Die Informationen hier können nicht vollständig sein. Sie gehen davon aus, daß Ihr die Vorgeschichte kennt.
Bitte lest den Jahresbericht vom September 2001 und die genaueren Berichte, auf die dort hingewiesen wird.


Aktuelles / Neueste Meldungen

Nepal (und Deutschland),
September bis Dezember 2001

(Von unten nach oben zu lesen!)
 

19.2.2002: Seit gestern Abend bin ich wieder in Nepal. Nach einer schönen (wenn auch kurzen) Nacht in Abu Dhabi (im 4-Sterne-Hotel auf Kosten der Fluggesellschaft) kam ich kurz vor 17 Uhr in Kathmandu an und war nach 18 Uhr bereits in meinem Zimmer.
Nun stehen mir wieder 10 interessante Wochen bevor und Ihr dürft mit mir gespannt sein, was ich hier alles berichten werde. - Gebt mir aber bitte ein paar Tage Zeit, bis ich alles ausgepackt und eingerichtet habe und Euch dann schon erste Neuigkeiten schreiben kann.

1.1.2002: Ich wünsche Euch allen für das neue Jahr
Alles Gute!!!
Nach langer Zeit bekam ich mal wieder eine Mail aus Indonesien: Gute und "gute?" Nachrichten:
- Emis ist von ihrer Arbeit auf Sulawesi zurückgekehrt, ist gesund und will wieder zur Schule gehen.
- Mardin hat seine Ausbildung an der Tourismus-Akademie abgeschlossen und hat bereits Arbeit gefunden.
- - und dann schreibt Mardin: "... noch eine gute Nachricht ... Jürgen ist schon wieder Großvater geworden ...". - Amir hat ein weiteres Kind; es ist ein Junge und er heißt Gilang Ramadhan - und ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll, daß dieser gehbehinderte arbeitslose junge Mann zweieinhalb Jahre nach dem ersten schon wieder ein Kind in die Welt setzte... - ?

20.12.2001: Ich werde bis Mitte Februar in Deutschland bleiben (und das gute Essen und die Back-Künste meiner Mutter geniessen!) Über diese Zeit, die ich überwiegend am Computer verbringen werde, schreibe ich hier natürlich keine wöchentlichen Berichte.
Wenn ich Mails aus Nepal oder Indonesien erhalte, werde ich wichtige Neuigkeiten natürlich hier veröffentlichen. Ansonsten bitte ich Euch, ab ca. 20. Februar wieder regelmässiger hier reinzuschauen.
Bis dahin wünsche ich Euch allen

Frohe und friedliche Weihnachten,
schöne Feiertage (oder Ferien?),
eine Guten Rutsch!!!
und ALLES Gute für das kommende Jahr!

19.12.2001: Seit gestern Abend bin ich wieder zu Hause. Da ich zwischen den Flügen eine ganze Nacht im Transit-Restaurant des Flughafens von Delhi sass, war ich ganz schön kaputt - aber jetzt geht es mir schon wieder richtig gut.
Soll ich eine - kleine, ganz unvollständige - Zusammenfassung der 76 Tage Nepal versuchen?:
>>> Viele deutsche Freunde besuchten mich! Reiseleiter-Kollegen, Gäste aus früheren Gruppen, private Freunde. Ich habe mich über jeden Besuch sehr gefreut!
>>> Eine erste flüchtige Durchsicht meiner Kontoauszüge läßt mich jubeln! - Ihr alle habt wieder toll zur Fortführung meiner / unserer / EURER Arbeit für die Kinder beigetragen!!!
>>> Die zwei großen Operationen, die ich so fest eingeplant hatte, konnte ich nicht durchführen lassen. Beide Kinder gingen über die vielen Feiertage zu ihren Familien in die Heimatdörfer und kamen zu spät zurück. - Aber die Operationen sind nur verschoben; ich habe bereits jetzt beim plastischen Chirurgen Operationstermine für Ende Februar vormerken lassen. (Und zwei weitere Operationen, eine plastische und eine orthopädische, sind schon so gut wie sicher.)
>>> "Eigenlob stinkt"??? Ich erzähle trotzdem, worüber ich mich soo sehr gefreut habe:
- Ein Nepali, der zur Zeit in Deutschland studiert, besuchte mich während seines Heimaturlaubes in meinem Zimmer in Kathmandu - und erzählte einer zufällig anwesenden Reporterin "Der ist eigentlich eher ein Nepali; er wurde nur zufällig oder irrtümlich in Deutschland geboren..."
- Von 40 Kindern, denen ich zwischen Oktober 2000 und März 2001 die ersten beiden Spritzen zur Tetanus-Immunisierung geben ließ, traf ich alle 40 wieder. Einer weigerte sich, weil er solche Angst vor dem Impfen hat; drei Brüder mußten kurzfristig wegen ihres schwer erkrankten Vaters in ihr Heimatdorf reisen. 36 Kindern konnte ich die dritte Spritze geben lassen und sie sind nun für 10 Jahre gegen Tetanus geschützt. (So viel zu Thema Kontinuität meiner Arbeit...)

