiten, abrechnen...
Die 5.375 von den Kindern aufgenommenen Digitalfotos habe ich inzwischen auf 2 DVDs endgültig archiviert und damit auf meiner Festplatte wieder etwas mehr Platz geschaffen.

Sonnenuntergang über Bali, von Lombok aus fotografiert.

Das nebenstehende Bild brachte mir ein Drittklässler (!) und es ziert seitdem den Desktop meines Computers.
Für Euch habe ich auf vier Extra-Seiten eine kleine Auswahl der Fotos zusammengestellt und mit Kommentaren der Kinder und Jugendlichen versehen.
Seite 1
Seite 2
Seite 3
Seite 4
Technische Hinweise: Auf jeder Seite findet Ihr 20 Fotos, je 480x360 Pixel (so wie das Nebenstehende). Jedes Foto belegt zwischen 31 und 71 KB. (Wenn Du eine langsame Internetverbindung hast, solltest Du die Seiten im Hintergrund aufbauen lassen, während Du noch Mails verschickst oder andere Arbeit erledigst.)
Es sind die Fotos der Kinder! Ich habe teilweise ein wenig beschnitten und leicht die Farben korrigiert; bei schief gehaltener Kamera das Bild leicht gedreht. Mehr habe ich nicht verändert; keine Ausschnitte gemacht! - Dies sind die Fotos so wie die Kinder sie einfingen.

2.9.2006: Das war's denn also mal wieder; ein Sommer in Indonesien geht zu Ende. Das Gepäck, das ich bei einem Freund in Denppasar lasse, habe ich vorhin abgegeben; nach 19 Uhr holte der Vermieter mein Motorrad ab. - ENDE.
Gerade las ich noch einmal alles durch, was ich Euch in den vergangenen vier Monaten so berichtete. Und nun will ich Euch ein paar Ergänzungen, wenige Korrekturen, viele "Endergebnisse" liefern:
Voll Schreck fiel mir auf, dass ich Euch über den am 13.8. erwähnten "Kinder-Computer" noch gar nicht berichtete: Das alte Notebook, an dem die Kinder lernten, mit 10 Fingern zu schreiben, ging kaputt und war nicht zu reparieren. Der Computer-Händler, bei dem ich seit Jahren meine Notebooks immer mal reparieren ließ, gab mir die Preisliste seines Lieferanten in Surabaya. Und er gab mir diesen Netto-Preis; plus Transportkosten; und ließ den Computer dafür auch noch kostenlos mit allen möglichen Programmen ausrüsten: "Für Deine Kinder..." - Und so kaufte ich für ganze 89 Euro einen gebrauchten Pentium II mit kleinem Bildschirm und Maus (Tastatur hatten wir bereits), an dem die Kinder nun nicht nur das 10-Fimger-Schreiben lernen, sondern die Mittelschüler auch den in den Schule gelernten Gebrauch von Word und Excel nachvollziehen können. Diesen Computer "lagerte" ich bei Amir und hoffe, dass er alle Abrechnungen direkt dort wird eingeben können.
Der Dieb wird wohl nicht ins reguläre Gefängnis gehen. Da er noch so jung ist, wird er voraussichtlich unter Vormundschaft des Staates gestellt und in einem Erziehungsheim auf Bali eine strenge Schule besuchen.
In das Antragsformular für neue Schülerinnen und Schüler - das diese selbst unterschreiben müssen - habe ich (nach dem Vorbild einer Schule) unter den Infos zur Familie auch deren "Versprechen" aufgenommen: Fleißg zu sein und die Ausbldung abzuschließen; nicht zu betrügen, nichts Unnötiges zu erbitten und mit Jürgens Geld vorsichtig umzugehen; nicht zu heiraten, solange sie noch in der Ausbildung sind.
Die alte Frau, deren Fotos ich Euch am 3.7. zeigte, verstarb eine Woche später.
Falls es Euch irritierte, dass ich anfangs von 1300 Rupien für ein Foto sprach; und später von 1000,-: Zunächst hatte ich 10x15 cm empfohlen; aber die meisten entscheiden sich für 9x13.
Meine Abrechnung dieses Sommers (Excel-Datei) ist inzwischen 5,3 Megabyte groß; die Summe der für die Kinder ausgegegbenen Gelder beläuft sich auf 82.442.312 Rupien oder etwa 7185,- Euro.
Das Mädchen, das in der 8. Klasse heiratete, besuchte mich. Sie ist im 3. Moat schwanger.
Ein Fehler am 20.7.: Von gut 120 Schülerinnen und Schülern schafften 21 den Abschluss NICHT. (D.h. 99 bestanden.)
In meiner Kinder-Datenbank liegen inzwischen 172 Kinder und Jugendliche ( und inzwischen Erwachsene oder verschwundene Ex-Kinder).
Auf 9 CDs habe ich 5375 von den Kindern gemachte Fotos archiviert.
Von 753 Fotos habe ich Abzüge entwickeln lassen und je 1000 oder 1300 Rupien dafür bezahlt - die ich von den Kindern bekam. (In dem Fotolabor werde ich inzwischen wie ein Ehrengast behandelt!)
Die Ahnen-Datei umfasst inzwischen 1265 Personen, die alle miteinander verwandt oder verschwägert sind; in 386 Familien. 310 Personen (ohne "unsere Kinder" - deren Fotos in einem anderen Verzeichnis liegen) sind inzwischen mit einem "Passbild" versehen.

28.8.2006: Seit Freitag habe ich alle unsere Kinder im Osten Balis (in drei verschiedenen Familien) je zweimal besucht: Einmal zum Abrechnen und einmal zum Geld-Deponieren. - Insgesamt fast 400 Euro, mit denen sie nun bis Mai 2007 auskommen und selber haushalten müssen.
Überwiegend habe ich gute Nachrichten:
Wayan ist - mit nicht all zu guten Noten - in die 12. und letzte Klasse der Fach-Oberschule für Automechaniker versetzt worden. Seit zwei Wochen macht er ein fünf-monatiges Training in einer Werkstatt in Sanur, wird einmal im Monat seine Eltern besuchen und sich in der Schule melden müssen, an der er dann noch einmal sechs Monate Unterricht haben wird.
Sein Bruder Kadek, der als Kind wegen seiner verkrüppelten Arme und Beine an keiner Schule angenommen worden war, schloss jetzt mit sehr guten Noten die Grundschule ab. Da er schon 16 Jahre alt ist, und da die Mittelschule weiter entfernt und für ihn auf den Prothesen nur schwierig zu erreichen ist, gibt er den Schulbesuch auf (und ist nicht zum Weitermachen zu überreden).
Der andere Kadek wurde in die 11. Klasse versetzt und hat bereits die ersten 8 Wochen Training in einem Hotel hinter sich. Ab heute muss er wieder die Schule besuchen, die er in zwei Jahren nach weiteren Praktika abschließen wird.
Ketut schloss dieses Jahr die Fach-Oberschule Tourismus ab mit guten Noten und einigen Extra-Zertifikaten. Im Mai wollte sie Geld von mir leihen für ein Jahr Fachhochschule, weil sie seit Jahren davon träumt, auf Kreuzfahrtschiffen zu arbeiten. Doch nun vermittelte ihr jemand eine feste Anstellung in einer Bank. (Manchmal lohnt es sich, bildhübsch zu sein!) Da sie das Mindestalter für Schiffs-Stewardessen erst in knapp drei Jahren erreichen wird, will sie nun zwei Jahre arbeiten. Bis dahin sollte sie genug Geld gespart haben, um das Studium selber zu finanzieren; und in zwei Jahren wird ihre Schwester Ida die Schule abschließen und kann ihre Stelle bei der Bank dann gleich übernehmen.
Ida wurde mit sehr guten Noten in die 11. Klasse versetzt und zeigte mir das Zertifikat über den 3. Platz in einem ganz-balinesischen Kunsthandwerks-Wettbewerb.
Die 13-jährige Ayu wurde mit durchschnittlichen Noten in die 8. Klasse versetzt. Und zeigte mir die Bescheinigung der balinesischen Karate-Vereinigung über die bestandene Prüfung zum gelben Gürtel.
Ich selbst sitze, wenn ich nicht Motorrad fahre und Kinder besuche, die meiste Zeit auf der kleinen Veranda, die ich so liebe (und die einige von Euch von früheren Fotos kennen); über mir das Strohdach, vor mir der üppig grüne Garten, von rechts - hinter dem Grün - rauschen die Wellen. Und der Computer steht den ganzen Tag nicht still: So viele Notizen auszuwerten, Abrechnungen zu prüfen und zu säubern, alle Zeugnisnoten aus den vorläufigen Tabellen in die Datenblätter der Kinder übertragen...
Übermorgen werde ich den Osten Balis verlassen. Dann habe ich noch 3 Tage in Legian, um einzukaufen, Haare schneiden zu lassen, ein paar Freunde zu besuchen, meine Sachen zu verpacken. - Ab kommenden Montag werde ich für fünf Wochen in Deutschland sein.
 

