Die Informationen hier können nicht vollständig sein. Sie gehen oft davon aus, daß Ihr die Vor­ge­schichte kennt.
Bitte lest die Jah­res­be­richte vom Oktober 2008 und September 2009 und die genaueren Berichte, auf die dort hin­ge­wiesen wird. Oder geht über die Schalt­fläche "Gesamt-Inhalt und ältere Berichte" ins Archiv der "Er­gän­zungen zu den Jahres­be­rich­ten", in denen ich während der Reisen immer ganz aktuell berichtete.

 
Aktuelles / Neueste Meldungen

(Von unten nach oben zu lesen!)
 

6.4.2010: Ich habe mal wieder viel zu wenig gefilmt. Nur einen einzigen neuen Film stelle ich auf der Video-Seite ganz unten rechts zur Verfügung.
Am 30. April werde ich wieder nach Indonesien fliegen. Aber erst nach 1-2 Wochen werde ich bei unseren Kindern auf Lombok ankommen und Euch wieder regelmäßig berichten

5.4.2010: Gerade erhielt ich eine Mail von unserem Lehrer: Er bekam die Ergebnisse (aber noch nicht die Noten) von zwei Schulen: 27 unserer Kinder wurden versetzt; kein/e einzige/r ist sitzen geblieben.

Etwas Statistik: Meine Datenbank enthält zurzeit 801 Kinder und ehemalige Kinder aus 520 Familien. Neulich machte ich für unseren Sozialarbeiter eine gekürzte Kopie, aus der ich alle löschte, die uns endgültig verließen, die wir rauswarfen, die zu alt sind oder vor Jahren zurück aufs Dorf gingen: 352 blieben übrig. (Darin sind aber viele enthalten, die schon lange nicht mehr kamen; um die ich mich aber noch kümmern würde, wenn sie wieder kommen würden.)
Nun habe ich meine Notizen der letzten 2 Monate ausgewertet: Wer kam, wen ich traf, über wen ich Informationen erhielt:
306 der als "aktiv" markierten Kinder und Jugendlichen habe ich persönlich getroffen. (Manche kamen täglich, andere nur ein oder zwei Mal...) Weiteren 28 Kindern zahlen wir die Schule, die aber in dieser Zeit nicht kamen. (Manche kommen nur gelegentlich zum Abrechnen; manche kommen vielleicht nicht mehr?) Von elf Schülerinnen und Schülern kamen Vater oder Mutter, Bruder oder Schwester zum Abrechnen.
Besonders freute mich, dass sich von den vielen ehemaligen Kindern - arbeitende junge Männer, verheiratete Frauen -, die schon lange absolut nichts mehr von uns bekommen, dreiundzwanzig die Mühe machten, mich in meiner Wohnung zu besuchen - einfach so. Weitere zwanzig "Ehemalige" traf ich auf der Straße oder an ihrem Arbeitsplatz, bekam Informationen von Müttern oder Freunden.
Von den 41 Kindern, die im Frühjahr 2009 ihre Tetanus-Immunisierung begannen, sind jetzt 37 für zehn Jahre geschützt. (Einer ist verschwunden; drei kamen nicht, obwohl ich sie rufen ließ.) Dieses Jahr bekamen 40 Kinder die erste Spritze; weitere zwei bekamen sie extern nach einer Verletzung. Von diesen 42 bekamen 38 die zweite Spritze, drei weigerten sich, einer bekommt sie nächste Woche über unseren Lehrer.
Was meine Abrechnungen sonst noch verraten: In 67 Tagen 1420 Essen (morgens oder abends), 7591 Mittagessen, 137 Friseurbesuche.
Da ich zweimal Wasser per Tankwagen kaufen musste, versuchten wir, den Verbrauch zu reduzieren. Zwar ist ein Kubikmeter mir 2 Euro nicht sehr teuer; aber umgerechnet kosten 4 Eimer so viel wie ein Mittagessen. Daher darf jedes Kind nur alle vier bis sieben Tage einmal duschen. Und da sie mich auch hier "betrügen" ("Du hast doch vorgestern erst geduscht." - "Ich habe schon zwei Wochen nicht geduscht!"), notierte ich dieses Jahr erstmals jeden Tag, wer die Dusche benutzte: 283 Kinder und Jugendliche.
(Darüber, wie viele Wunden ich versorgte, wie viele Gespräche ich führte, wie viele Einträge in die Sparbücher ich machte, und über so vieles andere gibt es keine Statistik.)