13.12.2001: Eigentlich hätte ich heute zu Hause ankommen sollen...
Die vorletzte Nacht hatte ich fast nicht geschlafen, um die vielen Sachen zu verpacken und das Zimmer wieder einmal für ein paar Wochen leer zu machen. (Es ist zwar "mein" Zimmer, in dem ich immer wieder wohne; aber es ist ein Zimmer einer Pension, für das ich jeden Tag bezahle und das während meiner Abwesenheit auch an andere vermietet wird.)
Gestern saß ich beim Frühstück - glücklicherweise nicht im üblichen Restaurant mit den Kindern, sondern im Hotel, wo die Besitzerin mich zu einem Abschiedsessen eingeladen hatte. Da ging das Telefon - und man teilte mir mit, daß mein Flug heute Abend nach Delhi leider storniert worden sei. - Sch...
Erst im Laufe des Vormittags im Büro der Fluggesellschaft fand ich die ganze Tragweite dieser Information heraus: Die Verbindungen Kathmandu - Delhi - Kuwait - Frankfurt gibt es nämlich bei weitem nicht jeden Tag; erst am 17.12., also mit 5 Tagen Verspätung, kann ich fliegen.
Erst am Dienstag Abend werde ich zu Hause ankommen.

5.12.2001: Jede Menge gute Nachrichten!!!:
>>> Eine Gruppe von Strassenkindern hat sich (auch wegen der zur Zeit so scharfen nächtlichen Kontrollen) vor etwa zwei Wochen ein Zimmer gemietet. Seitdem hatte ich keinen einzigen von ihnen mehr gesehen - und hatte Angst, daß sie dort völlig in Drogen und Leim-Schnüffeln versacken.
Vorgestern traf ich endlich ein Kind, das wußte, wo dieses Zimmer ist; und gestern ging ich sie besuchen: Ein kleines, dunkles, billiges Zimmer, das kaum so groß ist, dass alle nebeneinander schlafen können. - Aber sie haben eine Petroleumlampe, einen Kocher (und servierten mir einen Tee!), sauberes Verbandmaterial - und ich roch keinen Leim und sah in der Umgebung keine weggeworfenen Tuben. Sie berichteten mir ganz stolz, daß sie das aufgegeben hätten - "weil man dabei alles vergisst und sich an nichts mehr erinnern kann". (Und jeder, der rückfällig werde, bekomme von allen anderen Prügel...)
>>> Die Pfadfinder von Viersen in Nordrhein-Westfalen haben beschlossen, daß die Hälfte des Erlöses ihrer diesjährigen Weihnachts-Aktionen unseren Kindern in Nepal zugute kommen soll. Wenn Ihr Lust habt, schaut doch mal auf deren Homepage, klickt auf "Lager" und schaut dort, was sie (bzw. einer ihrer Leiter, der schon mehrmals in Kathmandu war) über uns erzählen.