Mädchen an der Bar-Theke des Restaurants

23.8.2006: Gestern fuhr ich ein letztes Mal für ein touristisches Frühstück nach Senggigi. Und wer brachte mir tänzelnd und vor Freude strahlend die Speisekarte? Suhartini, der wir bis 2005 die Tourismus-Oberschule gezahlt hatten. Seitdem hatte sie verschiedene befristete Jobs, war zeitweise arbeitslos. Nun ist sie nach drei Monaten "Training" (wie hier die unbezahlte Probezeit genannt wird) fest angestellt worden.
Seit Wochen hatte ich allen Kindern erzählt, dass Montag mein letzter Tag sei. Ich hatte aber längst fest eingeplant, dass ich zwei Tage ohne all zu viele Besucher und ohne Schul-Abrechnungen brauche, um alles abzuschließen, zu verpacken und zu deponieren. Am Donnerstag werde ich also endgültig nach Bali fahren und Euch dann bald auch wieder von den dortigen Kindern berichten.

20.8.2006: Gestern hatten wir unsere schon fast traditionelle Abschluss-Versammlung. Amir, der endlich mal reguläre Arbeit hat, hatte sich extra einen Tag frei genommen - und so war ich etwas enttäuscht, dass etwa zehn der 81 Eingeladenen einfach nicht erschienen. (Ältere, die ihr Training in einem Hotel machen oder nachmittags an die Uni müssen, hatten sich vorher entschuldigt.)
Zum einen ging es darum, dass sich alle einmal kennenlernen; und dass Amir einige erstmals kennenlernte, die aus dem hiesigen Dorf stammen und nicht gerade jeden Tag zum Spielen kommen.
Zum anderen mussten die Neuen informiert werden, wann und wo sie Amir treffen, wie sie zu bestellen und abzurechnen haben. Und auch die Schülerinnen und Schüler, die wir schon länger betreuen, musste ich mal wieder ermahnen wegen all der Fehler und Ungenauigkeiten, die ich in ihren Bestellheften gefunden hatte. (Nicht unterschrieben; unterschrieben, obwohl sie einen der bestellten Gegenstände nicht erhielten; Geld zurückerstattet, aber nicht in die Abrechnung eingetragen; usw.)

Unsere Versammlung im Garten der Pension
Unsere Versammlung im Garten der Pension.
(Ein Ausschnitt; nur ein Teil des Besucher ist zu sehen.)

Und dann ging es mal wieder um das liebe alte Thema Fleiß und Sparsamkeit. Dass sie mit schlechten Noten keine Zukunftschancen haben; dass es nicht einzusehen ist, dass einer dreimal seine Mütze verliert oder in 9 Monaten 8 Kulis verbraucht. Dass nur ein Kuli weniger für jeden von ihnen genug Geld einspart, um zwei weitere Grundschüler für ein ganzes Jahr zu bezahlen. Der Rest waren Details und leider teilweise recht lange Namenslisten: Wer mir die gekauften Bücher noch nicht zeigte, wer Geld für den Friseur mitnahm, aber die Haare noch immer nicht geschnitten hat; wer noch etwas länger bleiben soll, da ich noch Fragen habe...
Nach und nach verabschiedeten sich alle, teils etwas oberflächlich, teils äußerst höflich.
Einen guten Teil von ihnen werde ich damit bereits zum letzten Mal getroffen haben und erst im nächsten Jahr wiedersehen...

13.8.2006: In gut einer Woche werde ich Lombok verlassen - müssen. Und so bin ich wieder mit den üblichen "Abschluss-Arbeiten" beschäftigt: Schulgebühren zahlen und Quittungen austeilen; Wörterbücher für alle Erstklässler der Mittel- und der Oberschulen. Die Liste aller zu betreuenden Schüler ist bereits gedruckt und fotokopiert: Für wen wir ganz oder nur die Gebühren zahlen; wem wir Fahrtkosten ganz oder zur Hälfte oder gar nicht bezahlen; wer die Schule selber zahlt, aber bei medizinischen Problemen Hilfe bekommen kann. Auf 12 Fotos (je 10x15 cm) habe ich für Amir einen "Katalog" mit Passbildern aller 81 zu betreuenden Kinder und Jugendlichen erstellt. Im "Kinder-Computer" liegt eine Test-Datei, an der Amir bereits lernt und übt: Dieser Computer wird bei ihm bleiben und er wird (hoffentlich) alle Buchungen direkt dort eingeben, anstatt sie in Folio-Buchhaltungshefte zu schreiben; das wird mir nächstes Jahr viel Arbeit ersparen. (Die Excel-Datei hat Spalten für ausgezahlte Gelder, zurückerhaltene Gelder, von der Bank geholtes Geld und für ausgeteilte Schreibwaren - und zeigt nach jeder Buchung aktuell an, wieviel Geld Amir noch in der Tasche haben müsste.) Nun muss ich (unter Anderem) noch berechnen, wie viel Geld die Schüler/innen der einzelnen Schul-Typen letztes Jahr im Durchschnitt verbrauchten - und wieviel Geld ich also auf Amirs Sparbuch einzahlen muss. (Das werden so knapp 4000,- Euro sein.) Dann muss ich eine Liste erstellen, in der Amir nachschauen kann, wer welche Kleidung neu bekam oder noch die alte benutzt, wer ein neues Wörterbuch erhielt; für wen die Schulgebühren schon bis zu welchem Monat bezahlt sind, usw. usw.
Der Stammbaum macht nebenher weiterhin Fortschritte. Aber ich weiß schon jetzt, dass ich in den verbleibenden Tagen nicht mehr alle Informationen, die ich kürzlich erhielt, werde auswerten und aufnehmen können: Von einem Schüler und fünf Schülerinnen aus Senggigi erfuhr ich erst gestern, dass auch ihre Familien mit den bereits Aufgenommenen verwandt oder verschwägert sind; von Dutzenden der "Uralt-Vorfahren" habe ich die Kinder und deren Ehepartner und Nachkommen noch nicht vollständig...
Der derzeitige Stand: 1158 Personen in 353 Familien, die ALLE miteinander verwandt oder verschwägert sind. 280 Personen, die NICHT unsere Kinder sind (weil deren Passbilder in einem anderen Verzeichnis liegen) habe ich bisher mit Fotos versehen.
Etwa 90 dieser Personen sind als inzwischen verstorben markiert.
(Als ich neulich dem Vater eines unserer Schüler sagte, dass ich von "diesem einen Ehepaar" ALLE Nachkommen erfassen möchte, meinte dieser lächelnd "ja, das wäre dann aber schon fast ganz Lombok!"
Falls jemand einen Ethnologen = Völkerkundler kennt, den dies interessieren würde: Meldet Euch bitte !!!