Schülerinnen und Schüler: Einhundertvierzig??? Ich war selber etwas schockiert, als ich gestern zum ersten Mal seit langer Zeit die Felder in meiner Liste für die Zeugnisnoten durchzählte. (Ich hatte mit wesentlich weniger gerechnet.)
- So genau kann ich Euch die Zahl der Schüler/innen, für die wir zahlen, immer nicht nennen. - Da ist zum Bespiel einer, dessen Schwester uns erzählte, dass er nicht an den Versetzungsprüfungen teilnahm: Ob der nun die Klasse freiwillig wiederholen will, ob er die Schule wechselt oder aufgibt und arbeitet; ob er wieder zu uns kommt oder sich nicht mehr blicken lässt: Das erfahren wir frühestens bei den Anmeldungen fürs neue Schuljahr, spätestens im Laufe des Sommers. - Einige sind gefährdet, zum zweiten Mal nicht versetzt zu werden; damit würden sie automatisch aus unserer Förderung heraus fallen: Das erfahre ich erst demnächst.
Trotzdem will ich es versuchen:
16 Schülerinnen und Schüler stehen in meiner aktuellen Zeugnisnoten-Tabelle in Campus und College, also in den Klassen 11 bis 15. Dreizehn davon habe ich getroffen oder von Geschwistern erfahren, dass sie noch lernen; drei von ihnen haben sich schon länger nicht gemeldet und ich weiß nicht, ob sie demnächst wieder kommen werden.
99 Kinder und Jugendliche besuchten in diesem Schuljahr (das bald enden wird) auf unsere Kosten die Klassen 2 bis 10; wir zahlten Gebühren und Uniform, Schuhe und Tasche, Bücher und Schreibwaren und vieles mehr. Einige werden aufhören; einige werden nicht mehr gefördert werden (z.B. weil sie zum zweiten Mal sitzenbleiben, zu selten zur Schule gehen, keine Zeugnisse bringen, ...); einige schließen hoffentlich die 10. Klasse ab und werden im nächsten Jahr zu den Campus-Studenten gezählt werden.
25 neue Schüler/innen haben wir für das kommende Schuljahr akzeptiert. - Sie stammen aus vier sich teilweise überschneidenden Gruppen:
- Manche der neueren Tageskinder wurden vielleicht nur deshalb von Freunden oder Nachbarn mitgebracht und vorgestellt, weil sie finanzielle Probleme haben und bei uns um schulische Förderung bitten sollen.
- Leute von außerhalb bitten um Unterstützung. Ihre Kinder werden erst dadurch auch zu Nachmittags-Besuchern.
- Über förderungswürdige Kinder, nach denen wir an den Schulen suchten, berichtete ich neulich bereits.
- Kinder, die seit Jahren zu uns kommen, können plötzlich die Schule nicht mehr selbst bezahlen: Der Vater verschwand, die arbeitende Mutter wurde krank, die Schule wird in höheren Klassen immer teurer... Dieses Jahr haben wir gleich zwei Jungs, die an einer kostenlosen Schule sehr gut lernen; aber diese Schule führt nur bis zur ersten staatlichen Prüfung. Mit der Versetzung in die 6. Klasse müssen sie an eine kostenpflichtige Schule wechseln.
"Überschneidungen": Zum Beispiel wurde uns ein Nachmittags-Besucher, dem wir die Förderung bereits zugesagt hatten, dann auch von einer der Schulen als förderungswürdig empfohlen.

Mein schönstes Souvenir:
Einer der Tagesbesucher brachte mir diesen "Brief", den er in ca.
A4-Größe aus Schulheft-Papier zusammen-geklebt hatte.
(Da er eine Privatschule besucht, auf der die Unterrichtssprachen Eng-
lisch ist: da er Nepali nur wenige Stunden pro Woche lernt, ist der Satz-
bau seines Schreibens genau so unlogisch wie der meiner Übersetzung.
Sandesh's Brief
Jürgen, Sie sind wie ein Gott für uns, da Sie uns so viel geholfen haben
und diese Nepalische Regierung, für diese aus Nepalischen Müttern
geborenen Kinder - wie diese aufwachsen und wie sie zu Essen
kommen, darum kümmert sich dieses Nepal nicht.
Für Leute, die vielleicht nicht einmal eine ausreichende Malzeit am Tag
bekommen, haben Sie den "Susaah" Verein gegründet.
Wenn sie auch ein Ausländer sind, so haben Sie doch die Situation in
Nepal verstanden.
Ich bettele, dass Sie uns nicht verlassen und immer an uns denken.
Danke. - Geschrieben von Sandesh Timsina
(12 Jahre; 7. Klasse)