2.12.2001: Sorry! - Ich kam nicht zum Schreiben...
Neben allem anderen war ich auf einer Hochzeit eingeladen - drei Tage! Es sind gute Freunde und so war ich nicht nur Gast auf der Party, sondern konnte an allen Zeremonien im Haus und am Tempel teilnehmen.
- Neulich habe ich mal wieder "eine Lektion gelernt", die ich Euch gerne erzählen will:
Man fragt sich doch immer wieder, warum diese Kinder auf der Straße leben... Meist sind es "Sozialwaisen" mit saufenden Vätern oder prügelnden Stiefvätern. Aber manchmal ist die Erklärung auch weniger einfach: Da hat ein Junge eine freundliche Mutter, einen gut gekleideten Vater, der als Kellner in einem Hotelrestaurant arbeitet - und geht nicht zur Schule und nur selten nach Hause.
Jetzt weiß ich vielleicht, warum: (?)
Der Dreizehnjährige hatte mehrere Gläser billigen Schnaps in sich hineingeschüttet, kam völlig betrunken zum Abendessen und war einer Ohnmacht nahe. Wir versuchten vergeblich, ihn zum Erbrechen zu bringen, gaben ihm zu trinken, hielten ihn fest, bis er nach viel Radau endlich schlief.
Nachdem die Kinder und auch ich gegessen hatten, holte ich den Vater. - Und der schaute seinen auf einer Matte auf dem Boden liegenden Sohn an wie einen Fremden, den er amüsiert beobachtete.
Wir versuchten, den Jungen zu wecken; aber er konnte nicht einmal gestützt stehen. Gäste griffen zu und wollten ihn auf den Rücken seines Vaters heben; doch dieser weigerte sich.
Ich mußte leider dringend weg und erfuhr die Fortsetzung erst am nächsten Morgen: Der Vater wollte seinen Sohn im Restaurant liegen lassen bis er am nächsten Morgen nüchtern sei. - Am Ende trugen der Restaurantbesitzer und ein Freund den Sohn, während der Vater vor ihnen herging und ihnen den Weg zu seiner Wohnung zeigte.

22.11.2001: Seit gestern gehen alle Kinder wieder zur Schule.
Über die beiden großen religiösen Feste Dasain und Tihar hatten manche Schulen zwei kurze Ferien und dazwischen Unterricht; andere aber auch einen ganzen Monat am Stück geschlossen. Nun kommen die Schüler/innen also erst wieder am späten Nachmittag zu mir; ab 13 Uhr kommen nur noch die Straßenkinder und die ganz Kleinen, die noch nicht zur Schule gehen.
Jede Menge Ärger und viel Kopfzerbrechen zur Zeit mit Streit und Kämpfen zwischen einzelnen Kindern oder verschiedenen Gruppen. Und grosse Sorgen wegen des immer weiter um sich greifenden Problems des Leim-Schnüffelns. Das Zeug ist so billig und macht so "glücklich", dass ich die Kinder nicht davon abhalten kann. Selbst die fest bei mir wohnenden, von denen einige unbedingt aufhören wollen, kommen doch alle paar Tage wieder einmal "bekifft" zurück. - Es kostet mich wirklich Nerven ...

