Die Informationen hier können nicht vollständig sein. Sie gehen oft davon aus, daß Ihr die Vorgeschichte kennt.
Bitte lest die Jahresberichte vom Oktober 2002 und September 2003 und die genaueren Berichte, auf die dort hingewiesen wird. Oder geht über die Schaltfläche "Gesamt-Inhalt und ältere Berichte" ins Archiv der "Ergänzungen zu den Jahresberichten", in denen ich während der Reisen immer ganz aktuell berichtete.

 
Aktuelles / Neueste Meldungen

Indonesien,
Mai bis September 2004

(Von unten nach oben zu lesen!)

5.9.2004: Seit gestern früh bin ich wieder in Deutschland. - Heute in fünf Wochen werde ich nach Nepal fliegen.
Zum Abschluss dieses indonesischen Sommers - oder als Zusammenfassung eines ganzen Jahres, kann ich Euch die nun endgültige Anzahl der von uns zur Zeit geförderten Schülerinnen und Schüler mitteilen:
Als ich 2003 von Indonesien nach Hause flog, zahlten wir 43 Kindern und Jugendlichen die Schule.
Zwei von diesen waren in der 12. Klasse, haben jetzt die Schule abgeschlossen und arbeiten bereits.
Zwei Mittelschüler und eine Mittelschülerin gaben den Schulbesuch zwischen September und Januar auf. (Faulheit.)
Zwei Mittelschüler flogen von der Schule; einer davon hat jetzt an einer anderen Schule noch einmal neu begonnen.
Zwei Schüler (5. und 7. Klasse) blieben sitzen und müssen die Klasse wiederholen.
18 Schülerinnen und Schüler und einen Studenten nahm ich neu auf. Nun finanzieren wir also insgesamt 158 Kindern und Jugendlichen die Ausbildung: Fünf auf Bali, 51 auf Lombok, und 102 in Nepal.
 

Mein mehr als 33 Jahre alter Motorradhelm

2.9.2004: Abschied in Raten...:
- Letzten Mittwoch von Lombok, von meinen Freunden und all den Kindern dort;
- am Sonntag von den Kindern Ost-Balis;
- morgen von Indonesien;
aber heute nachmittag von dem gemieteten Motorrad, das mich 118 Tage über etwa 4.500 Kilometer treu und ohne Probleme begleitet hat - und von meinem Helm (siehe Foto)!
Diesen Helm kaufte ich im Alter von 15 Jahren, kurz bevor ich meinen ersten "Vierer" Führerschein machte und mein erstes gebraucht gekauftes "Mokick" (das war damals wichtig und viel besser als ein Moped) fahren durfte. Zwei Wochen später rettete er mir vielleicht das Leben, als ein Lastwagen mir die Vorfahrt nahm. - Seitdem hatte ich keinen Unfall mehr.
Später lag er einige Jahre im Schrank oder auf dem Speicher (es liegt bei mir in der Familie, dass nichts weggeworfen wird!) - bis in Indonesien (wo ich die ersten Jahre mit wehenden Haaren fuhr) Ende der 80er Jahre die Helmpflicht eingeführt wurde.
Seit einigen Jahren löst sich sein Inneres langsam auf; ich träumte immer davon, eine Werkstatt zu finden, die ihn neu ausstatten würde (denn er war inzwischen nicht nur zu einem "Markenzeichen", sondern auch zu einer Art Talisman geworden). Doch so etwas scheint es nicht zu geben; und nun ist auch das Äußere sooo verschlissen...
Gestern testete ich in den Geschäften Denpasars, dass es hier wirklich Helme gibt, die groß genug sind für meinen großen Kopf - und heute Abend werde ich ihn wegwerfen und mir nächstes Jahr einen neuen Helm kaufen. - Auch ein Abschied.
Falls Euch aber die Kinder viel mehr interessieren als meine persönlichen Sentimentalitäten:
Ich habe gestern endlich alle Zeugnisnoten und Schul-Infos aus dem provisorischen Blatt in der Abrechnung (Excel) in die Datenblätter der Kinder (Access) übertragen. Und als ich die alle vorsortiert und formuliert und formatiert hatte, war ich selber überrascht: Da stand untereinander eine doch recht beeindruckende Liste von Schülern und Schülerinnen mit guten und sehr guten Plazierungen! (Ihr erinnert Euch vielleicht, dass in den Zeugnissen Indonesiens immer die Plazierung innerhalb der Klasse und der Vergleich - pro Fach - zum Notenschnitt der Klasse eine große Rolle spielen.)
Von 74 Kindern Lomboks habe ich die Zeugnisdaten und -details erfasst. (24 davon sind " Tageskinder", überwiegend in der noch relativ preiswerten Grundschule, für die wir (noch) nicht zahlen.)
Hier darf ich Euch die besten Plazierungen mitteilen. (Dahinter die Anzahl der Kinder; in Klammern die Angabe, für wie viele davon wir bereits bezahlen.)
(Die Klassengrößen liegen zwischen 28 und 45 Kindern bzw. Jugendlichen.)
Klassenbester: 1 (1)
3. Platz: 2 (0)
4. Platz: 3 (3)
5. Platz: 6 (1)
6. Platz: 3 (1)
7. Platz: 1 (0)
8. Platz: 1 (0)
9. Platz: 3 (2)
11. Platz: 1 (1)
12. Platz: 3 (1)
13. Platz: 2 (2)
Fünf von diesen sind jetzt in der 6. Klasse und wissen bereits sicher, dass ich ab 2005 (mit dem Wechsel in die wesentlich teurere Mittelschule) für sie zahlen werde.