5.8.2006: Gestern machte die "Ahnendatei" all der miteinander verwandten Familien einen riesigen Fortschritt: Einer unserer Oberschüler, den ich vor Wochen darum gebeten hatte, brachte mir endlich die Informationen über seine Vorfahren. Gestern gaben wir nur die Verwandtschaft des Vaters ein - und das waren etwa 70 Personen! An drei Stellen haben diese Verbindungen zu bereits aufgenommenen Familien und etwa 10 Personen fand ich bereits in den von den Kindern gemachten Fotos.
Gestern überschritten wir die magische Marke von 1000 miteinander verwandten oder verschwägerten Personen. Im Moment stehen wir bei 1041. Außer "unseren Kindern" (deren Passbilder in einem anderen Verzeichnis liegen) konnte ich bisher 253 dieser Personen mit einem Foto versehen.
Ansonsten gibt es nichts Wichtiges zu berichten. Die Zeit raaast und mir graut bei dem Gedanken, dass ich in gut zwei Wochen von hier abreisen werde.

2.8.2006: Viel zu schnell vergeht die Zeit; aber es gibt einfach nichts Wichtiges zu berichten. Ich habe sehr viel Arbeit; aber fast alles nur Routine: Die Schulen laden zu Elternversammlungen; und an den Schulen, an denen wir für viele Kinder und Jugendliche mit-verantwortlich sind, nehme ich (zusätzlich zu den Eltern) auch daran teil.
Alle Schulen verlangen wie jedes Jahr "Zwangs-Spenden" zum Renovieren der Räume, Anschaffen von Bänken, Ausbau des Sportplatzes und so vieles andere. Und da dies meist höhere Beträge sind, fahre ich gerne selber an die einzelnen Schulen und bezahle für unsere jeweiligen Kinder.
Der dritte unserer "Kredit-Studenten" wartete noch auf das Ergebnis der Aufnahmeprüfung; dann brachte er mir stolz die Tageszeitung, in der unter 940 neu aufgenommenen Studenten auch sein Name gelistet war.
Der Diebstahl meines Geldes macht weiterhin viel Ärger: Bis Samstag waren wir davon ausgegangen, dass der Onkel des Jungen mir das Geld erstatten würde und ich meine Anzeige zurückziehe, so dass der Junge wieder frei kommt. Seit heute weiß ich, dass der Vorgang bei der Polizei bereits ein Stadium erreicht hat, in dem er nicht mehr rückgängig zu machen ist. Der Junge wird für etwa fünf Jahre ins Gefängnis gehen (was weder mir noch ihm nützt!) Und da er nun nicht mehr "freizukaufen" ist, will der Onkel nicht mehr zahlen. Ich könnte theoretisch den Jungen zivilrechtlich auf Schadenersatz verklagen, werde mich aber wohl mit dem begnügen müssen, was die Polizei bereits beschlagnahmte: Ein schickes Handy (das ich nicht will und bestenfalls unter Preis verkaufen könnte); und Bargeld in Höhe von etwa 10% des gestohlenen Betrages.

22.7.2006: Und nun also die neuen Schülerinnen und Schüler:
Amir hatte aus Senggigi zahlreiche Anträge, hatte schon stark "gesiebt" und mir nur die wirklich förderungs-würdigen vorgelegt. (Wir entwickeln zur Zeit ein Antragsformular für 2007, so dass wir gleich mit dem ersten Antrag möglichst vollständige Informationen über die Familie erhalten.) Ich selbst nahm aus "unserem Dorf" nur wenige ganz Neue auf, habe aber die Verantwortung für so viele Kinder und Jugendliche, die seit Jahren nachmittags kommen und denen die Eltern den Sprung in die weiterführende Schule nicht finanzieren können:
Ich beginne mit den Jüngsten:
Dem arbeitslosen Bruder eines unserer Oberschüler half ich, seinen Sohn einzuschulen. Dies ist aber eine "einmal-im-Jahr-Hilfe" für Kleidung, Schuhe, Tasche. Die in der Grundschule recht geringen laufenden Kosten (Schreibwaren, Reparaturen) trägt der Vater.

Unsere Schülerinnen und Schüler auf Lombok:
Klasse Jungen Mädchen Summe davon neu
1----
21-1-
31121
42-2-
55-51
6----
71061610
887151
9123151
1065115
113361
12314-
Training1-1-
Summe52267820
Studium
(Kredit)
2132

Der Vater von zwei unserer früheren Schüler (der Älteste ist inzwischen verheiratet) ist Boots-Führer für Ausflüge zu den Schnorchel-Inseln. Da kaum noch Touristen nach Senggigi kommen, kann er nicht einmal mehr die Grundschule seines dritten Sohnes bezahlen. Obwohl der Junge nun in der 3. Klasse sitzenblieb, halte ich zu meinem Versprechen, für ihn zu zahlen.
Einer unserer Nachmittags-Stammgäste blieb in der 5. Klasse sitzen und wollte die Schule aufgeben, weil er verschlissene Kleidung und weder Schuhe noch Tasche hat. - Also zahlen wir auch für ihn.
16 Kindern zahlte ich den Start in die Mittelschule und übernehme damit für die nächsten sechs Jahre die Verantwortung für sie. (In der Tabelle stehen 17, weil einer die Klasse wiederholt.) Für einige hatte ich bereits in der Grundschule bezahlt; bei allen anderen hatten diese die Eltern selbst finanziert, schaffen aber die wesentlich teurere Mittelschule nicht. Sechs der neuen Mittelschüler stammen aus Senggigi; ihr familiärer und finanzieller Hintergrund wurde zunächst von Amir überprüft, bevor ich selber die Familien besuchte. Von den vier neuen Mittelschülern aus "unserem Dorf" und der näheren Umgebung ist nur ein Mädchen "ganz neu"; ich kannte sie noch nicht und ein Mitschüler bat mich um Hilfe. Einer ist ein langjähriger Nachmittags-Besucher; und zwei sind Geschwister von solchen. (Aber auch bei den Stammgästen habe ich aussortiert: Drei von ihnen schlossen die Grundschule ab und gehen weiterhin auf Kosten ihrer Eltern zur Schule, weil diese genug verdienen.)
Für einen Jungen, der jetzt in die zweite Klasse der Mittelschule kam, wurde ich um Hilfe gebeten: Trotz sehr guter Noten sollte er den Schulbesuch aufgeben, weil er weit im Norden wohnt und der Hilfsarbeiter-Vater die recht hohen Fahrtkosten nicht mehr aufbringen kann.
Ein Junge, der in die 9. Klasse versetzt wurde, hat einen sehr alten Vater, der nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt ist. Die Schule zahlte bisher sein Bruder, der nun aber heiratete und sein erstes Kind erwartet und daher nicht mehr für seinen Bruder zahlen kann.
"Weiter oben" gibt es das gleiche Problem wie beim Start in die Mittelschule: Die Oberschulen sind noch teurer und noch weiter entfernt. Daher zahlen wir neu für zwei Jungen und drei Mädchen, die die Mittelschule abschlossen und jetzt mit der Fach-Oberschule begannen.
Ein Mädchen hatte mich bereits letztes Jahr gebeten, ihr die Oberschule zu zahlen. Da ihre Schwester gerade auf unsere Kosten die Oberschule abgeschlossen hatte, hoffte ich, dass diese arbeiten würde und der Mutter beim Finanzieren des Schulbesuchs ihrer Schwester helfen könne. Die Ältere hat aber immer noch keine reguläre Arbeit; die jüngere hat mit Mühe und Not das erste Schuljahr selbst finanziert - und ist Klassenbeste! Also helfen wir nun auch ihr.
Daneben habe ich inzwischen drei junge Leute, die sich die Ausbildung zum Lehrer/in durch einen zinslosen Kredit von uns finanzieren lassen: Einem jungen Mann hatte ich zwei Jahre Ausbildung zum Grundschullehrer bereits finanziert; er möchte aber noch vier weitere Semester studieren und das Diplom machen. Eine junge Frau hat die ersten beiden Semester selbst finanziert, schafft das aber nicht mehr und leiht sich für die verbleibenden sechs Semester Geld von uns. Und ein junger Mann macht einen so vernünftigen Eindruck (und hat so gute Noten), dass ich ihm schon 2005 den Start ins Studium finanzieren wollte; sein Vater hatte aber Angst gehabt, sich so hoch zu verschulden. Inzwischen hat der Vater aber kapiert, dass eigentlich sein Sohn sich verschuldet; dass er nur einstehen muss, falls sein Sohn nicht arbeitet oder abhaut oder mich betrügen will.
So wird also in den Jahren 2008, 2009 und 2010 je einer sein Studium abschließen, hoffentlich Arbeit finden und dann mit einem Drittel seines Gehaltes langsam seine Schulden zurückzahlen, so dass ich diese Gelder verwenden kann für die, die jetzt in die Mittelschule kamen und dann auf die noch teureren Oberschulen wechseln.