13.11.2001: Die Zeit fliegt...; ich habe so viel zu Schreiben, alle Kinder-Dateien aktualisieren, alle Abrechnungen zu überprüfen...
Heute war ich wegen eines unserer Kinder bei einem pensionierten, ehemals sehr hochrangigen Arzt. Der Junge ist seit Jahren immer wieder krank; und der Arzt hatte sich die Zeit genommen, übers Wochenende ganze Tüten voller Laborberichte und Röntgenbilder durchzuarbeiten - und nahm sich heute fast zwei Stunden Zeit, mir vieles zu erklären: Herzbeutelentzündung; und viel zu viele weiße Blutkörperchen. In Europa würde das operiert; in Indien wäre das für 10.000 Mark aufwärts auch möglich, aber mit höherem Risiko verbunden; in Nepal werde die Operation zwar auch gemacht, aber die Erfolgs-Chancen seien nur etwa 40%.
Medikamentöse Behandlung sei möglich; und er erklärte mir genau, wie wir weiter vorgehen sollen.
Zum Ausgleich auch eine erfreuliche Nachricht: Zwei der permanent bei mir wohnenden Straßenkinder haben sich fest vorgenommen, von der in Nepal noch recht neuen Droge Leim-Schnüffeln loszukommen, von der bereits sehr viele Strassen- und Müllsammler-Kinder abhängig sind. Die beiden sind seit über einer Woche "sauber" und wir sind sehr stolz!

7.11.2001: Es gibt nicht nur Erfolgsmeldungen...
Ein 15jähriger, dem wir zusammen mit seinen jüngeren Geschwistern seit ein paar Jahren die Schule bezahlen, hat leider aufgegeben. Die Eltern hatten ihn als Kind nicht eingeschult und er war jetzt erst in der 5. Klasse. Vorgestern erfuhr ich, daß er plante, mit Vater und Onkel nach Indien zu fahren, um dort zu arbeiten. Ich versuchte sie zu überreden, daß er wenigstens die 5. Klasse abschließt, nach der es hier eine zentrale Prüfung und ein Zertifikat gibt. - Das wäre wenigstens ein kleiner Abschluß.
Trotzdem ist er gestern gefahren.

5.11.2001: Die Zeit fliegt, es gibt so viel zu tun. - Aber wenig "Spektakuläres", über das ich hier schreiben müßte...
- Mehrere Kinder schlossen ihre Ferien damit ab, daß sie sich Ihre Ersparnisse auszahlen liessen und einen Ausflug nach Sundarijal machten in schöne Landschaft mit einem eisig kalten See.
- Mehrere Deutsche kamen mich besuchen, brachten am Ende ihrer Gruppenreise Kleidung, Medikamente, Buntstifte, Kämme und andere nützliche Sachen - und ließen auch gleich noch eine gute Geldspende für die Kinder da. - Danke!
- Letzte Woche wurden einige Straßenkinder verhaftet - weil sie so rumsassen; und "weil das ja doch alles Diebe sind". Sie verbrachten den ganzen Tag auf der Polizeistation. Als ich am späten Nachmittag davon erfuhr und hinging, um sie zu befreien, waren sie gerade entlassen worden.
- Am Samstag war ich bei einem unserer Jugendlichen zu einer großen glücksbringenden Zeremonie seiner Familie eingeladen.
- Gestern bekam ich den Schrank, den ich mir anfertigen liess. Nun kann ich endlich Foto- und Computerausrüstung, Röntgenbilder und Medikamente gut sortiert unter Verschluss halten.
Medizinisch gab es wieder viel zu tun; kein Tag, an dem ich nicht zum Hausarzt oder ins Krankenhaus ging:
- Der Gips vom Arm ist seit gestern ab. Der Junge muß noch Gymnastik machen, aber es geht ihm gut.
- Ein zweijähriger Junge fiel vom Bett und brach sich das Schlüsselbein.
- Ein zehnjäriges Mädchen wickelte sich beim Spielen den Arm um die Achse einer fahrenden Riksha. Dreifach gebrochen.
- Dem Jungen mit der tiefen Verletzung an der Wade geht es viel besser. Seit 31.10. kann er das Bein soweit strecken, daß er humpelnd gehen kann und wir ihn nicht mehr tragen müssen. Ich nahm ihn mal wieder mit zum Arzt für eine Kontrolle, dort wurde einige tote Haut weggeschnitten. Das tiefe Loch ist zu und die Wunde beginnt langsam, vom Rand her neue Haut zu bilden.
- Die beiden Jungen mit den Verbrennungen sind "verschwunden"; der eine ist zu Verwandten aufs Dorf gefahren und wird erst in etwa zwei Wochen zurückkommen; der andere hat sich seit drei Wochen nicht gemeldet, woraus ich nur schließen kann, daß er immer noch unter den Kreislaufproblemen nach der Tollwut leidet. - Eventuell muß ich beide Operationen aufs Frühjahr verschieben.
- Vorgestern bekam ich endlich den schon lange bestellten Karton voller Wurm-Medizin. Inzwischen haben schon gut 50 Kinder ihre Dosis bekommen.

