Die Informationen hier können nicht vollständig sein. Sie gehen oft davon aus, daß Ihr die Vor­ge­schichte kennt.
Bitte lest die Jah­res­be­richte vom Oktober 2005 und Oktober 2006 und die genaueren Berichte, auf die dort hin­ge­wiesen wird. Oder geht über die Schalt­fläche "Gesamt-Inhalt und ältere Berichte" ins Archiv der "Er­gän­zungen zu den Jahres­be­rich­ten", in denen ich während der Reisen immer ganz aktuell berichtete.

 
Aktuelles / Neueste Meldungen

Nepal, Januar bis März 2007

Jürgen Dahm Stiftung
gegründet.
Neue Internet-Seiten unter

www.j-dahm-stiftung.de

(Von unten nach oben zu lesen!)
 

Nepal-Nachtrag: Schon aus Indonesien schrieb ich am 11.5.2007:
Bisher habe ich von 44 unserer Schülerinnen und Schüler die Noten der Versetzungszeugnisse erfahren. Drei davon wurden nicht versetzt; je ein Mädchen und ein Junge sind Klassenbeste; fünf Kinder sind auf den Plätzen 2 und 3. (Dass wir so viele Zeugnisse noch nicht erhalten haben, liegt zum Einen daran, dass manche Schulen erst viel später mit den Prüfungen begannen; zum anderen an der "Faulheit" mancher Kinder, die ihr Zeugnis nicht sofort zu unserem Lehrer bringen. Gerade die weiter entfernt Wohnenden kommen erst, wenn sie das nächste Mal Gebühren oder Schreibwaren brauchen.)

19.4.2007: Tibet-Reise!
Sechs Bekannte von mir möchten im Herbst 2008 nach Nepal und Tibet fahren. Ich selbst werde der Reiseleiter sein.
Sie suchen noch Mitreisende! (Denn je größer die Gruppe, desto kleiner der Preis.)
Wenn Du Interesse hast, merke Dir schon mal den Termin vor: 13.9 bis 3.10.2008.
Sobald ich mehr Details weiß und den Preis kalkulieren kann, werde ich hier weitere Informationen veröffentlichen.

4.4.2007: Nun bin ich also schon wieder vier Tage in Deutschland. Ich gehe meine endlosen unerledigten Notizen durch, mache die Abrechnungen fertig, übertrage die medizinischen Buchungen in die Datenblätter der Kinder...
Nebenbei habe ich für Euch ein bisschen ausgewertet und erste Zahlen zusammengestellt:

Drei Mädchen lesend in der Ecke des Zimmers.
An unserem letzten Tag. (Und die Aufnahme ist NICHT gestellt!)

Von den inzwischen 588 in meiner Datenbank erfassten Kindern und Jugendlichen und längst erwachsenen Ex-Kindern sind im Moment 334 als "aktiv" markiert. Hinzu kommen etwa 30 neuere Kinder, die noch nicht erfasst sind. Für genau 130 von ihnen zahlen wir zurzeit ganz oder teilweise (z.B. nur die Gebühren) den Besuch von Schule oder College.
Von den 11 Schülerinnen und Schülern, die dieses Jahr die 10. Klasse besuchten, haben erfreulicherweise zehn die Zulassungs-Prüfung zur Abschlussprüfung bestanden. - Nun sind wir gespannt, wie viele von ihnen auch den Abschluss schaffen werden.
Dieses Frühjahr machte ich von 69 Kindern je 2 neue Passbilder; entweder, weil ich sie neu in die Datei aufnahm, oder weil die existierenden Aufnahmen veraltet waren. 66 Kinder und Jugendliche bekamen einen neuen Mitgliedsausweis, davon 41 zum ersten Mal. (Bei den anderen war entweder das Foto veraltet oder sie hatten ihn verloren.)
Zwischen Oktober und Februar bekamen 83 Kinder eine erste Spritze als Beginn ihrer Immunisierung gegen Tetanus. 76 dieser Kinder bekamen inzwischen bereits die zweite Spritze; vier haben den Termin leider verpasst, drei werden sie in den nächsten Wochen über unseren Lehrer bekommen. (79 Kinder werden also hoffentlich im kommenden Herbst ihre dritte Spritze bekommen und danach für zehn Jahre geschützt sein.)
Ich werde mich bald wieder melden, wenn ich von unserem Lehrer Informationen über die Versetzungszeugnisse bekam.