20.7.2006: Nun will ich endlich meine vielen Tabellen und Notizen auswerten und Euch zunächst von den Schülerinnen und Schülern berichten, für die wir bisher schon zahlten. (In wenigen Tagen werde ich Euch über die neu Aufgenommenen informieren.)
Die Nachrichten sind nicht nur erfreulich:
Ein Mädchen in der 10 Klasse gab die Schule auf und arbeitet in einem Büro.
Ein Junge in der 10. Klasse nahm in mehreren Fächern nicht an den Zwischenprüfungen teil. Daraufhin sorgte sein Onkel, ein Lehrer, der uns ursprünglich um Hilfe für ihn gebeten hatte, dafür, dass er den Schulbesuch beendet.
Je ein Mädchen in der 7. und 8. Klasse heirateten und beendeten damit ihren Schulbesuch.
Ein Sechstklässler gab die Schule auf und ließ sich nicht mehr sehen.
Ein Fünftlässler war so frech und faul, dass sein Vater ihn lieber zum Arbeiten schickt und ihm keinen weiteren Schulbesuch erlaubt.
Und ein Student macht in Kürze seinen Abschluss und wird dann auf Kredit weiterstudieren.
Da waren es noch 59... (und 6 auf Bali, von denen ich die Noten noch nicht weiß).
Unsere einzige Zwölftklässlerin dieses Jahres war Klassenbeste mit einem sehr guten Abschlusszeugnis. Ich stellte sie dem Chef des Ladens (mit Werkstatt) vor, der wohl alle Touristen-Notebooks auf ganz Lombok betreut. Er stellte sie als "Trainee" ein, eine Art Lehrstelle ohne Gehalt. Sie bekommt aber die Fahrtkosten und tägliches Essensgeld und damit im Monat schon fast so viel wie ein ungelernter Hilfsarbeiter. Wenn sie sich gut macht, kann sie fest angestellt werden; oder sie bekommt ein Zeugnis, mit dem sie sich an anderen Stellen bewerben kann.
Alle weiteren Oberschüler (vier in der 11. und fünf in der 12. Klasse) wurden versetzt. "Die üblichen zwei" mit sehr schlechten Noten; bei den meisten bin ich zufrieden; und zwei erfreuten mich als 2.-bester und 5.-beste ihrer Klasse.
Von unseren 10 Jugendlichen in der 9. Klasse schafften leider nur 6 den Abschluss. Das ist allerdings zum Teil "System-bedingt", weil seit neuestem die Abschlussprüfung für ganz Indonesien einheitlich ist und zentral ausgewertet wird - und die dörflichen Schulen hier in der Provinz sind vom geforderten Standard noch weit entfernt. (An der Mittelschule, in die die meisten unserer Kinder gehen, schafften von gut 120 Schülerinnen und Schülern gerade mal 21 den Abschluss.)
Viele von diesen machen nun einen Intensivkurs an einer anderen Mittelschule und wiederholen Ende August die Prüfung - wenn es für eine Anmeldung an einer Oberschule längst zu spät ist, so dass sie erst nächstes Jahr weitermachen können. Von unseren vier Nicht-Bestandenen waren zwei "Randfiguren", für die ich zwar zahlte, die aber nur selten kamen und zu denen ich keine engere Beziehung habe; sie haben sich seit der Zeugnisausgabe nicht mehr bei mir gemeldet. Den dritten lasse ich ganz regulär die neunte Klasse wiederholen. Und den vierten habe ich, da er schon recht alt und kräftig gebaut ist, an einem Trainingszentrum angemeldet, wo er nach vier Monaten Theorie und sechs Monaten Training ein Diplom als Motorradmechaniker bekommt - was er eh wollte, wofür ich aber nicht noch einmal 3 Jahre Fach-Oberschule bezahlen will.
Alle, die bestanden, sind inzwischen an verschiedenen Oberschulen angemeldet; allerdings nicht alle an der Fachrichtung, die sie gerne gewählt hätten, weil auch hier oft der Notendurchschnitt nicht ausreichend war.
Unsere 13 Achtklässler wurden alle versetzt - und werden nächstes Jahr das gleich Problem haben, da ihre bisherigen Prüfungen von der Schule gestaltet und ausgewertet werden. Nächstes Jahr werden auch sie mit der "von oben kommenden" Prüfung konfrontiert werden.
Von den 8 Jungen und 7 Mädchen in der 7. Klasse (1. Klasse der Mittelschule) schaffte nur einer die Versetzung nicht und wiederholt die Klasse. Je ein Mädchen belegte den 7. und den 9. Platz in einer Klasse mit jeweils 42 Schülern.
Von den Kindern, für die wir bereits in der Grundschule zahlten, schafften unter den 6.-Klässlern alle den Abschluss (ein Mädchen als Klassenbeste unter 39!!!) und wechselten auf die Mittelschule.
In den unteren Klassen wurden ALLE versetzt. Ein Drittklässler zum wiederholten Male als Klassenbester! Und einer, der letztes Jahr sitzengeblieben war, belegte jetzt den 4. Platz.
So weit also die Zusammenfassung des zu Ende gegangenen Schuljahres.
In wenigen Tagen werde ich Euch über die neu aufgenommenen Kinder und Jugendlichen berichten und Euch eine Tabelle aller jetzt von mir/uns/Euch unterstützten Schülerinnen und Schüler erstellen.