Tageskinder: Vor ein paar Jahren hatten wir täglich bis zu 150 Mittagessen und ich sagte allen Besuchern, dass sie bitte keine weiteren Kinder vorstellen sollen. Natürlich akzeptierte ich gelegentlich Neue; aber die Zahl der "Abwanderungen" überwog. Kinder kommen einfach nicht mehr, ziehen in einen entfernten Stadtteil, gehen zurück aufs Dorf, werden zu alt, heiraten, finden andere Sponsoren... - So hatten wir im Herbst an manchen Tagen nur 60 bis 70 Besucher und ich erlaubte ihnen wieder, Verwandte, Nachbarn oder Freunde neu vorzustellen. Das löste eine Entwicklung aus, die nur schwer wieder zu bremsen war: Schon vor etwa sechs Wochen hatten wir täglich wieder 120 bis 145 Mittagessen und ich sagte "Jetzt sind wir genug"; aber immer wieder brachte jemand einen besten Freund. - "Bitte! Nur den Einen!" Auch kommen inzwischen viele neue Kinder - vor allem aus der Umgebung unserer Wohnung - ganz alleine und von sich aus "weil ich hier immer so viele Kinder sehe".
Mein Vorgehen beim Ausstellen neuer Ausweise habe ich auch geändert: Währen ich früher oft drei Wochen (oder auch zwei Monate) wartete, ob der oder die neue Besucher/in auch wirklich auf Dauer kommt, stelle ich jetzt einen neuen Ausweis meist schon nach wenigen Tagen aus, da sie ohne ihn keine Spiele oder Bücher aus der Bibliothek ausleihen können.
So habe ich seit Oktober 128 neue Datenblätter angelegt und eben so viele neue Ausweise ausgestellt. (Diese 128 Kinder stammen aus 103 Familien. 25 Kinder sind also Geschwister von anderen; viele weitere sind Cousinen oder andere Verwandte.) - Weitere 54 neue Ausweise habe ich für ältere Besucher ausgestellt, die ihre Ausweise verloren hatten oder deren Passbilder veraltet waren.

Unser "Strom-Fahrplan":
Zettel mit den Zeiten, zu denen wir Strom hatten.
Dieser Zettel (DIN-A6) lag die letzten zwei Monate neben
meinem Computer. Nach ihm mussten wir uns richten:
Nur wenn es Strom gibt, können die Kinder an den
Computern lernen; kann der Lehrer Mütter einladen, um
neue Informationen in seinen Computer aufzunehmen;
nur dann kann man Staubsauger, Wasserpumpe oder
Dusche betreiben.

1.4.2010: (aber kein Aprilscherz:) Gut geschlafen; gut geflogen; um 6.45 Uhr gut in Frankfurt gelandet.
Pass- und Zollkontrolle problemlos; schon vor 9 Uhr war ich zu Hause.
Demnächst mehr...
Frohe Ostern!!!

Ein Plakat informiert über Öffnungszeiten und Regeln für den Sommer.

30.3.2010: Das Plakat rechts hing seit Tagen an der Tür zum Spielzimmer und informiert die Kinder wie üblich über den Tag meiner Abreise...
Aber dann kommt die wohl wichtigste Neuerung diese Jahres: Am Dienstag (dem Tag vor meiner Abreise, an dem ich packen und putzen muss) wird für einen Tag geschlossen sein. Ab Mittwoch werden Hausbesitzer und Sozialarbeiter täglich ab 16 Uhr (nach Schulschluss) bis 18 Uhr für Euch öffnen.
Was es nicht geben wird: Essen, Duschen, Krach machen. Was es geben wird: Computer, Spiele, Bibliothek.
Medizinische Versorgung gibt es über's Unterrichtszimmer.
Nur registrierte Kinder, die ihren Ausweis auch dabei haben, werden zugelassen.
Neue Kinder können erst ab Oktober wieder vorgestellt werden.
Wer seinen Ausweis verloren hat, kann beim Lehrer um den Ausdruck eines Neuen bitten.