30.3.2007: Die letzten Tage waren so chaotisch, so voll, die Zeit reichte nie für alles, was noch zu erledigen gewesen wäre. Die "dummen Jungs" mit ihren Erpressungsversuchen kosteten mich so viel Zeit, daneben die Arbeit an der Vereinsgründung (die gute Fortschritte macht). - Nun stehe ich also kurz vor dem Heimflug.
Die "Erpresser" sind inzwischen wieder "unsere Kinder", sitzen bei mir oder im Unterrichtszimmer und diskutieren ihre zukünftige Arbeit. (Ich gebe ihnen einen kleinen Kredit, um in ein normales Leben zurückzukehren; mit ganz offiziellem Vertrag und Fristen für die stufenweise Rückzahlung:)
Sie haben vor meiner Videokamera ausführlich geschildert, wie sie seit drei Jahren bedrängt wurden und wie viel Geld ihnen von "der anderen Seite" geboten wurde. Auch diese Aufnahme liegt bei meinem Rechtsanwalt und sie sind auch bereit, persönlich auszusagen.
Leider ist nicht auszuschließen, dass im Laufe dieser langen Zeit irgenwelche "Materialien" (?) oder aufgezeichnete Aussagen zurückblieben, die andere gegen mich verwenden könnten.
Daher meine große Bitte an Euch: Ich habe einst voraus-gedacht für den Falle meines Todes, habe die Stiftung gegründet. Im Moment arbeiten wir an der Gründung des nepalischen Vereins. Stiftung wie auch Verein werden staatlich kontrolliert, müssen ihre Berichte und Abrechnungen vorlegen. Sollte ich aufgrund früher mal gemachter verleumdender Aussagen und Lügen verhaftet werden: Alle Kinder wissen Bescheid und ich habe sie beauftragt, auch ihre Eltern zu informieren. Alle meine Freunde wissen Bescheid, und sieben von ihnen arbeiten im Moment an der Vereinsgründung. Sollte mir nichts passieren, werde ich in diesem Verein Manager oder Volontär sein; sollte ich aber verhaftet werden, werden meine hiesigen Freunde sich mit Eurer Hilfe auch ohne mich weiterhin verantwortungsvoll um die Kinder kümmern. Bitte zahlt weiterhin an die Jürgen Dahm Stiftung; bitte stellt Eure Unterstützung der Kinder nicht ein!
In wenigen Tagen werde ich Euch in einer Zusamenfassung von den Kindern und den sonstigen Ereignissen dieses Frühjahrs berichten.

25.3.2007:Die Erspresser sind inzwischen recht friedlich. Vor allem durch die Hilfe von ihren deutschen und japanischen Freunden - die auch meine Freunde sind - wurde zwei von ihnen klar gemacht, dass sie auf der falschen Seite stehen. Nur der Dritte sei noch sauer, weil ich ihm (um seine Aussage aufnehmen zu können) zunächst die Zahlung zusagte und dann doch verweigerte. Da ich die drei seit zehn und mehr Jahren kenne und immer noch als welche von "meinen Kindern" betrachte, will ich eine Anzeige unter allen Umständen vermeiden und hoffe, dass wir eine friedliche Lösung finden werden.
Seit heute Abend bin ich so glücklich und zuversichtlich wie lange nicht mehr. Seit einigen Tagen hatte ich mir Sorgen gemacht, nachdem ich verstehen musste, WIE sehr mein hier zu gründender Verein unter die Kontrolle des einheimischen Vorstandes und der hiesigen Behörden gestellt werden wird. Ohne deren Genehmigung würde ich fast gar nichts mehr tun dürfen. Doch nach der heutigen 2-stündigen Sitzung mit vier der zukünftigen Vostandsmitglieder und einem Rechtsanwalt, der die Entwürfe schrieb, bin ich ganz sicher, dass ich mir die richtigen Leute ausgesucht habe. Sie diskutierten die Details der Satzung SO ernsthaft und engagiert; A) im Interesse der Kinder; und B) so, dass meine Arbeit (die sie seit Jahren kennen) möglichst unverändert weitergehen kann. Es ist eine Freunde, mit ihnen zu arbeiten!