18.7.2006: Bei uns ist alles in Ordnung! Von Überschwemmungen und Tsunami erfuhr auch ich nur aus den Nachrichten.
Am Abend nachdem ich zuletzt hier berichtete, bedrohte ein externer Jugendlicher einige unserer Kinder so, dass sie es schweigend zuließen, dass er sich unter meinem Bett versteckte. Er hielt es dort von 19 Uhr bis ca. 2 Uhr in der Nacht absolut geräuschlos aus - und als ich schlief, machte er sich mit meinem Geld aus dem Staub. Glücklicherweise nahm er nur die Rupien im Gegenwert von etwa 300,- Euro, ließ mir aber die Devisen, die Kreditkarte und alle Wertgegenstände.
Inzwischen ist er verhaftet und geständig und wir streiten nur noch über die Höhe des Betrages, den er und sein Onkel mir erstatten müssen.
Leider verbrachte ich dafür viele Stunden auf der Polizei und kam daher noch immer nicht dazu, Euch ausführlich über unsere Schülerinnen und Schüler zu berichten. Das werde ich nun aber bald tun. - Versprochen!
Für alle, die Interesse an Nepal haben, möchte ich den Bericht eines Freundes zur Verfügung stellen, der mir in einer E-Mail (auf Englisch) ausführlich seine Einschätzung der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Lage schildert.

14.7.2006: Nun gehen die zwei anstrengendsten Wochen des Jahres dem Ende entgegen und bald werde ich Euch wieder ausführlicher berichten.
Für heute nur so viel: Gestern und vorgestern habe ich über 70 Kinder und Jugendliche mit Schuluniformen, Schuhen, Taschen und Schreibwaren versorgt. In einer Woche gab ich fast 2000 Euro aus - und buchte diese in Positionen zwischen 53,27 (Oberschul-Anmeldung) und 1,83 Cent (1 Bleistift). Die Excel-Datei, in der ich all dies erfasse, ist schon fast 4 MB groß!

10.7.2006: Um Euch zu erklären, warum ich noch nicht ausführlich berichtet habe - und warum ich kaum dazu komme, bis ins Internet-Büro zu fahren - heute nur diesen einen Satz aus meinem Tagebuch:
Abends machte ich eine neue Tabelle, um zu berechnen, wie viele Schreibwaren ich bis Ende der Woche brauchen werde: Es ist erschreckend! Nach Abzug der Sachen, die ich schon vorrätig habe, stehen auf meiner Einkaufsliste immer noch 1120 Hefte, 48 Malhefte, 84 Kulis, 60 Lineale, 80 Radierer, 72 Spitzer, und 60 Bleistifte - Ca. 1,6 Millionen Rupien. (Aber nur 150,- Euro!)

3.7.2006: Zunächst muss ich mich entschuldigen, dass ich so lange nichts von mir hören ließ! Es gab zu viel zu tun - und nichts Wichtiges zu berichten.
Der Spendenaufruf zum 80. Geburtstag war ein voller Erfolg! Bisher gingen bei mir schon über 800 Euro ein! -DANKE!!!
Seit Samstag werden die Versetzungszeugnisse ausgegeben. Aber viele Lehrer sind faul und haben die Zeugnisse noch nicht fertig; (der Direktor der Grundschule von Senggigi wurde verhaftet, weil er die "Sparbücher" der Kinder privat verbrauchte); und die Formulare für die Zertifikate des Abschlusses der Grundschule wurden von den oberen Behörden zu spät versandt und bis heute nicht ausgestellt. So kann ich Euch also noch nichts Endgültiges berichten.
Ich kaufte im April zu Hause eine extrem billige Digitalkamera. 33 Euro! Sie ist nicht gut; aber wenn man ihr Zeit läßt und nicht verwackelt, produziert sie Fotos mit 3 Mega-Pixeln, aus denen sich durchaus etwas machen lässt.

Ein Mädchen mit seiner Urgroßmutter.
Ausschnitt aus einem Foto der Kinder.

Diese Kamera leihe ich den Kindern, die damit in ihrem Dorf, ihrer Schule, ihrer Familie fotografieren und mir (neben sehr viel "Schrott") Aufnahmen bringen, die ich selber niemals würde machen können.
Zwei bis dreimal täglich bringt mir ein Kind oder Jugendlicher die Kamera mit ca. 40 bis zu 110 Fotos. Ich lösche (zusammen mit dem Fotografen) nur die absolut Verwackelten und Unterbelichteten.

Portrait einer alten Frau.
"Passbild"
(Originalgröße)

So habe ich im Moment (nach erst sechs Wochen) schon ca. 3600 von den Kindern aufgenommene Fotos auf meiner Festplatte. Und habe bereits für mehr als 400 Fotos Abzüge bestellt und ausgegeben, für die die Kinder selber, oder ihre Verwandten, Freunde und Klassenkameraden je 1000 Rupien bezahlten. (Ich mache keinen Gewinn und zahle Benzin und Parkgebühren selber; nehme von den Leuten nur, was ich im Fotolabor zahlen muss.)
Zugleich habe ich die Arbeit an meinem im vergangenen Jahr begonnenen "Hobby" Stammbaum und Ahnenforschung wieder aufgenommen. So habe ich inzwischen fast 900 Personen aus fünf Dörfern erfasst, die ALLE miteinander verwandt oder verschwägert sind. Aus den Fotos der Kinder konnte ich bisher 175 dieser Personen mit "Passbildern" versehen. (Dabei sind "unsre Kinder", von denen mir die elektronischen Passbilder ohnehin vorliegen, noch nicht mitgezählt.)
Der breiteste "Baum" bisher zeigt mir ein längst verstorbenes Ehepaar mit 47 Urenkeln (von denen die meisten schon Kinder und viel bereits Enkel haben). - Und dabei zeigt mir das Programm bei den vielen Leuten, die mehrmals heirateten bisher immer nur die Kinder aus der letzten Ehe; in Wahrheit haben diese Ahnen also noch viel mehr Nachkommen als ich hier auf einen Blick erfassen kann.

21.6.2006: Letzte Woche feierte ein früherer Reisegast und guter Freund seinen 80. Geburtstag. - Meine Mutter hatte mir bereits mitgeteilt, dass auf meinem Konto Spenden mit einem "ungewöhn­lichen Verwendungszweck" eingingen. Gestern erfuhr ich per e-mail Genaueres:

Manfred hatte seine Freunde und Verwandten schon mit der Einladung auf meine Homepage hingewiesen und um "Spenden statt Geschenke" gebeten. Zur eigentlichen Geburtstagsfeier stellte er aus Texten und Fotos von meiner Homepage eine Informations­mappe zusammen, die er neben einem Sparschwein auslegte. Auch dadurch kam noch mal ein schöner Betrag zusammen.
Ich habe mich nicht nur über die gute Idee und die erhaltenen Spenden gefreut, sondern vor allem über die viele Arbeit, die er sich machte und die liebevolle Gestaltung! Dafür möchte ich mich auch hier noch einmal bedanken!
Schüler: Inzwischen sind auch die letzten Prüfungen fast abgeschlossen; aber die Zeugnisse wird es erst Ende nächster Woche geben.
Dieses Jahr haben wir leider nur eine enzige Schülerin in der 12. Klasse. Das heißt, nur eine einzige, die wir "loslassen" können und für die wir in Zukunft nicht mehr zahlen werden. - Sie brachte mir gestern ihr ausgezeichnetes Abschlusszeugnis mit sehr guten Noten!
Ich bekomme immer noch neue Anträge von Kindern und Jugendlichen, für die wir zahlen sollten. Zum einen mir unbekannte Kinder, von denen mir Klassenkameraden oder Nachbarn erzählen, dass sie den Sprung auf die Mittelschule nicht schaffen, oder den Schulbesuch aufgeben sollen, weil die Eltern es nicht mehr zahlen können. Zum anderen kommen von den Kindern, die ich seit langem kenne, für die wir aber bisher (in der Grundschule) nicht zahlten, die Eltern, um mich um Hilfe zu bitten und das weitere Vorgehen zu besprechen.
Es haben mir aber auch bereits zwei dieser Nachmittagskinder erklärt, dass sie meine Hilfe wohl nicht brauchen und ihre Eltern die Mittelschule selber bezahlen wollen und können.