29.10.2001: Das Dasain-Fest nähert sich dem Ende. Eine Woche lang waren alle Büros, Banken, die Polyklinik und die meisten Geschäfte und Restaurants geschlossen für dieses wichtigste religiöse Fest der Nepali.
Für mich bedeutete das eingeschränkte Aktivitäten, seltene Besuche beim Hausarzt, und Krankenhausbesuche nur in der Notaufnahme. Ab morgen werde ich mich nun also um die Planung der Operationen kümmern, Schulen besuchen, mein Visum verlängern lassen, ...
Ich habe die Woche - von Einladungen zu Freunden für Festessen und Tika-Segen abgesehen - überwiegend im Hotel verbracht und einige dieser Seiten endlich ins Englische übersetzt.
Unseren Patienten geht es "relativ gut": Das Loch von dem Abszess im Bein ist zugeheilt; der Gipsarm ist ziemlich weich und verschlissen, aber der Arm schmerzfrei und hoffentlich in Ordnung. Die genähte Wade des auf den Zaun gestürzten Jungen wollte ich täglich neu verbinden - bis ich am zweiten Tag beim Verbandwechsel einen solchen Schreck bekam, daß ich gleich wieder mit ihm in die Notaufnahme fuhr: Die Haut am Rand der Wunde war schwarz, der Oberschenkel dick geschwollen. Ein Chirurg kümmerte sich sehr gut um uns, machte wieder eine örtliche Betäubung und entfernte drei der Nähte. Durch das Loch spülte er die Wunde tief aus, säuberte und tamponierte sie. - Und dann erklärte er mir, wie ich das gleiche täglich machen solle, da für Tage das Krankenhaus geschlossen sei und die Notaufnahme keine regulären Verbandwechsel mache. Puh! Ich habe schon viele Wunden gesäubert und Nähte gezogen; aber einen so tiefen Tampon hatte ich noch nie gelegt! Am nächsten Tag brauchte ich wirklich eine halbe Stunde "mentale Vorbereitung"; aber dann ging es gut, recht schmerzfrei, völlig steril. Und inzwischen ist das Bein nicht mehr geschwollen und die Wunde sieht ganz gut aus.
Ein Foto des Beines möchte ich nicht auf diese Seite stellen. Wenn Ihr es sehen möchtet, könnt Ihr hier klicken.

23.10.2001: Es gäbe so viel zu erzählen... - aber es ist immer so viel los, daß ich gar nicht zum Schreiben komme.
Am Samstag war ich endlich bei dem im Frühjahr operierten Jungen und seiner Pflegefamilie. Als ich seine Hand sah, war ich zunächst schockiert: Von drei Monaten Krankenhaus mit sechs Operationen hatte ich mir mehr erhofft.

Die verbrannte rechte Hand vor der Operation.
Vor den Operationen war die
Hand völlig unbeweglich.

Die rechte Hand am 20.10.2001 (nach den Operationen).
An der gestreckten Hand erkennt
man die dunklere Haut, die vom
Oberschenkel transplantiert wurde.

Doch nach den Schilderungen des Jungen und seines Pflegevaters war ich dann doch wieder etwas beruhigt: Sie waren ganz begeistert über den Erfolg und darüber, wie viel mehr er mit der Hand jetzt machen kann, da sie im Handgelenk beweglich ist; er sie strecken und beugen kann. (Und alle neckten ihn, weil er seit den Operationen ein begeisterter Murmelspieler sei - was er vorher gar nicht konnte.)