21.3.2007: Während meiner Besuche auf den verschiedenen Polizeirevieren machte ein sehr freundlicher Inspektor mir klar, dass mein Projekt für die Kinder längst zu groß geworden sei, um es alleine und ohne Registrierung mit einem Touristen-Visum zu verwalten. So habe ich inzwischen begonnen, was ich längst hätte tun sollen: Die Gründung eines eingetragenen Vereins.
Sieben Nepalis (die Mindest-Zahl) sind im Moment mit den Planungen und dem Schreiben von Satzung und Regeln beschäftigt. Denn nach hiesigem Gesetz darf eine ausländische Organisation (die JÜRGEN DAHM STIFTUNG) in Nepal nicht direkt aktiv sein, sondern nur über eine hiesige Organisation Zahlungen leisten.
Ich werde in dieser Vereinigung als Gründer und Manager aktiv sein und dadurch auch ein Visum bekommen, mit dem ich beliebig lange bleiben kann.
Eure Spenden an die JÜRGEN DAHM STIFTUNG werden in Zukunft an die JÜRGEN KINDER VEREINIGUNG weitergeleitet werden und alle Ausgaben werden nicht nur in Deutschland (von Regierungspräsidium und Finanzamt) sondern auch in Nepal staatlich kontrolliert.

19.3.2007: Ich kam leider nicht zum Schreiben; denn ich habe zwei sehr anstrengende und unangenehme Wochen hinter mir:
Einige unserer Ex-Kinder, jetzt junge Männer, wollten mich erpressen. Sie behaupteten, dass das französisch-nepalische Hilfswerk, das mir seit 12 Jahren Kindesmissbrauch anzuhängen versucht, ihnen viel Geld biete, wenn sie vor deren Kameras gegen mich aussagen. Damit sie das nicht tun, wollten sie von mir Geld; mal mehr, mal weniger; zuletzt etwa 9000 Euro.
Ich verbrachte viel zu viel Zeit auf den für uns zuständigen Polizeistationen, auf der Deutschen Botschaft, beim Rechtsanwalt und auf verschiedenen Ämtern.
Zwischendurch kamen immer wieder neue Geschichten; andere Versionen des Versuchs, mir Angst zu machen. Mal wollten sie mit mir zusammenarbeiten, um das "dort" angebotene Geld zu bekommen ohne mir wirklich zu schaden. Dann wollten sie aber wieder Geld von mir, um vor meiner Kamera gegen die anderen auszusagen. Irgendwann wurde erzählt, dass es keine "saubere" Anzeige bei der Polizei geben werde, sondern die ganz große Aktion, die mich und meinen Namen völlig ruinieren soll: Berichte an Zeitungen, Meldungen an Schulen, dann Demonstrationen von entsetzten Schülern; es war ein Chaos!
Seit gestern weiß ich verbindlich, dass dieses Hilfswerk gar nicht hinter denen stand. Und seit heute weiß der Leiter des Hilfswerkes, dass ich in ihrem Namen erpresst wurde. (Er wird also von denen keine "Informationen" annehmen.) Seit heute Nachmittag habe ich mehr als genügend heimliche Tonaufnahmen (Kopie beim Rechtsanwalt), um zumindest einen von ihnen verhaften zu lassen.
Um 16 Uhr sagte ich dem am Telefon, dass ich nicht zahlen werde. Er war so wütend, dass er vergaß, das Telefon aufzulegen und ich konnte eine Weile zuhören, wie er mit seinen Freunden beriet - und WIE wütend er war.
Nun muss ich abwarten, wie es weitergeht. Ob sie mir die Wohnung plündern oder mich mit dem Messer bedrohen? Ob sie ihre erfundenen Geschichten an die Presse geben und mir auch ohne finanziellen Gewinn nur noch schaden wollen...???
 

17.3.2007: Gestern wollte ich ein Foto machen von 8 Kindern, die in unserem "Unterrichtszimmer" lernten; wurde kurz nach draußen gerufen - und dann saßen da nur noch vier.
Heute haben viele unserer Kinder die Versetzungsprüfungen abgeschlossen; andere sind mitten drin; an noch anderen Schulen beginnen sie erst demnächst.
Bis ich am 30. März nach Hauise fliegen werde, werde ich von einigen die Zeugnisnoten erfahren haben; von allen anderen wird sie mir unser Lehrer per email mitteilen.