Seit Jahren träume ich davon, dieses wunderbar große Zimmer und all die Ausrüstung den Kindern auch während meiner Abwesenheit zur Verfügung zu stellen. Seit zwei Jahren habe ich eine finanzielle Zusage, die mir dies ermöglichen würde.
Aber für die Mitglieder des nepalischen Vereins ist es natürlich angenehm, während des ganzen Sommers außer dem Jahresabschluss nicht viel tun zu müssen. Und wohl für jeden Hausbesitzer ist es ein Traum, zwölf Monate Miete zu kassieren für eine Wohnung, die sieben Monate im Jahr leer steht.
Ich habe gekämpft...
Nun haben wir einerseits Angst, dass zu viele Kinder kommen; dass sie zu viel Krach machen und der Hausbesitzer sein Einverständnis zurücknimmt. Andererseits prophezeien Lehrer und Sozialarbeiter, dass ohne Essensgutscheine gar nicht genug Interesse bestehe, keine Kinder kommen und sie bald wieder schließen werden.
????? - Abwarten.

Nur wenn Dich Details interessieren:
Ich mache von jedem Kind zwei Fotos in der kleinsten Auflösung meiner Digitalkamera: Eines stehend das ganze Kind; und ein Portrait. Im Computer benenne ich die um: Name des Kindes und Name + -b. (Also z. B. Astha-Rai.jpg + Astha-Rai-b.jpg.) Diese verlagere ich in zwei Ordner: Im einen archiviere ich die Originalaufnahmen; im anderen bearbeite ich sie zu den "Passbildern" für meine Datenbank: Eines von Kopf bis Fuß und eines von oben bis zum Schlüsselbein. Zuschneiden nach Schablone; Farben, Helligkeit, Schärfe. Dann kopiere ich sie in das Unterverzeichnis der Datenbank. Ich kopiere sie ein zweites Mal ins Verzeichnis der zu erstellenden Ausweise; dort lösche ich die Ganz-Fotos.
Zum erstellen des Ausweises vergrößere ich das Passbild um 50% und verschiebe es in die Vorlage, die dann wieder den Namen des Kindes erhält. Auf englisch schreibe ich des Kindes Nummer, Namen, den Vater (auch wenn der nicht mehr da ist) und den Erziehungsberechtigten (oft die Mutter; manchmal Schwester oder Tante). Da ich nicht Nepali schreiben kann, habe ich für alle gängigen Namen eine Vorlage in WORD, wo ich den englischen Namen suche und den darunter stehenden Namen auf Nepali kopieren kann. Oft stelle ich einen Ausweis ganz fertig; wenn ich einen Namen nicht in der Vorlage finde, muss der Lehrer ihn am nächsten Tag schreiben.
Drei Ausweise passen genau auf ein 10x15-Foto, das ich nebenan bestelle und meist noch am gleichen Tag bekomme. Nun kommt die Arbeit unseres Lehrers: Zuschneiden; auf die Rückseite einen Stempel für die Gültigkeitsdauer. Dieser muss einen Tag trocknen. Datum eintragen, zweimal unterschreiben, mit Hülle versehen und zukleben. - Meist wollen die Kinder mir die Ausweise aus der Hand reißen bevor ich noch das Datum notiert habe.

25.3.2010: Die Zeit vergeht so schnell...! - Ich bereite schon wieder die Abreise vor.
Heute machte ich zum letzten Mal für neue, aber regelmäßige Besucher neue Blätter in der Datenbank, nach denen sie bis Sonntag noch ihren Ausweis bekommen.
In den nächsten Tagen kann ich noch einzelne Besucher erfassen; aber um einen Ausweis ausstellen zu lassen, ist es zu spät. (Was alles nötig ist, bis ein Ausweis ausgegeben wird, beschreibe ich für Interessierte in nebenstehender Box.)
Am Montag ist für die Kinder der letzte Tag; am Dienstag werde ich Aufräumen, Putzen und Packen. (Ein paar Kinder werden mir helfen - und viele, viele werden kurz kommen, um ein letztes Mal ein Mittagessen zu bekommen.)
Mittwoch-Donnerstag fliege ich nach Deutschland - und erst danach werde ich wieder Zugang zum Internet haben und Euch weitere Informationen liefern.

21.3.2010: Heute schreibe ich nicht über die Kinder, sondern eher für Nepalkenner:
Gestern verstarb der frühere viermalige Premierminister Girija Prasad Koirala. Anfang der 1990er Jahre nach der Abschaffung des Panchayat-Systems war er ein Kommunistenhasser und mit vielen Affären und Skandalen eher ein Hindernis bei der Einführung der richtigen Demokratie. Doch später wandelte er sich und ist überwiegend verantwortlich für die Rückführung der Maoisten ins Parteiensystem und das Ende des Bürgerkrieges.
Die derzeitige Übergangsregierung soll bis Ende Mai eine neue Verfassung entworfen haben; aber alle sind furchtbar zerstritten. Da Koirala auch mit seinen 84 Jahren noch ein sehr aktiver Vermittler war, kommt jetzt Angst auf, dass der Friedensprozess und die endgültige Schaffung einer Bundesrepublik wieder ins Stocken gerät.