28.8.2004: Inzwischen habe ich hier auf Bali alle Kinder und Jugendlichen besucht - und habe nur gute Nachrichten! Alle wurden versetzt; in den Zeugnissen sah ich keinen einzigen Fünfer. Zwar keine Klassenbesten; aber 1x den 3. und 1x den 4. Platz.
Wayan hat die Mittelschule abgeschlossen und wurde aufgrund guter Noten ohne Test an der Oberschule mit Fachrichtung Automechaniker angenommen. - Das hat den Vorteil, dass er nach drei Jahren dort mit vielen Praktika sofort wird arbeiten können und keine Fachhochschule mehr besuchen muss.
Gede (von der Fledermaushöhle; viele von Euch, die mal mit mir in Indonesien waren, haben ihn kennen gelernt) hat die Oberschule (Fachrichtung Tourismus) abgeschlossen und hat (anders als viele seiner Freunde) bereits Arbeit gefunden, macht drei Monate bezahlte Probezeit in einem Hotel in Sanur.
Ich bin damit beschäftigt, das Jahr (für Indonesien) abzuschließen, alle Abrechnungen zu säubern und zu überprüfen. Und ich vervollständige aus hunderten von schnell irgendwo gemachten Notizen, aus den Medizin-Abrechnungen und den Zeugnisnoten-Tabellen meine Kinder-Datenblätter: In denen steht dann neben schulischen, medizinischen und familiären Informationen bei jedem Kind ein "freier Text" mit meinen Notizen und Erinnerungen.
Da kann nur stehen "Kam fast täglich; keine Probleme." - oder aber zu einem Kind (Jugendlichen) ein "halber Roman". Und damit ihr mal seht, was ich außer Hefte-Verteilen und Gebühren-Bezahlen sonst noch so tue, will ich Euch ein paar der gerade fertig gewordenen Texte hier zu Verfügung stellen:

- Und wundert Euch nicht, dass ich mal wieder nur über Jungs schreibe: Die Mädchen lernen einfach besser und machen wesentlich weniger Arbeit und Probleme! (Die beiden Mädchen, die ich gestern besuchte, zeigten mir ihre Zeugnisse und übergaben mir saubere Abrechnungen; wurden normal versetzt und haben keine Sonderwünsche. - Was soll ich darüber viel schreiben?)

25.8.2004: Heute früh habe ich nach 3 Monaten und 3 Tagen Lombok verlassen. Die letzten Tage waren wirklich anstrengend; aber nun sollten Amir (mit einem vollen Sparbuch) und die von ihm zu betreuenden Kinder und Jugendlichen fit sein, die nächsten ca. 9 Monate ohne mich durchzustehen.
Der Abschied war herzlich; teilweise tränenreich. Nach hiesiger islamischer Tradition verabschiedeten sich viele Kinder mit einer tiefen Verbeugung, bei der sie ihre Stirn auf meinen Handrücken drückten. - Das half, den Blick in oft feuchte Augen zu vermeiden.
Als "vorläufiges Endergebnis" darf ich Euch berichten, dass wir jetzt alleine auf Lombok 50 Kindern und Jugendlichen und einem Studenten die Ausbildung finanzieren. Die Fünf Kinder auf Bali werde ich innerhalb der nächsten drei Tage besuchen und Euch dann auch von ihnen berichten.

22.8.2004: Für heute hatte ich (seit zwei Wochen mit einem großen Plakat an der Zimmertür) ein Treffen all unserer Schüler/innen einberufen, um allen zu erklären, wie sie während meiner Abwesenheit versorgt werden. - Ich zitiere (in Auszügen) aus meinem Tagebuch:
Ich ließ gleich mal 30 Portionen Reis bestellen; bis die kamen, war es längst Essenszeit. Bis wir dann weitere 15 bestellt und noch ein paar Nachzügler versorgt hatten, ...
Dann versammelte ich alle unter den großen Bäumen, ... Begrüßung; ein paar Scherze, bis alle nahe genug saßen und ruhig waren.
Dann stellte ich alle Kinder einander vor, indem ich jeden aufrief, Namen, Schule und Klasse sagte, ein paar Scherze einstreute - und auf meiner Liste abhakte: Vier Kinder aus dem Süden Lomboks können wegen der Entfernung nicht kommen; zwei Jugendliche, für die ich nicht voll zahle, sollten nicht kommen. Von den verbleibenden 45 waren 40 anwesend, einer entschuldigt. Das empfand ich als ein gutes Ergebnis. (Eine kam wegen einer Fehlinformation verspätet; eine hatte Programm in der Schule, entschuldigte sich beim Abendessen und bekam einen Anschiss, dass sie sich nicht vorher entschuldigte; Ida hielt es nicht für nötig, zu kommen oder sich zu entschuldigen; und große Sorgen macht mir der aller-neueste Mittelschüler, den ich noch kaum kenne und der heute Amir kennenlernen sollte.)
Dann erklärte ich, - vor allem den neueren -, was ich zahle und was nicht. Da es mal wieder blöde Fragen und Gerüchte gegeben hatte (der Vater einer Mittelschülerin: Wenn der so viel bezahlt...; nachher will der vielleicht was von Dir ...) erklärte ich mal wieder, wo die Gelder herkommen und warum ich sie für ihre Bildung ausgebe.
Dann zu den konkreten Abläufen; warum ich Fahrtkostenzuschuss nur bis zu einem gewissen Betrag und nicht ausreichend gebe; wie viele Probleme wir haben, Gelder aufzutreiben und deren Verwendung zu kontrollieren; wie bei Amir zu bestellen, abzurechnen und zu quittieren ist...
Das "versteckte" Hauptthema des ganzen Nachmittages waren die Betrügereien - die ich dann auch ganz konkret ansprach: Gerade vorhin hatte Amir einen vom Strand (der Wind stand günstig!) seinen Freunden erklären hören "wenn Amir das macht, dann haben wir es ja einfach, zu betrügen"...
Höhepunkt und Ziel der ganzen Rederei war: Dies ist EUER Geld. Wenn wir sparsam damit umgehen, können wir noch mehr Leuten helfen. Jeder von Euch hat Geschwister oder Freunde, denen ich auch noch die Schule zahlen sollte - und für die zur Zeit das Geld nicht reicht. Wenn jeder mithilft, Betrügereien zu unterbinden und zu verhindern (und sich nicht scheut, die Betrüger beim Namen zu nennen), dann können wir nächstes Jahr noch mehr Leuten helfen.
Ich glaube, es kam ganz gut an; mehrmals wurde ich durch "ja" oder "richtig" oder "genau!" unterbrochen.
Dann leitete ich über zu Amir, der erklärte, wann und wo er die Kinder und Jugendlichen der verschiedenen Dörfer treffen wird und wann sie Geld oder Schreibwaren bei ihm holen dürfen. Noch ein paar Details zur Abrechnung; ein paar vergessene Sachen; etwas Organisatorisches für den Rest des Tages und die erste Woche der Übergangszeit. Dann war der offizielle Teil beendet.
Hajatullah ging mit gutem Beispiel voran und verabschiedete und bedankte sich mit Handschlag, tiefer Verbeugung; Stirn auf meinem Handrücken. Viele taten es ihm nach.
Dann ging ich ins Zimmer, vor dem bereits die Schlange standen, die jetzt ein letztes Mal von mir Sachen für die Schule brauchten, Fahrgelder für die kommende Woche erhielten, Geld für die heutige Heimfahrt wollten.
Irgendwann war mein Kleingeld alle, mein Kopf sooo voll (oder leer). Ich ließ Geld wechseln; holte mir Geld zurück von Schülern aus dem gleichen Ort, die große Scheine später wechseln und unter sich aufteilen könnten ...
Bis zum Abend war ich FER - TIG. Ausgelaugt. Ich konnte nicht mehr denken, nicht mehr rechnen. Von den am Morgen geholten 2 Millionen waren nach dem Abendessen noch ganze 550.000 Rupien übrig.
Ich duschte, dann räumte ich die Abrechnungen auf, ...