8.3.2007: Gestern am späten Nachmittag musste ich ja SO lachen: Ein recht neuer 13jähriger saß zum ersten Mal am Computer vor dem Kartenspiel "Solitär"; und er fragte in den Raum, was er denn jetzt machen müsse. Da kam ihm ein 8-(!!!)-jähriger zu Hilfe: "Eka-laai Mouse lagaaera Doubelklick garau!" - oder ebenso umgangssprachlich ins Deutsche übersetzt: "Du musst dem As mit der Mouse drüber einen Doppelklick verpassen." - IT-Sprache eines achtjährigen Nepali!
Für den Jungen mit dem Armbruch haben wir inzwischen dank der Hilfe der uns bekannten Ärzte ein kostenloses Bett bekommen - was auch Verpflegung und kostenlose Operation einschließt. Nur der Operationstermin wurde noch nicht festgesetzt. (Da er keine Schmerzen hat, sollte das kein Problem sein; nur lästig für die Familie, die so viele Tage bei ihm im Krankenhaus bleiben muss.)
Von der Familie von Stamm-Kindern wurde uns vor zwei Jahren aus ihrem Dorf ein zweijähriger Junge mit einem enorm großen Hoden- / Leistenbruch gebracht. Wir ließen ihn untersuchen, aber die Ärzte meinten, er sei noch zu jung und es sei nicht eilig. Vor ein paar Tagen kamen sie wieder aus ihrem Dorf in die Stadt und dann gleich zu uns. Gestern wurde der inzwischen Vierjährige operiert und konnte heute bereits entlassen werden.
Einige seit Jahren zu uns kommende Mädchen (sechs Geschwister, darunter nur ein Junge) fragten mich gestern, ob sie ein aus ihrem Dorf gebrachtes Kind, das nicht laufen könne, zu mir bringen dürften. Heute kam die Mutter mit dem vierjährigen Jungen zu mir: Er sei im Alter von 11 Monaten von einem Tisch gefallen und auf den Kopf aufgeschlagen. Der Gesundheitsposten in der Nähe ihres Dorfes habe damals gesagt, es sei wohl nichts passiert; aber wenige Monate später zeigten sich die ersten Symptome. - Nach meiner ersten Einschätzung würde ich sagen, dass er spastisch gelähmt ist; er reagiert gut und freut sich z.B. über sein Foto im Display der Digitalkamera; aber er kann kaum sprechen und Arme und Beine nicht kontrolliert bewegen. Ich werde ihn untersuchen lassen; aber ich glaube nicht, dass wir ihm viel helfen können.
In vielen Schulen haben die Versetzungsprüfungen gerade begonnen; aber aufgrund von Feiertagen und Streiks gibt es mal wieder keinen geregelten Ablauf. An sehr vielen Schulen beginnen die Prüfungen am kommenden Sonntag; und an einigen erst in 2-3 Wochen.
Nachdem ich ein Jahr lang reduziert und gebremst hatte - "keine neuen Kinder; bringt keine Freunde mit; lasst Eure Geschwister zu Hause; wenn Du NUR für die Essensgutscheine kommst, ist es besser, Du kommst nicht mehr; ..." - haben wir inzwischen wieder sehr viele neue Stamm-Kinder; viele Anfragen für schulische Unterstützung ab dem Beginn des neuen Schuljahres (im Mai); - und hatten vorgestern einen neuen Rekord mit 161 Mittagessen.