Zeichnung eines Kindes.

19.3.2010: Normalerweise können die Kinder sehr schön aus Büchern abzeichnen; die Relationen bleiben erhalten. Wenn ich sie aber mitten ins Zimmer setze und sage "Zeichne diese Stühle" oder im Hof "Zeichne das Haus dort", sind sie überfordert.
Einer unserer Schüler brachte einen Freund mit und der Zwölfjährige überraschte mich nach nur drei Tagen mit nebenstehender Zeichnung. Besonders beeindruckte mich, dass er sie nicht in einer Ecke des Zimmers sitzend machte, sondern zu Hause; voll aus dem Gedächtnis. Und er erinnerte sich an SO viele Details - die alle stimmen!: An der Wand das Bild; am Fenster die Gitarren; auf meinem Schreibtisch das Kugelspiel, Federball und Schläger, Kamera und UNO-Kartenspiel, Medikamente und Handcreme, Aschenbecher und dampfender Kaffee; und neben mir stehend sein Freund mit dem Namen auf dem Hemd. ("Yogon" ist die Lautschrift meines Namens; und mein Laptop ist kein Sony; ansonsten stimmt wirklich alles!)

Ein Teil der möglichen neuen Schüler/innen im Unterrichtszimmer.

18.3.2010: Seit Wochen kümmert sich unser Lehrer an zwei Schulen um mögliche neue Schüler. Er bat die Lehrer der Klassen vier bis sieben um Listen von Schülerinnen und Schülern, die Schwierigkeiten haben, die Gebühren zu zahlen, oder die in verschlissener Kleidung kommen. Anfangs standen allein bei der einen Schule etwa 40 auf der Liste. Dann sortierte der Lehrer aus, traf einen Teil der Kinder für weitere Informationen. Wieder strich er einige, besprach die Verbleibenden mit mir. Noch einmal kürzten wir die Liste. Schließlich waren siebzehn übrig, die wir am Dienstag zu Interviews einluden. Ab 16 Uhr saßen sie alle im Unterrichtszimmer (siehe Foto) und ich rief sie einzeln ins Schlafzimmer (der einzige ruhige Ort in der Wohnung) und befragte sie zur Arbeit der Eltern, Anzahl der Geschwister und vielem mehr. Am Mittwoch verglich ich meine Notizen mit denen des Lehrers; wir fahndeten nach Fehlern und Differenzen. Bei zehn Kindern konnten wir endgültig beschließen, dass wir ab dem neuen Schuljahr (April) für sie zahlen. Bei den anderen Sieben sind noch Fragen zu klären.
Gestern Abend und heute früh legte ich für jedes dieser zehn Kinder ein Datenblatt an sowie Felder in den Tabellen für Ausweise und Zeugnisnoten.
Heute nach den Prüfungen kamen sie alle wieder; wir stellten restliche Fragen und ich machte je zwei Passbilder fürs Datenblatt, von denen ich dann auch die Ausweise erstellen werde.
Zwei weitere Schüler nahmen wir auf; eine lehnten wir endgültig ab; drei sind für diesmal abgelehnt, können aber kommen, wenn sie mal finanzielle Proble haben; bei einer sind immer noch Fragen offen.
Für die Kinder der anderen Schule wird sich das Ganze in den nächsten Tagen wiederholen. (Und letztes Jahr machten wir das Gleiche an zwei anderen Schulen.)

Zertifikat der Prabhat-Schule

14.3.2010: Gestern hatte eine der Schulen, an denen wir recht viele Schülerinnen und Schüler unterstützen, eine Feier zu ihrem 60-jährigen Bestehen. Unser Verein war dazu eingeladen und neben etwa 12 Individuen, die einzelne Kinder unterstützen, bekamen auch wir nebenstehende Urkunde des Dankes, unterschrieben vom Direktor der Schule, dem Chef der Bildungsbehörde und dem obersten Verwaltungsdirektor Kathmandus.