17.8.2004: Gestern habe ich die 50 Millionen überschritten! (50.000.000 Rupien; das sind ca. 4.600 Euro, die ich für die Kinder in Indonesien seit meiner Ankunft vor drei Monaten ausgegeben habe.)
Meine Arbeit hier nähert sich so langsam dem Ende. (Und in den letzten Wochen war es wirklich Arbeit; ließ mir kaum Freizeit.) An drei Schulen muss ich noch die Gebühren fürs Jahr bezahlen, dann das Sparbuch einrichten, aus dem Amir bis zum Mai 2005 die nun genau 50 Schüler, Schülerinnen und einen Studenten betreuen wird. Heute oder morgen in einer Woche werde ich Lombok verlassen, noch eine gute Woche auf Bali verbringen, bevor ich am 3. September zurück nach Deutschland fliegen werde.

10.8.2004 = Jubiläum!!!:
Es gäbe ja genug zu erzählen ... (Vorgestern brach sich einer den Arm; heute früh verbrannte sich einer das Gesicht... / Aber beide Verletzungen sind nicht sehr schwer und es geht ihnen gut.) - Aber heute will ich mal gar nicht von den Kindern berichten:
1984 gab es bei meinem damaliger Arbeitgeber (Reiseveranstalter) nur ganz wenige Asien-Programme. Nepal gab es noch gar nicht; das habe ich für 1985 erstmals ausgearbeitet. Indonesien hatte es früher mal gegeben, war aber zu der Zeit nicht im Angebot.
1984 gab es eine Sondergruppe von 8 Personen, die mit eigenem Reiseleiter zum von ihnen gewünschten Termin "die alte dreiwöchige Indonesienreise plus 3 Tage Lombok plus drei Tage Bangkok" bestellt hatten - und ich war deren Reiseleiter.
Am 10.8.1984 verließen wir morgens unser Hotel im Osten Balis - ich mit etwas "kalten Füßen", weil ich nicht wusste, was mich auf dieser recht unbekannten Insel (es gab scheinbar auf der ganzen Welt nur einen einzigen Reiseführer darüber) erwarten würde. Fähren nach Lombok gab es damals nur dreimal am Tag (heute rund um die Uhr alle 90 Minuten) und man musste gut planen und pünktlich sein.
Am 10.8.1984 - heute vor 20 Jahren - kam ich zum ersten Mal in meinem Leben auf Lombok an. Abends saß ich bis spät in die Nacht mit den jungen Leuten vom Hotel und sammelte Informationen, plante das Programm für die kommenden Tage.
Und in diesen 3 Tagen bis zu unserem Rückflug nach Bali habe ich mich so in diese Insel und ihre Bewohner verliebt, dass ich bereits vor meiner Rückkehr nach Deutschland ganz sicher war, wiederzukommen. Noch im September arbeitete ich eine Indonesienreise aus (ohne Bangkok; aber ganz sicher inklusive Lombok!) und kalkulierte sie, so dass sie gerade noch rechtzeitig in den Katalog für 1985 aufgenommen werden konnte.
In Deutschland gab es kein Indonesisch-Lehrbuch, nicht einmal einen Sprachführer. Um Weihnachten mit einer Gruppe in Neuseeland kaufte ich mir ein englisches Lehrbuch der indonesischen Sprache. 1985 saß ich fünf Wochen lang in Ampenan (West-Lombok; da es im heutigen Touristen-Zentrum Senggigi noch weder Elektrizität noch einen Linienbus gab) und lernte konzentriert, bevor ich nach Jakarta fuhr und die erste reguläre Reisegruppe am Flughafen abholte.
So fing alles an...
("Zur Feier des Tages" habe ich den Kindern heute zum Abendessen je ein Glas frisch gepressten Fruchtsaft spendiert - und mir auch.)

5.8.2004: Gute Nachrichten gestern!
Der junge Mann, dem ich zwei Jahre Fachhoschul-Ausbildung zum Religionslehrer an Grundschulen finanzieren möchte, hatte am 26. Juli mit 160 Mitbewerbern an einer ganztägigen Aufnahmeprüfung teilgenommen. Nur 95 würden zum Studium zugelassen werden.
Gestern früh kam er, mir zu berichten, dass er angenommen worden sei.