27.2.2007: Meine Mutter reklamiert mit Recht "Passiert bei Euch so wenig, dass Du fast zwei Wochen nichts auf die Homepage schreibst?" - Das Gegenteil ist der Fall: Es passiert so viel, dass ich nicht zum Schreiben komme.
Ich habe in den vergangenen drei Tagen - nachdem ich am Samstag vor genau einem Monat in Nepal angekommen war - meine Kinder-Datenbank durchgearbeitet. In den 565 Datenblättern habe ich nachgeschaut, bei wem ich was zu notieren vergaß oder wo es noch Wichtiges zu ergänzen gebe. Nun weiß ich, dass ich von den dort erfassten Kindern und Jugendlichen bisher 244 persönlich getroffen habe. Fünf, die weiter entfernt arbeiten, riefen mich an. Von 8 kleineren Kindern, die nicht selber kommen, besuchten mich Vater oder Mutter. Über wie viele Kinder ich Informationen durch Geschwister, Freunde oder Sozialarbeiter erhielt, habe ich nicht ausgewertet. - Und dann sind da noch eta 30 bis 40 regelmäßige Nachmittagsbesucher, für die ich noch kein Datenblatt anlegte.
Nachdem ich endlich die Abrechnung unseres Lehrers für Oktober bis Dezember komplett durchgearbeitet, überprüft und ausgewertet habe, konnte ich alles in Euro umrechnen und den Jahresabschluss für 2006 machen: Die Summe der Spenden hat sich im Jahr 2006 gegenüber 2005 netto um 2090,- Euro erhöht Da ich in dem Jahr auch mehr verbrauchte als früher, bleibt ein Überschuss von immer noch 972,86 Euro, die ich irgendwann mal wieder für eine teure Operation verwenden kann. Darüber hinasu sind die Zinsen aus dem von mir in die Stiftung eingebrachten Kapital noch gar nicht berücksichtigt, die nach Verrechnung des Inflationsausgleichs ja auch noch voll unseren Kindern zugute kommen werden.

Warum die Zeit nie reicht und ich oft nicht zum Schreiben komme? - Gestern war ein ganz normaler, eher ruhiger Nachmittag. Ab 17.30 Uhr wurde der Strom abgeschaltet, sonst keine besonderen Vorkommnisse. Die Abrechnung der Mittagessen zeigte, dass 114 Kinder gekommen und wieder gegangen waren; manche von ihnen blieben wenige Minuten, andere fast den ganzen Nachmittag. Mit einem Jungen hatte ich länger zu diskutieren, weil er aus Heim und Schule weglief und auch bei seinen Eltern nicht wohnen möchte.
Und dann kam einer der nicht zur Schule gehenden Jugendlichen: Der neunjährige Sohn eines Verwandten habe sich den Arm gebrochen und müsse operiert werden. Die Eltern hätten ihn aus dem Dorf in die Stadt gebracht und er wohne momentan bei ihnen. Sie hätten doch kein Geld für eine solche Operation; und ob ich ihnen helfen könne. Ich sagte ihm, er solle den am besten gleich holen; und alle Krankenhausunterlagen mitbringen. Bald kam er wieder, brachte auch seine Mutter mit, die den Kleinen zur Zeit betreut. Der war vor drei Tagen in der Dorfschule eine Treppe heruntergefallen und auf eine Kante aufgeschlagen, hatte sich Elle und Speiche gebrochen - direkt neben der Schiene, die nach einem Armbruch vor 8 Monaten noch nicht entfernt worden war. Sie hatten ihn in der Kinderklinik untersuchen und röntgen lassen, von wo sie an die Orthopädie der Uni-Klinik verwiesen wurden. Als sie den Ärzten dort erklärten, dass sie die nötige Operation nicht bezahlen können, wurde der Arm - krumm wie er ist - provisorisch eingegipst.
Glücklicherweise war unser Lehrer bereit, den heutigen Vormittag mit ihnen in der Klinik zu verbringen - und so habe ich die Zeit gefunden, Euch dies hier zu schreiben.
 

14.2.2007: Es war ein Versuch; und ich wusste nicht, ob die Kinder das annehmen würden: Ich kaufte für insgesamt 5 Euro zehn Kinder- und Jugendbücher. Da mir weder Druckerei noch Buchbinder helfen konnten, ließ ich von den Schreinern Löcher in die Ecken der Bücher boren; dann zogen wir Schnüre durch und verknoteten sie. Seit vorgestern hängen die Bücher an den Fenstergittern - und schlugen ein wie eine Bombe!
Es hätte ja sein können, dass "Lesen was ist, was man in der Schule muss"... - Weit gefehlt!
Die Kinder deponieren ihre Ausweise bei mir, um ein Buch (nur innerhalb des Zimmers) ausleihen und lesen zu dürfen. Die übernachtenden Kinder verzichten teilweise auf ihre geliebten Computerspiele, weil das Buch, in dem sie lesen, gerade so spannend ist.
Da sie aus den Schulen gewohnt sind, alles auszusprechen, was sie lesen, ist der Geräuschpegel zeitweise ganz erheblich. - Aber die Kinder stört es überhaupt nich, wenn direkt neben ihnen jemand was ganz anderes liest/erzählt. - Und die (wenigen!), die gar nicht lesen können, haben den Vorteil, immer irgendwo zuhören zu können.
Ich freue mich riesig - und werde ganz sicher langsam eine richtige kleine Bibliothek aufbauen.