13.3.2010: Viel zu schnell nähert sich die Zeit meiner Abreise! Nur noch gut zwei Wochen...
An vielen Schulen haben am Mittwoch die Versetzungsprüfungen begonnen; an viele anderen beginnen sie morgen. Aber die meisten Kinder werden ihre Noten erst nach meiner Abreise erfahren - und ich erfahre sie dann von unserem Lehrer per Mail.
Seit gestern haben wir ein neues Programm für die Strom-Abschaltungen: Wir sind jetzt 12 von 24 Stunden ohne Licht. Aber zugleich wurde das Programm so geändert, dass es tagsüber mehr Strom gibt als bisher; nachts dafür weniger. Gut für die Geschäfte, die tagsüber Strom brauchen; schlecht für Leute, die abends zu Hause lernen oder arbeiten müssen.
Mit meinem Freund und Helfer in Indonesien telefonierte ich dieser Tage und er teilt mir mit, dass es außer häufigen Stromausfällen keine Probleme gebe; alle Kinder lernen gut.

Drei Zehntklässler spielen Gitarre.
Drei Zehntklässler, die schon
Gitarre spielen können.

6.3.2010: So groß das Interesse der Kinder an den Gitarren anfänglich war, so wenig Konkretes ergibt sich bisher: Erst einer hat sich verbindlich angemeldet. Das Image des Gitarre-Spielens scheint bei den Eltern nicht sehr hoch zu sein; sie verbieten es den Kindern. (Vermutlich setzen sie es gleich mit Rockbands, langen Haaren und Ohrringen...)
Heute Nachmittag kommt ein Computerlehrer, um unsere Ausrüstung zu besichtigen und die Interessen der Besucher zu erfragen. - Mal schauen, ob daran das Interesse dann größer ist...?
Im Übrigen verbringe ich recht viel Zeit in Diskussionen mit den Mitgliedern unseres Vereins, um die Aktivitäten im Tageszimmer auch während meiner Abwesenheit nach Nepalischen Vorschriften legal zu machen.

1.3.2010: Gestern und heute überprüfte ich meine Kinder-Datenbank; ich hatte doch tatsächlich bei einigen die aktuellen Einträge vergessen: Von den momentan 751 dort erfassten Kindern, Jugendlichen und Ex-Kindern sind ja viele ausgeschieden; weil sie verschwanden, zurück aufs Dorf gingen, längst verheiratet oder zu alt geworden sind. Vom "Rest" habe ich im Moment über 260 Kinder und Jugendliche aktuelle Informationen; sei es, dass sie täglich kommen oder mich gelegentlich besuchten; sei es, dass ich Informationen von Eltern oder Geschwistern bekam. (Wenn ich die hinzurechne, die bei unserem Lehrer die Schule abrechnen, aber in den letzten sechs Wochen nicht kamen, ist die Zahl der Kinder, über die ich aktuelle Informationen habe, noch wesentlich höher.)

27.2.2010: Viel zu schnell verging diese Woche; dass ich volle sieben Tage nicht ans Internet ging, wurde mir gar nicht recht bewusst.
Der Gitarrenlehrer kam einen Nachmittag zu besuch und die Kinder sind ganz begeistert von ihm. Ich besuchte ihn weitere zwei Mal in seinem Laden und habe inzwischen drei Gitarren gekauft. (Eine Neue kostet hier etwa 27,- Euro; Gebrauchte gibt es schon ab 15,-.)
Mit einem möglichen Computerlehrer habe ich gesprochen; der will unsere Kinder sogar als Volontär und kostenlos unterrichten.
Eine Bekannte mit Familie und Freunden kam zu Besuch und brachte aus Deutschland weitere Kinderkleidung mit.
Morgen ist Holi, das Fest des Wasser- und Farbewerfens. Aber schon seit Tagen müssen wir sehr aufpassen, dass die Kinder in der Umgebung meiner Wohnung keinen Schabernack treiben.

20.2.2010: Die Woche verlief normal - mit bis zu 133 Mittagessen an einem Tag!
Ich verbringe meine freie Zeit überwiegend mit Planungen für die Zukunft: Schon lange möchte ich das Tageszimmer auch während meiner Abwesenheit als "kleines Jugendzentrum" geöffnet halten. Nun habe ich die Mitglieder des Vereins endlich so weit, dass sie wenigstens für ein Teil-Programm die Verantwortung übernehmen wollen: Zunächst werden wir Gitarrenunterricht anbieten; für die Zeiten mit mehr Regen und also mehr Strom planen wir auch Computerunterricht. Eigentlich möchte ich nach der Schule und an freien Tagen auch die Möglichkeit geben, Spiele und Bibliothek zu benützen; aber dagegen sperren sich im Moment noch die Mitglieder - und der Hausbesitzer, für den es natürlich immer sehr angenehm war, dass die Wohnung bei voll bezahlter Miete für sieben Monate im Jahr leer und völlig ruhig ist.
Der Gitarrenlehrer, den ich kennenlernte, macht einen sehr guten Eindruck: Nach zwei Besuchen unterhalten wir uns wie alte Freunde; am gestrigen Feiertag begleiteten mich drei der Kinder zu ihm und waren völlig begeistert; heute Nachmittag wird er zu uns kommen und schauen, was er für "Kunden" bekommt und wird den Kindern vorspielen und Fragen beantworten.