1.8.2004: Eine "ganz normale Woche" liegt hinter mir. (Und es graust mir bei dem Gedanken, dass ich in gut drei Wochen schon wieder von hier abreisen werde!)
Nicht, weil ich zu faul zum Schreiben wäre, sondern, weil ich denke, dass es interessant genug ist, will ich Euch ein paar Stellen aus meinem Tagebuch zitieren:
(Samstag:)
Von 13 bis 15 Uhr tobten einige aufgedrehte Kinder so, dass ich sie nach der zehnten Ermahnung rausschmiss und nach Hause schickte.
(Sonntag:)
...viele viele Kinder fotografiert und deren "Passbilder" (jedes Jahr neu) fertig beschnitten und bearbeitet für die Kinder-Datenblätter.
Nach dem Mittagessen (und es war schon wieder 15 Uhr) hatte ich eh in die Stadt gewollt, nahm nun Ida und Ratna mit, da letztere noch keine Kleidung bekommen hatte. Nach deren Einkäufen gab ich den beiden Geld für die Heimfahrt, fuhr selber weiter....
(Montag:)
...in die Stadt. Ich hatte eine ganz schön lange Liste: Wörterbücher bestellen, Kleingeld besorgen, extra-große Hefte und ein Lineal kaufen, Zigaretten und Tip-Ex; die richtige Sorte Radierer war immer noch nicht lieferbar. Dazwischen (und das waren die wichtigsten und zeitaufwändigsten Programmpunkte), zur Hotel-Oberschule wegen eines neuen Schülers; und ans Internet. An der Schule wurde ich sehr gut aufgenommen, der Vertrauenslehrer nahm sich Zeit, holte die Klassenlehrerin, ließ dann den Schüler rufen...
(Gegen Mittag:) Dann kamen die ersten Schüler - und dann ging es bis 16 Uhr fast ohne Pause rund: Gebühren, Fragen, Geld zum Abzeichen-Aufnähen, Bücher-Bestelllisten... Dazwischen machte ich weitere Passbilder (je 2; aber heute nur von 6 Kindern) und wertete meine Internetausbeute aus....
(Dienstag:)
(Ich kam gegen Mittag aus der Stadt:)
Es ging sofort rund; die ersten Oberschüler warteten bereits auf mich. Zeitweise standen sie Schlange und einmal war ich mir gar nicht mehr sicher, welche Bücher, Gebühren, Spenden und Ausflüge ich nur gebucht, und welche ich bereits ausgezahlt hatte.
Später am Nachmittag war es erstaunlich leer; ...
(Mittwoch:)
(8 Uhr:) Kurz am Computer, einen Kaffee fast ausgetrunken, dann zur Grundschule, wo ich Marzuki beurlaubte. Weiter zur Mittelschule, wo ich endlich den Direktor traf. ... Meine Rede von neulich scheint gut angekommen zu sein; ich wurde höflichst behandelt und wir unterhielten uns wie gute Freunde; über seine Vorgeschichte (Oberschul-Direktor, der nach hier versetzt wurde, um diese Schule zu verbessern; normalerweise werden sie alle 4 Jahre versetzt; bei besonders guten Leistungen darf man maximal 8 Jahre an einer Schule bleiben); und über meine Vorgeschichte und Arbeit. Ich legte dabei vor allem Wert darauf, immer wieder zu betonen, wie streng und wie geizig ich bin; dass keines dieser Kinder "einen Touristen hat" und damit "ausgesorgt" hat; dass ich keine Privatkleidung und keine Sandalen - und schon gar keine Mopeds und Fahrräder kaufe. Denn es hatte sich herausgestellt, dass letztes Jahr die von mir geförderten Kinder von der staatlichen Förderung gestrichen wurden. Und ich will ja nicht das Geld ausgeben, damit der Staat Fördergelder spart. So sprach ich am Ende auch dieses Thema ganz konkret an: Dass alle diese Kinder - vor allem während meiner Abwesenheit - diese staatlichen Gelder dringend benötigen. Ich ging so weit, ihm vorzuschlagen, die von mir ausgewählten Kinder als "ganz-sicher-arm-genug" einzustufen, da ich selber genau prüfe, bei Lehrern, Ortsvorstehern, Klassenkameraden und in der Umgebung des Hauses nachfrage und nachfragen lasse; und wenn eine Familie eine Kuh oder ein Moped oder einen Fernseher besitzt, wird er/sie von mir schon nicht gefördert.
Nun war es schon spät genug; ich ließ auch noch Yusuf beurlauben und wir kamen gerade noch rechtzeitig zur Gesundheitsstation, die Freitags schon um 10 Uhr schließt. Beiden Kindern wurden ihre Zähne nun endlich endgültig gefüllt.
Ich brachte Yusuf zurück zur Schule; Marzuki nahm ich mit in die Stadt. Kurz ans Internet - wo ich 8 gestern Abend geschriebene Mails abschickte und einige erhielt. Dann zum Großhändler, da mir die dünneren Hefte ausgegangen waren und die Nudeln zu Ende gingen.
Im Hotel erwarteten mich die ersten Grundschüler; bald kamen die Mittelschüler; und bis alle zum Freitagsgebet gingen, hatte ich schon wieder so und so viele Bücher, Gelder, Haarschnitte und anderes gebucht und ausgezahlt.
(Freitag:)
In der Mittelschule waren mehrere (viele!) Kinder mit zu langen Haaren von den Lehrern so gestutzt worden, dass sie sich wirklich um einen guten und kurzen Haarschnitt bemühen müssen. Fünf unserer Kinder hatte ich je 2000 Rupien für einen der Dorf-Friseure gegeben; vier kamen zufrieden zurück; Basri mit einer ausgesprochen schicken kurz-Frisur mit etwas längerem, nach oben gebürsteten Poni. Nun kam gegen 16 Uhr Ripai: Fast weinend; völlig verschnitten. Die Schläfen bis hoch zum Kopf stufenweise fast kahl "weil der noch keine Rasierklinge hatte und das später korrigieren will". Fast eine Stunde lang forderte ich auf, zu dem "Könner" im hiesigen Dorf zu gehen, der Basri so toll geschnitten hatte; aber er genierte sich so; wollte nirgendwo hingehen. - SO würde er morgen ganz sicher nicht zur Schule gehen; und wenn wir noch etwas länger warten, würden alle Friseure so kurz vor dem Abendgebet ihre Arbeit einstellen... Lust hatte ich gar keine; sauer war ich auch (ob seiner Dummheit, seines sich-Genierens; seiner Unwilligkeit, hier ins Dorf zu gehen); aber dann packte mich doch das Mitleid und ich fuhr mit ihm und Sapidin in die Stadt und ließ beiden einen "Armee-Schnitt" verpassen, unter dessen Kürze das Versaute völlig verschwand.
20 zum Abendessen; nur eine nahm keinen Nachschlag. ...
(Samstag:)
Vor 10 Uhr in der Mittelschule und fast eine Stunde beschäftigt (mit vielen interessanten Gesprächen, lustigen Blödeleien und interessierten Fragen der Lehrer/innen zwischendurch) bis wir für 15 Schüler nachgeschaut hatten, wie viel sie bei der Anmeldung schon zahlten; und dann ausrechneten, was noch zu zahlen ist: Für die Zwangsspende für den Sportplatz und die Schulgebühren für ein Jahr zahlte ich pro Kopf zwischen 182.000 und 236.000; insgesamt 3,174 Millionen. (1 Euro = 10.700 Rupien.)
Wieder ins Hotel, wo schon bald die ersten Grundschüler und gegen 13 Uhr auch die meisten Mittelschüler kamen. Bücherwünsche, andere Abrechnungen, viele Fragen, dazwischen unser Mittagessen.
(Später:) Gegen 16 Uhr fuhren / gingen Sarinah und Saepol Bahri nach Hause und ich fuhr mit Ripai und Umar kurz in die Stadt: Bier, Fotokopien, Socken, Gürtel, Islam-Kleidung und Wurmmedizin.
Im Hotel abgerechnet und einen halben Kaffee getrunken, dann wieder los; nach Senggigi...
(Sonntag:)
Lange war ich ganz alleine, las und arbeitete. Plötzlich kamen draußen vor die offene Zimmertür drei Jugendliche, die ich nicht kannte oder nicht erkannte. Oft kommen Freunde oder Verwandte unserer Kinder und Jugendlichen, um jemanden zu suchen, zu treffen oder nach Hause zu rufen. So ging ich raus und fragte, was sie wollen, wen sie suchen. Rumdrucksendes Schweigen; der eine verzog sich um die Hausecke; der andere setzte sich auf die Verandakante... Schließlich sagte der dritte, dass der zweite ein Klassenkamerad von Abdul sei und die Schule bezahlt bekommen möchte. - Und nach einer Weile stellte sich heraus, dass sie zwar über diesen einen von mir erfahren hatten, - dass sie aber alle drei die Schule nicht mehr zahlen können und um zumindest teilweise Unterstützung bitten. ("Wenigstens die Gebühren." "Ich habe mir noch kein einziges Buch kaufen können; ich schaue immer nur bei Abdul rein." "Ich verkaufe Armbänder in Senggigi; aber es sind so wenig Touristen da; und ich habe keine Zeit zum Lernen, wenn ich immer erst um 22 Uhr nach Hause komme." "Ich schneide nachmittags Gras und verkaufe es an Leute, die Pferde oder Kühe halten, weil mein Vater mir kein Geld für die Schule gibt.") Puhhh... / Und gleich drei auf einmal.
Sympathisch. Zwei in der 12. Klasse einer islamischen Schule, von denen der eine (der Armbandverkäufer) sehr offen und intelligent redete und genau zu wissen scheint, was er will; der andere (der Gras-Schneider) sehr scheu war, höflich, zurückhaltend, fast ängstlich - und erst auftaute, als er erfuhr, dass ich seine Schule und einen seiner Mitschüler kenne. Der Jüngste, von dem Abdul mir am Abend erzählte, dass dem letztes Jahr ein "normaler Tourist" die Schule für ein Jahr bezahlt habe, der aber nun nichts mehr von sich hören lasse.
Ich unterhielt mich recht lange mit ihnen, machte viele Notizen, fragte sehr kritisch - auch über Zukunftspläne (weil zwei ja bereits nächstes Jahr die Schule abschließen werden). Dann bat ich sie, mir demnächst ihre Zeugnisse zu bringen und mir etwas Zeit zu lassen, da ich sowohl in ihrem Dorf als auch in den Schulen Informationen einholen werde.
Fitriani war inzwischen gekommen, wartete schon; sie brauchte Fahrgeld und Geld für Bücher...
 