14.6.2006: Heute Nachmittag kam Amir aus dem einige Kilometer entfernten Senggigi mit seinen beiden ältesten Söhnen, einigen der schon bekannten Schülerinnen und Schüler - und sieben neuen Kindern und Jugendlichen, die er aus einer Vielzahl von Anträgen ausgewählt hatte, damit wir ihnen ab Beginn des neuen Schuljahres die Schule bezahlen.

Jede Menge Kinder in meinem Zimmer
Mein Bett ist tagsüber auch "Aufenthaltsraum" und
"Konferenzzimmer".

Bis zum Abend war ich wirklich erschöpft ...
Wenn Ihr Zeit habt und wissen wollt, wie so ein Nachmittag abläuft, könnt Ihr hier einen Auszug aus meinem Tagebuch lesen:
Bald hatte auch ich zu Mittag gegessen, wertete noch schnell Mails und neue Fotos aus. Dann kam Amir - mit halb Senggigi im Schlepp. (Wir hatten das für heute ausgemacht.)
Seine beiden ältesten Söhne; Wardi, für die wir schon seit einem Jahr zahlen; Eko, Suhamdi und drei der Mädchen kamen wohl eher zufällig oder auf eigene Faust; und 7 neue Schüler/innen, die sich vorstellen wollten. (Und das ist weniger als die Hälfte derer, die sich bei ihm beworben hatten; und seine Auswahl ist so gut, dass ich wohl alle übernehmen werde; nur bei einem bin ich mir noch nicht sicher.)
Ich ließ sie erst mal zappeln; einfach nur rumsitzen, "hatte noch zu tun" - und beobachtete. Dann ließ ich Essen für alle kaufen. Und so lange wir darauf warteten, beobachtete ich weiter. Wer nur rumsitzt; wer sich gar zu sehr geniert; wer gleich gut mit unseren Kindern auskommt oder schon spielt; wer wie mit Amirs Kindern umgeht ...)
Dann fotografierte ich alle (wobei sich einige noch sehr genierten, andere schon ganz offen waren und anschließend gerne ihre Fotos anschauten). Dann wollte ich mich mit jeder/m einzeln unterhalten; aber auf die Veranda knallte die Sonne. So verlegte ich das in die beiden überdachten Sitz-Plattformen vorne im Garten: Auf der einen saßen alle; auf der anderen rief ich mir jeweils eine/n heran. Ich ging mit ihnen das "Antrags-Formular" durch, das Amir mir gebracht hatte; ersetzte Alter durch genaues Geburtsdatum, fragte nach Details zur Arbeit der Eltern, ließ mir die Namen aller Geschwister geben und notierte, was die arbeiten, ob sie noch zur Schule gehen, ob sie schon verheiratet sind. - Nun waren schon alle ganz aufgeschlossen und ich konnte mich normal mit ihnen unterhalten.
Zuletzt rief ich Amir auf - der überrascht reagierte und alle Kinder zum Lachen brachte. Mit ihm besprach ich ein paar Unklarheiten und eventuelle Probleme. Und dann versammelten wir alle um uns und ich erklärte ihnen, dass meine endgültige Entscheidung noch davon abhänge, wie viele Anträge noch eingehen werden; und von ihren Zeugnissen. Und erklärte ihnen, was sie zu erwarten haben, WENN ich für sie zahle: Was ich alles zahle; was ich nicht zahle (Fahrt zur Schule; sowie Hobbys, auch wenn diese von der Schule - als freiwillig - angeboten werden...)
Dann ging ich zurück ins Zimmer, hatte Sehnsucht nach einem Schluck Kaffee. Die Kinder saßen noch eine Weile bei Amir, kamen dann zu mir, hatten aber zunächst keine weiteren Fragen. Sie verabschiedeten sich höflich; Amir bekam das Bus-Geld.
Nun waren endlich "unsere" Kinder wieder dran. Ein paar hatten noch nicht zu Mittag gegessen; die Nachmittagsschüler kamen nach Hause. Ilham brachte die Kamera zurück und ich kopierte seine Fotos; dann trafen wir eine erste Vor-Auswahl und löschten die völlig verwackelten...
Später legte ich für die meisten der neuen Kinder Datenblätter an, bearbeitete ihre Fotos und nahm diese in die Kartei auf.
Nach dem Abendessen kam Amir wieder, brachte mir bereits Antworten auf die meisten Fragen. Von den Kindern, bei denen er angedeutet habe, dass es noch nicht sicher sei, ob ich für sie zahle, seien die Eltern sofort und im Dauerlauf bei ihm erschienen, um Fragen zu beantworten und Unklarheiten auszuräumen; zwei Mütter hatten schriftliche Informationen abgegeben mit der Bitte an Jürgen, ihnen zu helfen; von einem Jungen brachte er mir die Geburtsurkunde...

7.6.2006: Gestern kam ich von einem "Tagesausflug" nach Malaysia zurück! - Und ich will Euch kurz erzählen, wie es zu dieser "Geldverschwendung" von ca. 250,- Euro kam: Am Tag meines Fluges nach Indonesien war der Pass mit meinem Visum immer noch nicht eingetroffen. Ich hatte das Konsulat bereits angerufen: Sie hatten den längst abgeschickt.

Luftaufnahme der drei Schnorchel-Inseln vor Nordwest-Lombok.
Die drei berühmten Inseln (v.l.n.r.): Gili Terewangan, Gili Meno
(mit einem See), Gili Air; dahinter das "Festland" von Lombok.

Er kam dann drei Tage später und es stellte sich heraus, dass der Einschreiben-Aufkleber die Postleitzahl verdeckte und er deshalb fehlgeleitet wurde. Ich aber war mit meinem Zweit-Pass losgeflogen und kaufte mir einen "Touristen-Stempel", mit dem man bis zu 30 Tage im Land bleiben darf. - Nicht zu verlängern.

Das Dorf, in dem ich wohne

Und deshalb musste ich nun mit dem einen Pass ausreisen, um am nächsten Tag mit dem mir inzwischen nachgeschickten anderen Pass mit dem Sozialvisum wieder einzureisen. Nun kann ich die restlichen drei Monate ungehindert hier bleiben.
Schön war nur, dass das Flugzeug gleich nach dem Start von Mataram nach Norden drehte und die ganze Küste entlang flog - und ich saß rechts am Fenster! Das Dorf, in dem ich wohne, der Strand-Ort Senggigi, die drei berühmten Schnorchel-Inseln.

Luftaufnahme von Senggigi

Ich hoffe, dass zumindest die von Euch, die schon einmal hier waren, sich über diese Aufnahmen freuen.