13.2.2010: Die dauernden Stromabschaltungen machen das Leben nicht leichter: Das einzige Internetcafé, das mir erlaubt, mein Notebook anzuschließen (und nur so kann ich zurzeit meine Homepage aktualisieren), hat nur zweimal pro Woche vormittags Strom - in meiner freien Zeit zwischen Kinder-Frühstück und dem Öffnen des Tageszimmers. So schreibe ich zwar immer mal zwischendurch etwas, kann die neuen Seiten aber nur Samstag oder Sonntag abschicken.

Die Verpackung des Spieles.

Ein Junge mit dem Kugelspiel.
Durch rechtslinks-Wippen muss man die Kugel
auf der schrägen Fläche nach oben befördern.
Die Schwierigkeit (Steilheit) ist einstellbar.

11.2.2010: Im Januar entdeckte ich auf einem Schrank zu Hause ein Spiel, das schon ich als Kind gespielt hatte:
Ich nahm es mit nach Nepal und dachte, ich lege es zu den anderen Spielen in die Bibliothek. Doch es stach vom ersten Tag an alle anderen Spiele aus; nur selten liegt es mehr als wenige Minuten auf meinem Schreibtisch; dann ist es schon wieder in Betrieb.
Vorgestern hatte ich großes Glück: Nach dem Regen gab es einen Kurzschluss mit Überspannung; alle eingeschalteten Neonröhren des Stadtteils brannten durch und Dutzende von Familien haben kein Fernsehgerät mehr. Zu anderer Tageszeit wären wohl auch bei mir bis zu sieben Computer durchgebrannt; ich aber hatte alles abgeschaltet, da ich mit den Kindern beim Abendessen war.

9.2.2010: Nepal macht mal wieder Chaos: Montag beginnend war ein dreitägiger Streik der Lehrer aller staatlichen Schulen angesagt. Aber keiner weiß, welche Lehrer sich beteiligen. So müssen die Kinder jeden Morgen in Uniform zur Schule gehen und erfahren erst dort, ob Unterricht stattfindet oder schulfrei ist. Manche Schulen sind wohl drei Tage geschlossen, andere haben durchgehend Unterricht; manche waren den ersten Tag geschlossen und haben ab heute wieder reguläres Programm, andere hatten einen halben Tag Unterricht und bleiben 2 Tage geschlossen...

5.2.2010: Der ausgebrannte Kamal hat Glück im Unglück; seine Familie scheint sehr beliebt zu sein: Von Freunden und Nachbarn bekam er einen Anorak, jemand kaufte eine Hose, jemand anders einen Pullover. Auch die Mutter scheint Spenden und Unterstützung zu bekommen. Der sonst selten anwesende, glücksspielende und trinkende Vater hat Sonderurlaub genommen, ist anwesend und kümmert sich. Ein anderes Zimmer fanden sie gleich am nächsten Tag und seit heute gehen beide Kinder wieder zur Schule.
Nachdem wir im Herbst teilweise nur ca. 70 Mittagessen hatten, habe ich nach jahrelangem "blocken" wieder erlaubt, dass sie neue Kinder, Freunde und Verwandte, mitbringen. Nun haben wir so viele Neue, dass ich teilweise Schwierigkeiten habe, mir alle Namen zu merken. Und da wir zurzeit täglich zwischen 115 und 125 Mittagessen ausgeben, habe ich mal wieder allen Kindern sagen müssen, dass sie mir keine neuen Besucher mehr vorstellen sollen.