11.2.2007: Die Woche über ging's rund und ich kam kaum zum Schreiben. Dass ich hier so lange nicht berichtete, liegt aber auch daran, dass eigentlich "nichts passiert" - nichts, was so wichtig wäre, dass ich Euch darüber informieren müsste. In meinem eigenen Tagebuch sind eigentlich immer nur die Vormittage ausführlich beschrieben, wenn ich in der Stadt unterwegs bin und Sachen erledige. Bei den Nachmittagen steht oft "wie üblich" oder "ganz normal".
Und dabei sind diese "ganz normalen" Nachmittage mit zur Zeit etwa 110 bis 130 Kindern so voll, so interessant, machen so viel Freude, dass ich stundenlang davon erzählen könnte. Da strahlt mich ein Junge an, wenn ich ihm erlaube, auch seinen kleinen Bruder mitzubringen. Ein Mädchen bedankt sich, wenn ich ihr den gerade ausgestellten Ausweis umhänge, zeigt ihn stolz ihren Freundinnen...
Seit einem Jahr bitte ich alle Kinder, keine Neuen mitzubringen. Dann kommt immer das bettelnde "Nur ich; Nur diesen einen" - und dann sage ich "Wenn von 150 jeder nur einen Neuen einführt, sind wir demnächst 300!" Nun kamen ein paar ganz Schlaue, hatten sich zu fünft zusammen getan, um gemeinsam ihren besten Freund aus dem gleichen Wohnblock vorzustellen: Wenn sie zu fünft nur einen Neuen einführen, gelte mein Argument der "Gefahr der Verdoppelung" ja nicht mehr.(!) Als ich diesem Argument nichts entgegenzusetzen hatte und mich einverstanden erklärte, dass der Neue bleiben dürfe, freuten sie sich wie die Könige und tanzten durchs Zimmer.
Aber natürlich gibt es auch konkrete Ereignisse, von denen ich Euch etwas ausführlicher berichten möchte:

Unser Tageszimmer macht auch wieder Fortschritte: Seit gestern haben wir endlich ein funktionierendes "weißes Brett", auf das man mit einem speziellen Filzschreiber Mitteilungen schreiben und wieder abwischen kann. Da man diese weiße Beschichtung nicht zugeschnitten kaufen kann, haben wir noch ein gutes Stück übrig. Das lasse ich nun mit Sperrholz unterlegen als Spielfläche für auf den Teppichboden, auf der man z.B. Straßen für Modellautos aufzeichnen oder Puzzle legen kann.
Seit einer Woche habe ich endlich für mich selber (und natürlich auf meine eigene Rechnung) statt des alten wackeligen Küchentischs einen guten, großen und stabilen Schreibtisch. Dann ließ ich die Schreiner kommen und zwei Löcher fräsen, so dass zum einen alle Netz- und Verbindungskabel unter dem Tisch verschwinden. Zum Anderen führe ich einen Teil der Kabel in eine der abschließbaren Schubladen, so dass ich dort externe Geräte, Kameras und anderes anschließen kann, ohne dass die Kinder daran herumspielen oder sie mir geklaut werden können.

Bei dem kleinen Jungen, dessen Knochenmark-Infektion im Arm wir seit zwei Jahren behandeln lassen, wurde nach Entfernen der Stahlschiene aus dem Arm leider festgestellt, dass der Knochen doch noch immer nicht richtig zusammen­gewachsen ist. Mit seinen ca. 9 Jahren raucht er und schnüffelt Leim; und weigerte sich bei seiner Mutter, die Kalzium-Tabletten zu schlucken. Nach diesem neuen Befund habe ich mich sehr ernst mit ihm unterhalten (und ihm so richtig Angst gemacht); seit fünf Tagen ist er sehr vernünftig und kooperativ. Hoffen wir, dass das anhält und der Arm doch noch zu retten ist.