Festplatz im Schulhof
Das "Festzelt" im "Schulhof".
Rechts dahinter soll der kleine Sportplatz entstehen.

Der Direktor
Der neue Direktor der
Schule hat große Pläne.

25.7.2004: Letzten Montag hatte ich einen "paradiesischen" Morgen. Früh hatte ich ein Kind zur Schule gebracht. (Der war sitzen­geblie­ben, hatte in der Verzweiflung sein Zeugnis zerrissen und traute sich nun nicht alleine in die Schule.) Dann war ich ganz alleine im Hotel, genoss die morgendliche Kühle, fuhr anschließend weg für ein westliches Frühstück...

Inzwischen haben sich die Zustände wieder normalisiert. Die anstrengende Zeit des Schuljahrswechsels ist vorbei; zu tun gibt es immer noch genug. Täglich kommen Kinder und Jugendliche, die Gebühren zahlen müssen, Sportkleidung oder Abzeichen kaufen sollen, Lehr- und Wörterbücher bestellen, Formulare nicht alleine ausfüllen können... Dazwischen zweimal mit Kindern zum Zahnarzt, ansonsten keine besonderen Vorkommnisse.

Grundsteinlegung
Alle Würdenträger gemeinsam legten den
Grundstein. (Kultusminister ganz
rechts der Zweite von oben.)

Distrikt-Chef
Der Chef der Distrikts-
Verwaltung

Gestern war ich mit allen Eltern offiziell eingeladen in die Mittelschule, in der wir inzwischen schon für 15 Kinder zahlen. Auf dem Wiesenkarree zwischen den U-förmig angeordneten einstöckigen Gebäuden soll ein kleiner Sportplatz für Basketball, Volleyball, Badminton u.a. angelegt werden. Und zur Grundsteinlegung hatte sich sogar der Kultusminister der Provinz angesagt.
Tanz-Vorführungen, Gebete aus dem Koran, dann viele Reden von Direktor, Schul-Komitee, Distriktschef und Kultusminister (der immer wieder zwischen der Staats- und der Regionalsprache wechselte und bei den Leuten sehr gut ankam). Dann die Grundsteinlegung.
Und dann kam der Teil, der für die Schule vielleicht der Wichtigste war und wofür sie alle Eltern eingeladen hatten: Information und Diskussion über die monatlichen Schulgebühren und die für den Sportplatz zu leistende Zwangs-Spende. Die Diskussionen waren heftig; zeitweise kam ich mir vor wie auf einer Versteigerung, als es darum ging, wie niedrig man die Gebühren halten könne und in wie vielen Raten man die Spende bezahlen dürfe...
 

Die Schreibwaren-Vorräte in meinem Zimmer, bevor wir mit dem Verteilen begannen.
Viermal hatte ich beim Großhändler je einen Karton Hefte hinter mir aufs Motorrad binden lassen. Dreimal kam ich mit schweren Taschen mit all den anderen Sachen zurück.