2.2.2010: Heute war ein aufregender Tag: Gegen 12 Uhr sahen wir nordöstlich meiner Wohnung Rauch; da brenne wohl ein Haus. Später erfuhren wir, dass das Zimmer zweier unserer Kinder total ausbrannte. Glück im Unglück: Der Vater arbeitet auswärts, die Mutter verkaufte Orangen, der Sohn war in der Schule und die Tochter verschlief krank bei einer Freundin den Tag; es wurde niemand verletzt. Aber sie haben alles verloren! Der Sohn besitzt noch die Schuluniform, die er anhatte und die Bücher; Mutter und Tochter nur noch die Kleidung, die sie anhatten. Von Geld und Schmuck bis zu Kleidung, Matratzen und Küchenutensilien ist alles verbrannt oder eingeschmolzen.
Für den Sohn wollte ich schon seit Dezember die Schule zahlen; heute versorgte ich ihn aus der mitgebrachten deutschen gespendeten Kleidung. Der Tochter werden wir morgen als Nothilfe eine komplette Garnitur kaufen oder geben: Uniform, Schuhe, Ranzen, Bücher und Schreibwaren.
Wie es zu dem Unfall kam und wie es weiterhgehen wird, weiß ich noch nicht.

30.1.2010: Es läuft sehr gut! Gestern hatten wir 122 Mittagessen! 120 Kinder aus der Datei und etwa 30 Neuere und ganz Neue sind bisher gekommen. Heute ist an vielen Schulen der letzte Ferientag und nun werden noch mehr Kinder aus ihren Dörfern zurückkehren.
Auch ohne Strom lässt sich vieles machen: Gestern waren sechs Kinder beim Friseur, acht Kinder unter der Dusche und sieben bekamen eine Tetanusimpfung...

Viel Betrieb im Spielzimmer.
So viel Betrieb (oder noch mehr) ist an einem
Ferien-Nachmittag ohne Strom.

28.1.2010: Seit gestern haben wir einen neuen Fahrplan für die Stromabschaltungen: Jeden Tag elf Stunden! Zu wechselnden Zeiten; mal zwischen 03 und 18 Uhr; an einem anderen Tag zwischen 10 und 23 Uhr. Wenn am Wochenende die Ferien zu Ende gehen, können die Schüler, die erst um 16 Uhr aus den Schulen kommen, nur an drei Tagen pro Woche für ein bis zwei Stunden die Computer benutzen.
Große Fabriken haben wohl große Generatoren. Aber wie die kleinen Geschäfte (Copy-Corner oder Internetcafe) überleben sollen, weiß keiner.

25.1.2010: Nach der schönen Zeit in Deutschland waren die letzten Tage dann doch noch recht hektisch: Erst Montag Nachmittag bekam ich die Kontoauszüge der Stiftung - und hatte doch versprochen, die Spendenbescheinigungen noch im Januar zu verschicken. So musste ich die Listen sortieren, die Adressen zuordnen, die Bescheinigungen ausdrucken, die Beträge einsetzen... / Meine Muter half mir sehr, indem sie alles faltete und in die Umschläge steckte. Mittwoch Nachmittag konnte ich die Sachen zur Post bringen.
Als ich Freitag Abend hier ankam, warteten zwei Kinder auf mich; drei kamen früh am nächsten Morgen; drei weitere kamen am Vormittag "nur schnell Guten Tag sagen". Bis zum Abend waren 62 Kinder gekommen, waren fünf beim Friseur gewesen, hatten zwölf geduscht. Für den ersten Tag ein "schöner Erfolg" - auch wenn es "so wenige" waren, weil Ferien sind und viele in ihre Heimatdörfer fuhren.
Bis zum Abend des zweiten Tages habe ich 86 der Kinder aus der Datei getroffen; dazu zehn vom Herbst, die noch nicht erfasst sind und drei ganz Neue.
Wasser ist knapp und Strom gibt es nur 15 von 24 Stunden; ansonsten geht es uns sehr gut.
(Und nun weiß ich noch nicht, wann das Internetcafe Strom hat und ob ich dies nachher werde abschicken können.)

19.1.2010: Jetzt geht es bald wieder los: Am Donnerstag werde ich wieder nach Nepal fliegen. Ich übernachte in Bahrain und werde erst Freitagabend in Kathmandu ankommen. Am Samstag ist dort schulfrei und ich erwarte gleich für den ersten Tag recht viele Besucher.
Ab Montag oder Dienstag werde ich hier wieder regelmäßig berichten

23.12.2009: In einem neuen Video zeige ich in ganz kurzen Szenen die verschiedenen Aktivitäten in unserem Spielzimmer.
 


Links auf fremde Internetseiten sind lediglich Hinweise auf deren Existenz. Ich übernehme keinerlei Verantwortung für deren Inhalt.
Das Layout ist abgestimmt auf den Internet Explorer mit einer Auflösung von mindestens 1024 x 768.
© Copyright Jürgen Dahm 2010 all rights reserved.     Homepage     Mail     Letzte Aktualisierung: (Siehe Datum am Beginn dieser Seite.)