Gestern wollte ich endlich dies hier schreiben - da kam ein Anruf vom Krankenhaus, daß ich sofort kommen solle. Der Vater von drei unserer Schüler, der mit Nierenversagen im Krankenhaus liegt, sollte eine weitere Dialyse bekommen; das hatten wir seit Tagen geplant. Doch nun hatten die Ärzte eine andere Art von Dialyse vorgesehen, die 48 Stunden dauern soll und für die sie alleine 100 Flaschen Dialyse-Flüssigkeit brauchen. Für die einfache Dialyse hätte die Apotheke der Deutsch-nepalesischen Hilfsgemeinschaft die meisten Sachen zur Verfügung stellen können; aber nicht für diese. Und die Mutter war nach der ersten Dialyse ohnehin schon völlig pleite.
Es ist für mich immer eine nicht einfache Entscheidung, unser für Kinder gesammeltes Geld für Erwachsene auszugeben; meistens lehne ich ab. Aber da es hier wirklich um das Überleben des Vaters geht, denke ich, daß das ausgegebene Geld indirekt auch den Kindern sehr hilft.
(Mir graust noch vor der Möglichkeit, daß die Nieren nicht - wie im Moment erhofft - nach 2-3 Dialysen wieder funktionieren: Lebenslange Dialyse würde 1000 bis 2000 Mark pro Monat kosten; das kann sich diese Familie niemals leisten. Dann wird der Vater aus dem Krankenhaus entlassen werden, um zu Hause zu sterben.)

Während wir alles vorbereiteten und einkauften, kam ich zufällig durch die Notaufnahme - und war überrascht einige unserer Kinder und einen ganzen Schwarm Straßenkinder zu sehen. Die hatten zugleich schon zwei Kinder zu mir geschickt, um mich rufen zu lassen: Ein 12jähriger, den ich seit Jahren kenne, der aber nur selten zu uns kommt, war beim Spielen abgestürzt und mit dem Bein auf der Spitze eines Zaunes hängengeblieben. So eine tiefe klaffende Wunde hatte ich auch noch nie gesehen; die Sehnen und der Knochen lagen frei. Erst als sichergestellt war, daß er Bein und Zehen bewegen kann; und nachdem eine Röntgenaufnahme zeigte, daß der Knochen nicht beschädigt ist, waren die Ärzte bereit, ihn zu nähen.
Ich hatte längst ein paar Kinder mit den Gutscheinen ins Restaurant geschickt, damit die anderen ihr Abendessen bekommen. Ich selbst kam mit dem Verletzten und ein paar Kinder-Helfern erst nach 20 Uhr dort an.

13.10.2001: Was für ein Tag! Gestern früh wachte ich auf und kam nicht aus dem Bett, konnte mich kaum rühren. Hexenschuß?
Bis zum Abend wurde es immer schlimmer; aber heute früh tat es etwas weniger weh und so setzte ich mich zwei Stunden ins Computerbüro, um endlich die neu-gestalteten Homepage-Seiten abzuschicken.

Der Gipsarm nach 10 Tagen.
Nach 10 Tagen sieht der Gips schon
gar nicht mehr so "frisch" aus.

Zwei Stunden auf dem Holz-Schemel waren meinem Rücken auch nicht so gut bekommen und ich freute mich auf den Nachmittag im Hotel. Punkt 13 Uhr war ich in meinem Zimmer und erwartete die ersten Kinder. Die kamen - und trugen den kleinen Krishna, dem ein Jugendlicher als "Strafe" für nicht bezahlte Schulden mit einem scharfen Messer quer über den Fussrücken geschnitten hatte (!) Die ohnehin sehr schmutzigen Beine waren völlig mit Blut verschmiert; aber ich konnte leicht erkennen, daß die Wunde genäht werden mußte. So begann ich zunächst, ihn etwas zu säubern, um dann mit ihm ins Krankenhaus zu fahren. - Da kamen andere Kinder vom Fußballspielen; und einer von ihnen mit einem dick geschwollenen Ellbogen.
"Praktisch", oder? - So konnte ich mit einer Fahrt ins Krankenhaus gleich beide versorgen...!
Der Fuß bekam fünf Nähte, der Arm einen Gips für drei Wochen; beide Kinder einige Medikamente. Nach 16 Uhr war ich wieder zu Hause.