17.7.2004: SAMSTAG! - Zwei wirklich anstrengende Wochen gehen zu Ende. Den ganzen Tag rechnen, planen, zählen, auszahlen, abrechnen, ... Am Computer gespielt habe ich schon lange nicht mehr. Und abends war ich so müde, dass ich einmal am Computer und zweimal auf der Bettkante sitzend schon gegen Mitternacht einschlief und erst gegen 5 Uhr aufwachte und die Lampen ausmachte.
In 10 Tagen 11 Millionen Rupien verbraucht - und jeden einzelnen Bleistift (im Großhandelsgebinde kostet einer 209,- Rupien) und jede 500 Rupien Fahrgeld abgerechnet.

Die Kinder halfen beim Zusammenstellen und Verpacken
Seit einer Woche hatte ich alle Kinder gefragt, was sie brauchen, was sie noch besitzen. Aus dieser Liste buchte ich alle auszugebenden Schreibwaren auf jede/n einzelne/n Schüler/in. Mittwoch half mir eine Gruppe Kinder, die Sachen zusammenzustellen: Ich las vor, sie sammelten die Sachen ein und ein Jugendlicher kontrollierte und steckte alles in die bereits mit den Namen beschrifteten Plastiktüten.

Am Donnerstag fuhr ich mit 37 Kindern und Jugendlichen in zwei gecharterten "Bemos" (Micro-Linienbusse) in die Stadt und kaufte allen Schuluniformen, Schuhe und Taschen; 12 ließen sich die Haare schneiden. (Und längst sind noch nicht alle versorgt.)
Donnerstag und Freitag verteilte ich über 1200 Hefte, 54 Malhefte, je 64 Kulis und Tip-Ex, je 65 Lineale, Radierer, Spitzer, Bleistifte, und 48 Schachteln á 12 Buntstifte. - Und auch hier sind einige Nachzügler noch nicht versorgt. (Details dazu unter den Fotos.)
Wir zahlen jetzt die Schule / Ausbildung (nur auf Lombok) für

7.7.2004: E S   G E H T   R U N D!!! - Und für den Fall, dass Euch die Details interessieren, erlaube ich mir, Euch mal wieder zwei Seiten meines Tagebuchs zur Verfügung zu stellen.

4.7.2004: Gestern gings rund: Zeitweise stapelten sich die Zeugnisse auf meinem Tisch, bis ich eines nach dem anderen in den Computer eingegeben hatte, lobte, tadelte, rückfragte. Heute wurde ich dagegen etwas enttäuscht, da von den noch fehlenden (und etwas weiter entfernt wohnenden) Mittel- und Oberschülern nur ein einziger kam, mir sein Zeugnis zu zeigen. (Die anderen werden in den nächsten Tagen kommen; spätestens, wenn sie Geld für die Wieder-Anmeldung brauchen.) Angenehm überrascht wurde ich durch einen Anruf aus Zentral-Lombok, wo die Schüler nicht bis zu meinem nächsten Besuch warten wollten, um mir mitzuteilen, dass alle vier Grundschüler mit guten Noten versetzt wurden und der Älteste seinen Abschluss und die Versetzung in die Mittelschule geschafft hatte.
Von 34 der in unserer Nähe wohnenden Kinder (incl. "Nachmittagskinder", für die wir - noch - nicht bezahlen), liegen mir nun die Zeugnisse vor. Insgesamt bin ich recht zufrieden - und wenn es Euch interessiert, will ich Euch gerne ein paar Details berichten:

Sechs bisher nicht unterstützen Schüler/innen habe ich die zukünftige Zahlung ihrer Ausbildung schon so gut wie fest zugesagt. (Und viele weitere haben sich beworben oder wurden mir von anderen Leuten / Schülern vorgeschlagen.)

Sobald ich mehr weiß, werde ich Euch wieder berichten.

29.6.2004: Inzwischen habe ich die ersten - überwiegend erfreulichen - Nachrichten von unseren indonesischen Schülerinnen und Schülern:
- In der Grundschule des Dorfes, bei dem ich wohne, haben alle Sechstklässler den Abschluss geschafft. (Mindestens 7 unserer Stamm-Kinder erwarten, dass ich ihnen jetzt die Mittelschule finanziere; daneben habe ich bereits mehr als 5 Anfragen von und Hinweise auf teilweise sehr gute Schülerinnen, denen die Eltern den weiteren Schulbesuch nicht bezahlen können.)
- Je ein Mädchen in der 3. Klasse der Mittelschule und ein Junge in der 3. Klasse der Oberschule (= 12. Schuljahr = Ende) haben ebenfalls bestanden. (Die Zeugnisse mit den Details gibt's erst am kommenden Samstag.)
- Der Schüler, der letztes Jahr die hiesige Grundschule als Klassenbester abschloß (und seitdem zahlen wir ihm alles "schulische" im islamischen Internat, während die Familie für Unterkunft und Verpflegung aufkommt), hat geschafft, was ich noch nie erlebte: Bisher musste ich immer davon ausgehen, dass auch der Beste aus diesen einfachen Dorfschulen in einer zentral gelegenen Mittelschule in der Konkurrenz von Mitschülern aus besseren Grundschulen zumindest im ersten Jahr auf den hinteren Plätzen rangiert. Doch dieser hier (und der Direktor sagte mir "der ist ja so fleißig!") hat es tatsächlich geschafft, gleich in der ersten Zwischenprüfung und auch jetzt bei der Versetzung beide Male wieder Klassenbester zu sein. [Die Schule gilt als streng und schwierig mit 15 verschiedenen Fächern. (Die meisten Mittelschule haben zwischen 9 und 11.) Da die Note 10 so gut wie nie vergeben wird, kann man die 9 als die bestmögliche Note betrachten. 15 Fächer mit "9" wären 135 mögliche Punkte. Von diesen hat er 122 (oder 90,37%!) bekommen.]
- Ich will Euch aber nicht verheimlichen, dass ein Drittklässler einer Mittelschule (9. Schuljahr) den Abschluss nicht geschafft hat und das Schuljahr wiederholen muss. (Es war abzusehen. Bereits im Zwischenzeugnis im Januar hatte er in allen Fächern "mangelhaft".) [Falls "L.&G." dies lesen: Es ist der von Euch finanzierte Mu...]
Die Noten und sonstige Details der meisten Kinder werde ich am Samstag erfahren; und Ihr - hier auf dieser Seite - spätestens am kommenden Montag.