2.6.2006: Meine Tage sind VOLL; jede Minute ist ausgefüllt, jede Stunde ist absolut faszinierend und begeisternd! - Und wie immer habe ich viel zu viele Hobbys, zu viele Interessen, zu viele Sachen zugleich in Arbeit. In meinem Computer sind teilweise 15 und mehr Programme gleichzeitig geöffnet:
Amirs Abrechnungen über mehr als 32 Millionen Rupien, die er seit August des Vorjahres ausgab, sind mal wieder fast zwei volle Bücher. Dank eines neu eingerichteten Diktier-Programmes habe ich jetzt schon über 2000 Positionen in den Computer übertragen.
Meine Arbeit am "Stammbaum" all der miteinander verschwägerten Familien habe ich wieder aufgenommen, ergänze ihn und arbeite an den "Feinheiten". (Geschieden oder verstorben? Lebt noch? Geschätztes Alter, Berufe, Schulen, Wohnorte usw.; inzwischen verstorbene Leute oder neu geborene Kinder.)
Die kleine Digitalkamera, die ich in Deutschland günstig kaufte (3 Megapixel; 33 Euro), ist ein VOLLER Erfolg! Täglich ziehen drei, vier oder fünf Kinder für je ein bis zwei Stunden mit ihr los und kommen mit 50 bis 100 Fotos zurück: Aus ihrem Dorf, ihrem Haus, aus der Schule, vom Strand oder von der Arbeit der Eltern. Von denen bleiben nach dem ersten Aussortieren meist etwa die Hälfte übrig. - Und dann beginnt die Feinarbeit auf mehreren Ebenen:
Zunächst nehme ich die Namen aller abgebildeten Personen in den Dateinamen auf, lasse mir Beziehungen und Verwandtschaftsverhältnisse erklären.
Dann versuche ich, möglichst viele dieser Personen im "Stammbaum" wiederzufinden, mache Ausschnitte aus den Fotos (wie Passbilder) und nehme diese in den Stammbaum auf. (Inzwischen haben das einige Kinder schon "kapiert" und versuchen ganz konkret, möglichst viele ihrer dort erfassten Verwandten zu fotografieren.)
Nebenher muss ich Fotos bearbeiten, um sie entwickeln zu lassen: Fotografierte Personen geben den Kindern Geld mit, um einen Abzug ihres Fotos zu bestellen. Und auch die Kinder selber bestellen gerne Abzüge der Bilder, auf denen sie am besten zur Geltung kommen. (Und dafür muss ich wieder das "Sparbuch" der Kinder verwalten, auf das sie 100 oder 500 Rupien einzahlen, bis sie die 1300 Rupien (11,8 Cent) zusammen haben, um ihr Foto zu bezahlen.)
Schulen: Die 6. Klassen (Abschluss der Grundschule) haben ihre Prüfungen bereits hinter sich; die 9. und 12. Klassen stecken teilweise noch mittendrin. - Aber alle Ergebnisse wird es erst in ein paar Wochen geben.
12 unserer Stamm-Kinder waren in der 3. Klasse der Mittelschule; einer brach den Schulbesuch ab. Für 9 zahle ich die Mittelschule und werde ganz sicher den Start in die wesentlich teurere Oberschule finanzieren müssen. Zwei wurden bisher von ihren Eltern bezahlt; aber ich weiß noch nicht, ob die das auch in der Oberschule schaffen werden.
10 unserer Sechstklässler sollten jetzt auf die Mittelschule wechseln. Einer davon brach den Schulbesuch ab. Von den verbleibenden neun zahlten wir für sechs bereits die Grundschule. Aber unter den 3, die bisher von den Eltern bezahlt wurden, sehe ich höchstens eine, bei der die Eltern das VIELLEICHT auch in der Mittelschule noch schaffen könnten.
Von sieben weiteren, mir bisher unbekannten Kindern und Jugendlichen liegen mir bisher schriftliche Anträge vor. (Name und Schulbildung; Namen und Arbeit der Eltern, Anzahl der Geschwister, Foto oder Passbild, usw.): Ein Drittklässler, dessen Vater nicht einmal mehr die Grundschule schafft. Drei Kinder, die jetzt die Grundschule abschließen und deren Eltern die weiter entfernte und teurere Mittelschule nicht bezahlen können. Ein Mädchen, dessen Eltern bis zum Abschluss der Mittelschule selber zahlten und die mit dem Beginn der Oberschule zumindest teilweise Unterstützung braucht. Ein Jugendlicher, der die Fach-Oberschule Richtung Elektrik abschließt und auf Kredit (er wird mir das Geld später erstatten) mit einem Jahr Fachhochschule zum "Ingenieur" (?) ausgebildet werden möchte. Und ein Mädchen, das bereits das erste von vier Jahren des Studiums zur Lehrerin hinter sich hat, dies aber nun nicht mehr finanzieren kann; auch sie ist bereit, sich das Geld für den Rest der Ausbildung nur zu leihen.

28.5.2006: Nachrichten aus Nepal: (Aus einem Rundschreiben des Deutsch-Nepalischen Hilfswerkes)
Der Demokratisierungsprozess in Nepal ist einen entscheidenden Schritt vorwärts gekommen. Das Parlament hat am 18.5.06 weitreichende Entscheidungen getroffen. Der König verliert z.B. seine Position als Oberbefehlshaber der Armee, muss Steuern zahlen und verliert seine Immunität. Auch wird die Bezeichnung "königlich" aus allen Institutionsnamen verschwinden. Wir hoffen alle, dass der verheißungsvoll begonnene Friedensprozess rasch weiter voranschreitet. Der Artikel aus der Neuen Zürcher Zeitung gibt einen guten Überblick über die aktuelle Situation: http://www.nzz.ch/2006/05/20/al/kommentarE51BR.html

25.5.2006: Ich kann es kaum glauben, dass ich schon über eine Woche hier bin!
Etwa 80 unserer Kinder und Jugendlichen haben mich bisher besucht oder ich traf sie im Dorf. (Aber die Kinder aus den entfernteren Dörfern wissen noch nicht einmal, dass ich angekommen bin.) Mehrere neue Kinder wurden von Freunden mitgebracht und mir vorgestellt; und zwei Kleine, die ich schon länger kannte, nahm ich endlich in die Datei auf.

7 Monate altes Baby

Zwei weitere "Enkel" wurden mir vorgestellt; Kinder unserer früheren Kinder: Der eine wurde gerade vor zwei Wochen geboren, der andere Ende Oktober, sechs Wochen vor seinem Termin. Er war "klein und dünn wie eine Limoflasche" (beschrieb seine Mutter ihn mir). Aber wie Ihr auf nebenstehendem Foto selbst sehen könnt, hat er sich inzwischen gut erholt.
Schulisch gab es zwei weitere Enttäuschungen: Noch ein weiteres Mädchen (8. Klasse) heiratete und geht nicht mehr zur Schule. Und ein Mädchen, für dessen Start in die Oberschule wir recht viel Geld ausgegeben hatten (wie für alle Oberschüler/innen), überlegte es sich dann anders und arbeitet nun als Hilfs-Sekretärin beim Bürgermeister. (Da ärgere ich mich denn doch sehr, dass sie sich das nicht ein paar Monate früher überlegte und uns eine Menge Kosten ersparte.)
Ansonsten bin ich überwiegend zufrieden, habe von vielen guten Noten gehört und bisher kaum Klagen und Beschwerden bekommen. - Aber bei den Mädchen bin ich wieder genau bei dem Punkt, den ich schon letztes Jahr hier zur Diskussion stellte: Soll man den "Dorf-Mädchen" ("die dann ja doch nur heiraten") die teure Oberschule bezahlen??? Im Moment spreche ich alle, die jetzt die Mittelschule abschließen werden, sehr ernst auf dieses Thema an; und ich werde zumindest ein Versprechen - sowohl von den Schülerinnen wie auch von den Eltern - verlangen. Und ich überlege und diskutiere ernsthaft, ob ich es mir nicht schriftlich geben lassen kann und Schadenersatz verlange von den Eltern derer, die zu bald wieder abbrechen oder später mit ihrer teuren Ausbildung nicht wenigstens einige Jahre arbeiten.
Prüfungen: Die Abschlussprüfungen der einzelnen Schul-Arten (also 6., 9. und 12 Klasse) fanden diese Woche statt; aber die Ergebnisse gibt es erst im Juni. Und auch die Versetzungsprüfungen aller anderen Klassen beginnen erst in ein paar Wochen.