9.10.2001: Eines der Straßenkinder hatte die Drüse in der Leiste ohne erkennbaren Grund dick geschwollen. (Wenn so einer kommt, suche ich erst einmal das Bein nach vereiterten Wunden ab; aber er hatte nichts.) Auf Anraten des Hausarztes hatten wir es mit Antibiotika versucht, doch die hatten nach 4 Tagen nichts bewirkt. Heute früh war ich mit ihm im Krankenhaus und heute Nachmittag wurde die Stelle unter leichter Vollnarkose aufgeschnitten, gesäubert und tamponiert. - Es geht ihm gut und er ist fast schmerzfrei.

8.10.2001: Mein Gepäck wurde gefunden! - Man soll es nicht glauben: Der Rucksack kam einen Tag vor mir hier an. Sie stellten ihn in einen Lagerraum und trugen ihn in ein Buch ein. Und dann suchten sie von Frankfurt bis Kuwait - und merkten erst heute, daß er die ganze Zeit bei ihnen gestanden hatte!

7.10.2001: Heute war ich mit Anjana in der neuen Augenklinik: Das Auge, für dessen Operation wir sie im Frühjahr nach Indien geschickt hatten, ist jetzt viel besser und fast in Ordnung. Einige kleine Adern, die immer mal wieder ein bißchen bluten und zur Zeit noch mit Medikamenten kontrolliert werden, sollen am kommenden Sonntag mit einem Laser behandelt und endgültig verschlossen werden.

Über einzelne Kinder:
>>> Der Sherpa-Jugendliche, dem einige von Euch jahrelang das Internat zahlten, ist doch nicht "verschwunden". Er geht bereits seit dem Sommer wieder zur Schule. (Eine der Mails von Mukesh, in der diese und andere wichtige Nachrichten standen, hat mich nie erreicht.)
>>> Der Zwölfjährige mit den alten Verbrennungsnarben "vom Nabel bis zu den Knien" wurde im August von einem Affen gebissen, zu spät geimpft, erkrankte an Tollwut. Er wäre fast gestorben. - Auch jetzt ist er noch geschwächt; und bevor er nicht ganz gesund ist, können wir die Operationen nicht planen.

Mahesh hatte eine Tochter... - Trotz regelmässiger Vorsorgeuntersuchungen und obwohl angeblich fast alles in Ordnung war, mußte sie 6 Stunden nach der recht schwierigen Geburt in den Brutkasten und ist kurz darauf verstorben. Der genaue Grund ist nicht bekannt.

Zwei alte Reiseleiter-Kollegen/in und gute Freunde haben mich bereits besucht; - beide hatte ich lange nicht getroffen und freute mich sehr!

Für die bei mir übernachtenden Kinder habe ich statt der alten Schlafsäcke zwei Stücke Teppichboden und zwei warme Decken gekauft; jetzt habe ich Platz für maximal bis zu zehn übernachtende Kinder.

2.-5.10.2001: Obwohl ich vier Stunden verspätet ankam, warteten am Hotel immer noch zehn Kinder auf mich. - Und bis zum Abend hatten mich schon fast 30 besucht.
Sie scheinen sich wirklich riesig zu freuen und sich hier sehr wohl zu fühlen. Vom ersten Tag an hatte ich das Zimmer voll; am 3. Tag zahlte ich über 50 Mittagessen.
Am Abend des 5.10. ging ich durch meine Kinder-Datei, in der ich immer notierte, wer erstmals kam: Von den 203 Kindern (und erwachsenen Ex-Kindern) in der Datei sind 2 verstorben; ca. 10 leben in Heimen und können nicht zu mir kommen. Von den verbleibenden ca. 190 Kindern habe ich in den ersten 3 Tagen 72 Kinder persönlich getroffen. Wenn ich die dazurechne, deren Mütter oder Geschwister ich traf, sind es insgesamt 105 Kinder, über die ich bereits Informationen aus erster Hand habe !!! (An einem Tag haben wir in der Dusche fast zwei Stücke Seife verbraucht!)