21.6.2004: Am Freitag hatte diese Seite beim Hochladen einen Virus erwischt. Bis ich darauf aufmerksam gemacht wurde und die Seite löschte, war sie glücklicherweise erst zweimal besucht worden. Nun kann ich sie Euch in hoffentlich sauberer Form wieder zur Verfügung stellen.
Heute haben die Versetzungsprüfungen begonnen. Die Abschlussprüfungen (Klasse 6 der Grundschulen und Klassen 3 der Mittel- und Oberschulen) sind bereits vorbei, aber die ersten Ergebnisse wird es erst nächsten Montag (28. Juni) geben.

16.6.2004: Heute zeigte ich den Kindern endlich die Micro-Kamera (USB-WebCam mit Speicher), die ich kurz vor meinem Abflug von Deutschland für unter 30 Euro kaufte: Ich hatte schon beim Kauf vorgehabt, damit vor allem die Kinder fotografieren lassen. Bisher hatte ich mich aber gescheut, sie einzusetzen, weil das Betrachten der Bilder, lernen, bearbeiten eigentlich am Computer der Kinder hätte stattfinden sollen (der ja nun leider kaputt ist). Das muss nun an meinem Computer geschehen, an dem ich so viel andere Sachen erledigen will und muss.
Im Laufe des Tages zogen also die ersten 3-4 Kinder los und machten ihre Fotos; manche kamen schon nach 10 Minuten mit über 30 Bildern zurück, andere gaben sich mehr Mühe, gingen bis nach Hause. - Da gibt's noch viel zu erklären und zu lernen.
(Es ist mal ein Versuch... Ich hoffe, dass die Kinder irgendwann nicht nur hingestellte Freunde ablichten, sondern kreative und/oder interessante Fotos - wenn auch in niedriger Auflösung und schlechter Qualität - aus der Schule, aus dem Arbeitsalltag der Eltern, aus ihrem Freundeskreis bringen, die ich selbst nie machen könnte.)

8.6.2004: So kommen seit gestern unsere Sechstklässler täglich nach den Prüfungen zu mir für ein verspätetes Frühstück:
Fünf Sechstklässler in Schuluniform mit den Ausweiskarten, die sie zur Abschlussprüfung der Grundschule zulassen.
Die Ausweiskarten mit Passbild enthalten ihre Registrierungsnummer und den Raum, in dem sie sich melden müssen. Alle anderen Schüler haben frei; die ganze Schule steht ausschließlich für diese recht wichtige Prüfung zur Verfügung: Eine Art "kleines Zentralabitur", das über die Zulassung zu den weiterführenden Schulen entscheidet.

5.6.2004: Nun bin ich schon zwei Wochen auf Lombok! - Und zwei Wochen lang habe ich hier nichts berichtet. Einfach, weil es noch nicht viel zu berichten gibt.
Es hat sich leider bestätigt, dass vier der Mittelschüler/innen nicht mehr zur Schule gehen. Je ein Junge und ein Mädchen gingen aus Faulheit nicht mehr hin. Zwei Jungs wurden aus der Schule geworfen, weil sie zu oft nicht zum Unterricht kamen. (Der eine, weil ihm der Weg zur Schule zu weit war; der andere, weil er die falschen Freunde fand und dem Billardspiel verfiel.)
Zwei weitere Mittelschüler hatten im Zwischenzeugnis viele schlechte Noten und die Versetzung scheint gefährdet. Allen anderen Schülern geht es gut und bei fast allen bin ich auch mit den Noten der Zwischenzeugnisse vom Januar (die ich allerdings bisher nur mündlich von den Kindern selbst erfuhr) recht zufrieden.
In meinem Zimmer ist es nach wie vor den ganzen Tag recht voll. Jeden Tag haben wir bis zu 35 Mittagessen und durchschnittlich 30 Abendessen.
Leider haben sowohl mein zweiter Computer (auf dem die Kinder Fotos bearbeiten und schreiben lernen sollten) als auch meine erst im Dezember gekaufte Videokamera den Geist aufgegeben und sind (hier) nicht zu reparieren. - Erst dadurch wurde mir (und uns allen) bewusst, wie sehr sich die Kinder im vergangenen Sommer auf den Computer eingestellt hatten (und viel Zeit nur damit verbrachten, darauf zu warten, an der Reihe zu sein). Es dauerte einige Tage, bis sie wieder die alten Spielsachen entdeckten, wieder Puzzle legen, malen und sich über Yoyos und Gesellschaftsspiele freuen.

24.5.2004: Es ist unglaublich! Schon am ersten Tag hatte ich circa 35 Kinder (und Jugendliche) getroffen; wenige Minuten nach meiner Ankunft waren bereits 15 Kinder in meinem Zimmer. ("Jürgen ist nach Hause gekommen!" sagte eines der Mädchen.) 29 kamen zum ersten Abendessen. - Jetzt fange ich langsam an, nicht nur zuzuhören, sondern ganz konkret Informationen zu sammeln, die Kinder nach den Noten in ihren Zwischenzeugnissen (im Januar) zu fragen, und diese - sowie eventuelle medizinische oder familiäre Probleme - in die "Karteikarten" der Kinder (Access-Datenblätter) aufzunehmen.
Vier (!) Mittelschüler/innen scheinen die Schule aufgegeben zu haben. (Schade!) Aber die traf ich noch nicht und weiß noch keine Details. Ansonsten scheint es bei den meisten ganz gut zu verlaufen - aber es ist noch zu früh, um konkret zu berichten.
(Und falls Euch auch das interessiert - ???:) Heute wurde ich 18.000 Tage alt.
(Und falls Ihr Lust haben solltet, das Alter in Tagen auch mal für Euch selbst zu berechnen: Öffnet in Excel ein leeres Blatt; gebt im Feld A1 das heutige Datum ein; gebt im Feld A2 Euer Geburtsdatum ein. Geht ins Feld A3 und klickt auf "Summe" [das umgekehrte S in Eurer Symbolleiste]; klickt auf A1 und mit gehaltener Strg-Taste auf A2; ersetzt dann in der weißen Zeile unter den Symbolleisten zwischen "A1" und "A2" das ";" durch ein "-" [minus]. - Und schon steht im Feld A3 Euer Alter in Tagen.)