Einem 16jährigen Jungen wurde mit einem schweren Messer eines Abends zweimal auf den Kopf geschlagen. Wir nehmen an, dass es sich um eine Verwechslung bei einem Rachakt handelte. Die Wunden wurden genäht; aber nach Röntgen und Computer­tomographie war nicht klar, ob nur der Knochen oder auch das Gehirn etwas abbekommen hatte. Nach einer Woche stationär in der Neurochirurgie war klar, dass er nicht operiert werden muss. Inzwischen wurde er nach Hause entlassen.

????? Manche Leute sagen mir, dass sie meine Homepage nicht besuchen, weil ich zu ausführlich erzähle und sie keine Zeit haben, das alles zu lesen. Nun versuche ich mit den nebenstehenden Boxen mal was Neues: In wenigen Zeilen seht Ihr das Thema. Wer mehr wissen möchte und Zeit für ausführlicheres Lesen hat, kann in der Box nach unten Scrollen. - Und ich kann so viel schreiben, wie ich will, ohne dass die Seite zu lang und unübersichtlich wird.
Schreibt mir doch mal, ob Euch das gefällt, oder ob ich so was in Zukunft besser nicht mehr machen soll.

4.2.2007: Die Kinder hatten Ferien und entsprechend war bei mir den ganzen Nachmittag viel Betrieb. Heute begann auch an den letzten Schulen der Unterricht wieder. Das heißt für mich, einen starken Ansturm um 13 Uhr, wenn viele in der Hofpause für ein schnelles Mittagessen kommen. Und dann eine etwas ruhigere Zeit, bis nach 16 Uhr wieder alle aus den Schulen kommen.
Ich weiß nicht, ob die politischen Probleme Süd-Nepals in Deutschland in die Nachrichten kommen - ? >>> Eine dort sehr stark vertretene Volksgruppe fühlt sich schon immer von den Regierungen "in den Bergen" (hier in Kathmandu) schlecht vertreten und will mehr Mitsprache in der zukünftigen Verfassung. Städte haben gebrannt, Straßen sind gesperrt, Ausgangssperre wurde verhängt. Die Verbindungen von Indien nach Kathmandu sind praktisch abgeschnitten. Menschen kommen mit dem Flugzeug oder warten wochenlang; das Benzin ist knapp, Kochergas wird gehortet; bestimmte Produkte aus den Fabriken im Süden gibt es bereits nicht mehr; und man fragt sich, wann es auch kein Obst oder sogar keinen Reis mehr geben wird.
Außerdem hat es viel zu wenig geregnet. Leitungswasser ist kontingentiert und der durch Wasserkraft erzeugte Strom wird täglich für drei Stunden abgeschaltet (in jedem Stadtteil zu anderen, täglich wechselnden Zeiten).

31.1.2007: Nun bin ich seit fast einer Woche hier. (Aber streng genommen habe ich - Donnerstag bis Montag - erst fünf Tage geöffnet.)
137 Kinder und Jugendliche und ehemalige Kinder haben mich bisher besucht (und die VIELEN, die noch nicht in der Kartei erfasst sind). Dazu zahlreiche Eltern und Verwandte. 29 Kinder waren auf unsere Kosten beim Friseur. Leider fanden sich erst zwei, die sich neu und erstmals eine Tetanusspritze geben ließen. Bisher kamen von/für sieben Kinder/n Anträge, ihnen die Schule zu bezahlen; aber von diesen werden wir wohl nur eine einzige akzeptieren. Bei allen anderen sind die Familienverhältnisse so, dass sie in der Lage sein müssten, das selber zu zahlen.

26.1.2007: Dienstag-Mittwoch flog ich nach Nepal. Weil in Kathmandu morgendlicher Nebel erwartet wurde, hatte ich in Muscat 4 Stunden längeren Aufenthalt als geplant, saß die ganze Nacht am Computer. Als ich gegen 14 Uhr endlich an meiner Wohnung ankam, erwarteten mich bereits die ersten fünf Kinder. Bis zum Abend waren 18 gekommen - obwohl ich allen erzählt hatte, dass ich erst ab Donnerstag öffnen würde.
Gestern gings dann richtig rund und bis zum Abend hatten mich bereits 84 der in der Datei erfassten Kinder besucht; dazu viele der neueren und wieder zwei ganz neue, die von Freunden zum ersten Mal mitgebracht wurden.

22.1.2007: Morgen fliege ich wieder nach Nepal. In wenigen Tagen werde ich hier wieder regelmäßig berichten.
 


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