30.9. - 2.10.2001: Seit Anfang September fliegt Nepal Airlines nicht mehr nach Europa. - Und bei denen hatte ich natürlich meine Reservierung gemacht. Nun sind alle anderen Fluggesellschaften völlig ausgebucht und ich flog später als geplant - und war von Frankfurt nach Kathmandu statt der üblichen 11 Stunden volle zwei Tage unterwegs! Nach einer Übernachtung in Kuwait und einer halben Nacht in Delhi im Transit kam ich Dienstag Nachmittag in Kathmandu an. - Ohne Rucksack!!! Der Rollstuhl, den ich verschenken werde, kam an; auch zweimal Handgepäck mit den teuren Geräten. Die meisten Sachen, die ich täglich brauche (vom Wecker bis zur Kleidung) habe ich eh in Kathmandu deponiert. Aber 30 kg incl. neuer Medikamente, Kinderkleidung, Bücher, Videokassetten usw., fehlen mir.
Das Ärgerlichste aber: All die teuren Geräte hatte ich im Handgepäck; aber alle Netzteile, Verbindungskabel, Anleitungshefte usw. sind in dem Rucksack. - Da nützt mir auch die schönste neue Videokamera nichts!

September 2001: Zu Hause ging mir mal wieder alles drüber und drunter. Vieles, was ich schon in Indonesien hatte schreiben oder vorbereiten wollen, hatte ich unerledigt mit nach Hause genommen. Neben aller "normalen" Arbeit kamen einige "technische Probleme" dazwischen:
- Erst jetzt merkte ich, daß die im Frühjahr gekaufte kleine Kamera nicht in Ordnung war; nach einigen Testfilmen und mehreren Besuchen beim Händler tauschte ich sie um - und hätte die Zeit haben sollen, den Umgang mit der Neuen zu lernen.
- Meine schon im Frühjahr flimmernde Videokamera (die ich vor allem für Fotos für den Computer und das Internet benutze) war nun ganz kaputt. Ich kaufte eine neue - und fand bis zur Abreise nicht die Zeit, alle Funktionen zu lernen und auszuprobieren.
- Gleich nach meiner Ankunft hatte ich mir den langgehegten Traum erfüllt und einen externen CD-Brenner gekauft - der nicht richtig mit meinem Computer zusammenarbeiten will. Das "Rumprobieren" kostete mich viele Stunden und schlaflose Nächte.
"Nebenbei" bereite ich mehrere Gruppenreisen vor - und bekam den Auftrag, einen weiteren Reiseführer aus dem englischen zu übersetzen, zu überprüfen und zu aktualisieren. Dies werde ich überwiegend in Nepal machen; aber in Deutschland gab es natürlich viel zu lesen und einiges vorzubereiten.
So schaffte ich es am Ende nicht mehr, die bereits eingescannten Fotos zu bearbeiten. In der letzten Woche konnte ich gerade noch den Jahresbericht schreiben - aber ohne Fotos. (Wenn meine Mutter mir nicht geholfen hätte, ihn 250 Mal zu falten, einzutüten und zu frankieren, wäre ich gar nicht fertig geworden.)

20.8.2001: Seit heute früh bin ich wieder zu Hause - in Deutschland.
Meine Berichte aus den vier Monaten in Indonesien könnt Ihr hier lesen.
Nun muß ich erst einmal viel schreiben und abrechnen, die Dias rahmen, beschriften und archivieren - und scannen! Demnächst werde ich Euch hier einige Fotos von diesem Sommer zeigen können.
Und dann werde ich beginnen, den neuen Jahresbericht zu schreiben ...
 


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