21.5.2004: Morgen werde ich nach Lombok übersetzen. (30 Minuten Motorrad, 5 Stunden Fähre, dann noch gut eine Stunde zu fahren.)
Auf Bali habe ich alles erledigt, alle Schüler/innen besucht. Eine Mittelschülerin hatte im Zwischenzeugnis Anfang Januar eine Fünf; ansonsten bin ich mit überwiegend guten Noten sehr zufrieden. (Die Versetzungsprüfungen beginnen demnächst und deren Ergebnisse werde ich leider erst bei meiner Rückkehr Ende August erfahren.)

Kadeks reparierte Prothese.
Kadeks neues linkes Bein; dahinter steht der
rechte Schuh mit der anzuschnallenden Einlage.

Nur mit der "ganz gemütlich faulen Woche" in Candi Dasa - das klappte nicht so recht. Denn als ich vergangenen Freitag Kadek besuchte, musste ich leider feststellen, dass mal wieder niemand von seiner Familie mit ihm in die Stadt fuhr, um die Prothesen reparieren zu lassen. Sie waren völlig verschlissen, die Fußsohlen schräg abgelaufen, ein Nagel ersetzte die Schnalle eines Lederriemens. Und Kadek wächst und die Prothese des linken Beines war schon wieder viel zu kurz.

Mehr über Kadek
(Vorgeschichte,
Röntgenbilder,
alle Operationen
usw.) findet Ihr
hier.

So fuhr ich also am Montag mit ihm nach Denpasar zum Orthopäden. (Und abends wieder zurück nach Candi Dasa.) Ich hatte mich schon darauf eingestellt, etwas länger bleiben zu müssen und erst später nach Lombok zu fahren. Aber Arzt und Prothesenmacher waren wieder einmal extrem freundlich und hilfsbereit und so konnte ich Kadek schon heute mit "nagelneuen" (oder zumindest so aussehenden) Beinen nach Hause bringen.
Allerdings sagte der Prothesenmacher ganz klar, dass er spätestens nächstes Jahr (nach dann drei Jahren) die Prothesen nicht immer wieder reparieren und provisorisch erhöhen kann. Der Fuß wird immer dicker, ist aber längst zu schmal; der Unterschenkel hat immer noch die Länge des damals Elfjährigen. Nächstes Jahr müssen wir ganz neue Prothesen mit breiteren Füßen und einem längeren Unterschenkel herstellen lassen.

13.5.2004: Heute habe ich Legian verlassen, nach zwei Stunden Motorradfahrt Candi Dasa erreicht. Hier will ich eine Woche "abschalten" - und mich nebenbei um unsere 6 Schüler und Schülerinnen in Ost-Bali kümmern. (Gede wird die Tourismus-Oberschule abschließen und muss sich eine Lehr- oder Trainigsstelle suchen; Wayan soll die Mittelschule beenden und sich an einer technischen Oberschule anmelden.)
Letztes Jahr zeigte ich Euch in diesem Stadium meiner Reise ein Foto meines über-voll beladenen Motorrades. - Dieses Jahr habe ich (gestern Abend) mal die Vorbereitung - das zum Einpacken bereitgelegte Gepäck - fotografiert.

Das vorsortierte Gepäck auf dem zweiten Bett meines Zimmers - und neben dem Bett.

Erklärungen zu den Nummern im Bild:
1) In dieser Leder-Reisetasche werde ich (auf meinem Schoß) zwei Computer, zwei Kameras und viele CDs transportieren.
2) Die zu verschenkende Kinderkleidung.
3) In diese Tasche kommen Bücher, Papiere, Medikamente und alle anderen "rechteckigen" Sachen.
4) Handtücher (aber es liegen noch drei Große an einer anderen Stelle).
5) Kameras und andere "Technik".
6) Medikamente und Verbandmaterialien.
7) Empfindliche und zerbrechliche Sachen kommen in diese Plastikdosen.
8) Kiloweise Kabel, Ladegeräte und Netzteile.
9) Meine eigene Kleidung.
- "Gerüchteweise" habe ich gehört, dass (zumindest auf Bali) an allen Schulen bereits die Versetzungsprüfungen begonnen haben (während es in den vergangenen Jahren die Zeugnisse erst im Juli gab). Sobald ich Neuigkeiten oder schon Ergebnisse erfahre, werde ich Euch hier wieder berichten.

9.5.2004: Seit gestern bin ich wieder in Indonesien.
Soll ich Euch ein paar "Überlegungen" mitteilen, die ich mir kurz vor dem Abflug notierte?:
In 24 Stunden werde ich DORT sein (und ich freue mich riesig!!!). Ich soll um 14.20 Uhr auf Bali landen. Minus 6 Stunden Zeitunterschied ist das 8.20 Uhr in Deutschland.
Um 8.20 Uhr sitze ich noch ganz gemütlich beim Frühstück (um 8.45 Ihr wird das Sammeltaxi zum Flughafen kommen); ich genieße Leberwurst und Schweizer Käse - und weiß genau, dass ich dies in spätestens zwei Monaten vermissen werde ... (Das gibt es wohl auch dort; aber das ist im Vergleich zum 15-Cent-Klebereis-Frühstück SOOO teuer, dass ich mir das ganz sicher nicht "leisten" werde.)

Was ich absolut nicht realisiert hatte, als ich (weil sie einen guten Preis anboten) China Airlines buchte: Wir flogen von Frankfurt nach Norden; über das südliche Schweden, über St. Petersburg - und immer weiter nach Osten bis ins fernste Sibirien. Die Fluggesellschaft von Taiwan darf nicht über die Volksrepublik China fliegen! Und so flogen wir fast bis Japan; dann über Südkorea nach Taiwan. - 13 Stunden! Von Taipeh ging es dann "schnur geradeaus" nach Süden und mit Rückenwind über Manila und Borneo nach Bali.
Ich werde 4-5 Tage hier bleiben. Das deponierte Gepäck sortieren, zum Friseur; Freunde treffen. Dann geht es nach Candi Dasa. Dort werde ich nicht nur die Schüler/innen in der Umgebung besuchen und abrechnen, sondern vor allen die kleine Pension direkt am Strand genießen: Ich gehe kaum mal ins Meer; aber ich liebe den Garten; die Massagen des Dorf-Heilers, die Geräusche von Brandung und tropischem Garten ...
Christi Himmelfahrt ist auch hier ein Feiertag, zu dem ich noch einmal die balinesischen Schüler/innen zu mir einladen werde. Am nächsten Tag werde ich wohl (so plane ich mal ...) nach Lombok fahren.


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