17.5.2006: Heute setzte ich nach Lombok über; leider auf einer sehr langsamen Fähre. Von vor 9 bis gegen 15 Uhr war ich auf dem Schiff und kam erst kurz vor 16 Uhr "zu Hause" an. - Und nur 40 Minuten später (!) sah es auf meinem Bett so aus:

Kinder spielen Memory
(Man beachte das T-Shirt vorne rechts!)

(Ein Memory und ein "Rubic's Cube" waren die einzigen Spielsachen, die ich neu mitbrachte; die anderen Sachen werde ich morgen bei meinen Freunden abholen, wo ich sie im August 2005 deponierte.)
Bis zum Abend hatte ich bereits genau 30 unserer Kinder und Jugendlichen getroffen; zu 13 aßen wir zu Abend.

14.5.2006: Allen Müttern unter den Lesern meine herzlichsten Grüße zum Muttertag!
(Alle männlichen Leser: Bitte richtet Euren Müttern und Frauen meine Grüße aus!)
Ich habe inzwischen auch die weiteren balinesischen Familien besucht:
Immer mehr lerne ich, dass der hohe Ölpreis und die starke indonesische Rupie mir dieses Jahr einiges Kopfzerbrechen machen werden. Benzin kostet fast doppelt so viel wie letztes Jahr (187,5%); und folglich sind alle Transportkosten und damit auch alle anderen Kosten gestiegen. Alles, was ich bisher kaufte oder bezahlte, kostet zwischen 20 und 50 Prozent mehr als im letzten Jahr. Das Grundnahrungsmittel Reis wurde sogar um 66% teurer. Im Gegenzug bekomme ich für den Euro fast 10% weniger Rupien als vor einem Jahr.
Der Junge am Wasserpalast hat nach dem ersten Semester der Tourismus-Oberschule ein (für seine Verhältnisse) überraschend gutes Zeugnis. Aber dann weinte er fast, als ich die Fahrtkosten wie üblich abrechnete, mit 50% (der neuen Preise) bezuschusste: Dann müsse er die Schule aufgeben: Er finde kaum noch Arbeit (als Guide) und könne sich nichts dazuverdienen; er habe schon 400.000 Rupien Schulden und niemand leihe ihm mehr Geld. Nun zahle ich ihm also (rückwirkend seit September) die vollen Fahrtkosten für 6 Schulbesuche pro Woche. Nur, wenn er für Sport oder Veranstaltungen zusätzlich in die Stadt fahren muss, zahlt er selber. - Dies kostet uns ganze 51,- Euro im Jahr mehr als geplant; und für ihn wäre es unerschwinglich gewesen.
Kadek (mit den krummen Beinen) hat wie immer gute Noten; war im Zwischenzeugnis Viertbester. Dennoch will er nach seinem Grundschulabschluss in ein paar Wochen nicht weiter zur Schule gehen. Die tägliche Fahrt zur weit entfernten Mittelschule in überfüllten Microbussen mit seiner Behinderung schaffe er nicht. Einerseits sagte ich der Familie noch einmal ganz klar, dass Kadek nie auf den Feldern oder einer Baustelle wird arbeiten können. Wenn sie nicht eine Art Heimarbeit für ihn (er)finden, wird die Familie lebenslang für ihn sorgen müssen. Andererseits drängte ich aber auch nicht weiter. Denn durch die verspätete Einschulung (weil der damalige Direktor der Dorf-Grundschule keine Behinderten wollte) ist er mit 16 Jahren am Ende der Grundschule schon viel zu alt. Er würde 22 bevor er die Oberschule abschließt; und ob er dann einen Büro-Job finden würde, ist auch nicht garantiert (oder eher unwahrscheinlich).
Sein gut zwei Jahre älterer Bruder aber ist schon in der 2. Klasse der Fach-Oberschule (11. Schuljahr). Er lässt sich zum Automechaniker ausbilden und wird im Sommer das 3. Schuljahr mit sechs Monaten Training in einer Autowerkstatt beginnen. (Er wird dafür in der Stadt bei Verwandten leben müssen; und das ist ein ganz schöner Sprung für einen Jungen vom Dorf, der vor zwei Jahren noch nicht alleine bis zum nächsten Telefonbüro fahren konnte! - Hoffen wir, dass er es schafft.)

Gede mit seiner Tochter auf dem Schoß
Gede mit Tochter Putuh.

10.5.2006: Ich bin schon wieder "Großvater geworden":
Die Familie des jungen Mannes auf dem Foto kenne ich seit etwa 12 Jahren. Den zahlreichen Kindern zahlen wir jeweils vom Beginn der Mittelschule an die Ausbildung. Gede schloss vor zwei Jahren die Fach-Oberschule ab und arbeitet jetzt bei einem Händler für Baumaterialien. Übermorgen wird er seinen 22. Geburtstag feiern - und seit genau einer Woche ist er stolzer Vater einer gesunden Tochter.
Heute verbrachte ich auf der Fahrt nach Ost-Bali 1 Stunden bei der Familie; es gab viel zu erzählen: Die 20jährige Tochter Ketut schenkte mir stolz eine Musikcassette, die sie letztes Jahr mit Freunden aufgenommen hatte und die sich sogar ganz gut zu verkaufen scheint. (Lieber hätte ich die CD gehabt, aber von der hatten sie keine Vorräte mehr.) Trotz dieses Erfolgs bleibt sie aber realistisch und geht weiterhin zur Fachoberschule für Tourismus. Wenn sie im Sommer den Abschluss hat, möchte sie noch ein Jahr Fachhochschule anschließen und sich speziell für die Arbeit auf Kreuzfahrtschiffen ausbilden lassen.
Alle fünf noch zur Schule gehenden Kinder (für drei zahlen wir zur Zeit; zwei sind noch in der Grundschule) hatten im Halbjahreszeugnis gute Noten und keine einzige "Fünf".

8.5.2006: Seit gestern Abend bin ich wieder in Indonesien. Der Abflug war mit einigem Ärger verbunden, da das Konsulat meinen Pass mit dem Sozial-Visum zu spät abschickte (? - oder die Post ihn verschlampte?). Bis Samstag war er nicht bei mir eingetroffen und meinen Flug (Billig-Ticket) konnte ich nicht verschieben. Nun bin ich mit meinem Zweit-Pass wie ein Tourist eingereist, habe einen Stempel für 30 Tage - den man nicht verlängern kann. Also muss ich in 30 Tagen das Land verlassen (Flug nach Singapur!) und am nächsten Tag mit dem anderen Pass und dem Visum (sofern er nicht ganz verloren ging und meine Mutter ihn mir bis dahin nachschicken konnte) wieder einreisen. Diese "kleine Verspätung" kostet mich leider über 400 Dollar für Flugticket und Hotelübernachtung.
Noch bin ich in Legian (Bali), habe mein bei Freunden deponiertes Gepäck abgeholt, das übliche alte Motorrad für vier Monate gemietet, war einkaufen, werde noch zum Friseur gehen. Dann langsam nach Ost-Bali und voraussichtlich erst in etwa zwei Wochen nach Lombok. (In Candi Dasa werde ich einerseits abschalten und ausruhen; andererseits viel arbeiten und meinen Computer aufräumen. - Zu vieles blieb liegen, da weder in Nepal noch in Deutschland die Zeit ausreichte, alle Notizen auszuwerten und alle Abrechnungen fertig zu machen.)
Da ich die ersten Kinder erst in ein paar Tagen treffen werde, will ich Euch ein bisschen von dem berichten, was ich über den Winter per e-mail aus Lombok erfuhr:

Spätestens Samstag werde ich mich wieder melden, nachdem ich die ersten Kinder in Ost-Bali getroffen haben werde.
 


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